Freitag, 23. September 2005

Erste-Bank-Boss Andreas Treichl prescht vor: 'Wir werden die Bank Austria überholen'

  • NEWS: Wie der Erfolgsbanker noch weiter zulegen will

Der Chef der Erste-Bank, Andreas Treichl, im NEWS-Talk: Wie der Erfolgsbanker noch zulegen und die BA-CA von Platz 1 verdrängen will.

NEWS: Die Erfolgsstory der Erste Bank in Zentral- und Osteuropa wird selbst von Konkurrenten als einmalig gewürdigt. Waren Sie besser als die anderen, oder war auch viel Glück dabei?

Treichl: Ich glaube, man kann nicht so lange Erfolg haben, ohne auch Glück zu haben. Aber wir waren schon auch selbst sehr tüchtig und sind es immer noch. Insgesamt muss ich aber sagen, dass nicht nur die Erste Bank, sondern auch andere österreichische Banken und Versicherungen in dieser Region extrem erfolgreich sind. Es gibt weltweit kein Land, das diesbezüglich ähnliche Erfolge wie Österreich vorweisen kann.

NEWS: Der Börsenwert der Erste Bank hat sich in fünf Jahren auf rund 11,5 Milliarden Euro fast versechsfacht. Gibt es in Europa eine vergleichbare Banken-Story?

Treichl: In Westeuropa nicht, in Osteuropa schon. Die ungarische OTP hat eine ähnliche Erfolgsstory. An der Börse kommt uns zugute, dass wir im wesentlichen eine ziemlich konservative Geschäftspolitik verfolgen, unser Risikoprofil ist nicht dramatisch.

NEWS: Hat die Erste Bank bereits ihr Expansionsziel erreicht?

Treichl: Wir müssen die Bank noch viel erfolgreicher machen. Wenn wir unsere Qualität halten wollen, müssen wir weiter expandieren.

NEWS: Welche großen Expansionsziele nimmt die Erste Bank als nächste ins Visier?

Treichl: Unsere Kunden in der Slowakei, Tschechien oder Ungarn verlagern beispielsweise bereits Produktionen wegen geringerer Lohnkosten nach Rumänien oder in die Ukraine. Wir wollen mit unseren Kunden mitgehen und in diese Märkte expandieren.

NEWS: Sie haben im Vorjahr eine Bonus-Zahlung von zwei Millionen Euro erhalten, weil Sie der Erste Bank treu blieben und nicht ins Ausland gewechselt sind. Zusätzlich gab es ein Jahresgehalt von 2,4 Millionen. Wie haben eigentlich Mitarbeiter und Kollegen aus der Branche auf diese in Österreichs Bankenwelt bislang einmalige Spitzengage reagiert?

Treichl: Die Dimension ist für Österreich durchaus sehr unüblich. Es gibt sicher Mitarbeiter, die sich gewundert haben, einige Konkurrenten haben sich hinter meinem Rücken darüber ziemlich exaltiert. Ausländische Kollegen, die ja viel mehr verdienen als ich, haben sich hingegen darüber lustig gemacht, dass es wegen dieser Gage überhaupt zu einer Diskussion gekommen ist.

NEWS: Denken Sie trotz der Bonuszahlung an einen Wechsel ins Ausland?

Treichl: Derzeit würde ich sicher nicht wechseln, und ich glaube, das gilt zumindest auch für die nächsten zehn Jahre. Ich halte es für völlig ausgeschlossen, dass ich mich mit irgendeinem anderen Finanzdienstleistungsunternehmen jemals so identifizieren kann wie mit der Erste Bank.

NEWS: Wie beurteilen Sie den aufsehenerregenden Deal zwischen UniCredit und HVB - und was heißt er für die BA-CA?

Treichl: Das ist sicher kein sehr leichter Deal, der mit vielfältigen Aufgaben verbunden ist, in Summe aber eine sehr interessante Transaktion.

NEWS: Sie liegen, gemessen an der Bilanzsumme, inzwischen Kopf an Kopf mit der BA-CA. Wird die Erste Bank heuer zur größten Bank Österreichs aufsteigen?

Treichl: Wir werden die Bank Austria bei der Bilanzsumme heuer sicher überholen, aber die Bilanzsumme war für mich nie relevant. Sie sagt nichts über den Erfolg eines Unternehmens aus.

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23.9.2005 09:03