Freitag, 23. September 2005

FORMAT über neue Kollektion von Palmers: Mehr Sex für eine angeschlagene Marke

  • Meinungen darüber, ob Konzern den Turnaround mit den neuen Kollektionen schaffen kann, sind geteilt

Popstar Seal erntete im Wiener Burgtheater einhelligen Applaus, als er im Rahmen der Palmers-Gala "Love and Passion" am 19. September seine größten Hits nur mit Gitarrenbegleitung zum Besten gab. Über die Präsentation der neuen Wäschekollektionen von Palmers waren die zahlreichen Gäste geteilter Meinung. Von Begeisterung bis zu Enttäuschung reichte die Palette. "Die Fashionshow war ein Erfolg", urteilt etwa der Life-Ball-Organisator und gelernte Modeexperte Gerry Keszler: "Nur einige der Models arbeiteten nicht professionell genug."

Die Schwierigkeiten sind symptomatisch für die gesamte Situation des Textilunternehmens. Das Bemühen ist da. Ob der Turnaround nach den Troubles der letzten Jahre gelingt, ist noch offen. Ein überarbeitetes Logo in dunklerem Grün und mit neuer Krone wird nicht reichen.

Umsätze heuer um 15 Prozent niedriger
Die Umsätze der Palmers Textil AG, die schon 2004 auf unter 130 Millionen Euro sanken, gingen heuer nochmals um rund 15 Prozent hinunter. Das soll sich laut Palmers-Chef Thomas Weber in den letzten Monaten des Jahres ändern: "Durch neue Modelle werden die Einnahmen wieder steigen, es ist daher nur mit einem leichten Umsatzrückgang im Gesamtjahr zu rechnen." Nachsatz: "In Deutschland verbuchen wir sogar Zuwächse."

Zu wenig junge Modelle
Experten bewerten die Neupositionierung von Palmers unterschiedlich. Für Keszler wurde "der Spagat zwischen dem hollywoodartigen Divaesken und einer jüngeren Linie geschafft". Modedesignerin Michel Mayer sieht Pluspunkte im klassisch-eleganten Angebot: "Aber für die Generation zwischen 20 und 35 Jahre ist zu wenig dabei." Ein anderer Insider kritisiert die Kollektionen scharf: "Langweilig und nichts Neues."

Für Verwirrung sorgt auch, dass das neue Filialkonzept wieder umgestoßen wurde und daher später als geplant umgesetzt werden kann. Weber sagt dazu: "Wir haben unser Konzept lediglich neu überarbeitet. Die angehäuften Altlasten gehen nicht auf mein Konto. Ich bin für den Erfolg der Gegenwart verantwortlich."

Von Favoriten in die Wiener City
Dass der erste redesignte Palmers-Shop im November ausgerechnet in der Quellenstraße in Wien-Favoriten eröffnet, erklärt Weber so: Ein Prototyp werde immer an der Peripherie erprobt. Erst wenn er sich bewährte, gehe es in die Innenstädte.

Auch den Vorwurf, die neue Ware komme verspätet, lässt Weber nicht gelten: "Es war von Anfang an eine Einführung step by step geplant. Ich musste eine Anlaufzeit von zwölf Monaten abwarten, um die Kollektionen auf den Markt zu bringen."

Gerüchte, wonach Palmers das 1998 übernommene Wäschelabel Gazelle bald abgeben könnte, weil derzeit Käufer für Gazelle-Geschäfte gesucht werden, will Weber so nicht bestätigen: "Verkauf ist keiner geplant. Kommt ein gutes Angebot, werden wir es uns vielleicht überlegen."

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23.9.2005 11:44