Montag, 19. September 2005

Übernahme steht bevor: Deutsche Post will britische Exel für 5,5 Mrd. Euro übernehmen

  • Erwerb der Logistiker als größte Auslandsinvestition
  • Eine Kapitalerhöhung zu der Finanzierung ist geplant

Die Deutsche Post steht vor der größten Auslandsübernahme in ihrer Geschichte: Das Unternehmen kündigte am Montag in Bonn den Kauf der britischen Logistikgruppe Exel an. Der Kaufpreis beträgt demnach 5,5 Mrd. Euro. Der Bonner Konzern will die Kaufsumme zum Großteil in bar und zum kleineren Teil in Aktien aufbringen. Um das Geld aufzutreiben, plant die Post eine Kapitalerhöhung.

Die Übernahme von Exel wäre die bisher größte Auslandsinvestition des Unternehmens, die sogar den Kauf des internationalen Transportkonzerns DHL für 2,4 Mrd. Euro überträfe. Exel ist an der Londoner Börse umgerechnet rund 4,1 Mrd. Euro wert. Im ersten Halbjahr 2005 machte das Unternehmen einen Umsatz von 3,693 Mrd. Pfund (5,46 Mrd. Euro).

72 Prozent des Preises in bar
Die Exel-Aktie wird beim geplanten Kauf des britischen Logistik-Konzerns demnach mit rund 18,39 Euro bewertet. Die Post will den Kaufpreis zu rund 72 Prozent in bar aufbringen, den verbleibenden Teil durch die Ausgabe neuer Aktien. Das Grundkapital der Post werde sich dadurch etwa um 7 Prozent erhöhen, hieß es.

Die neue Logistikzentrale soll in der englischen Stadt Bracknell südwestlich von London angesiedelt werden. Chef der neuen Logistikeinheit soll Exel-Vorstand John Allan werden.

Die Übernahme von Exel käme der Post nach Ansicht von Experten bei ihrem Internationalisierungskurs und dem Ausbau der Logistiksparte gelegen. Exel gilt als führend im Bereich der Kontraktlogistik. Dieses Geschäftsfeld umfasst neben dem Management der gesamten Warenkette großer Unternehmenskunden auch zusätzliche Serviceleistungen wie Reparaturen von beschädigten Waren und Lagerhaltung.

Die Exel-Übernahme wäre der größte Zukauf in der Geschichte der Deutschen Post. Die Post will damit zur Nummer eins in der weltweiten Logistik aufrücken und ihre Abhängigkeit vom voraussichtlich 2007 auslaufenden deutschen Briefmonopol verringern. Im Rahmen der Übernahme soll Exel-Chef John Allan in den Vorstand der Post aufrücken und dort das Logistik-Geschäft verantworten, bestätigte die Post. Der bisher für die Logistik zuständige Post-Vorstand Frank Appel werde im Vorstand bleiben und mit neuen Aufgaben betraut werden. Das Wachstum von Exel wird in der Branche eng mit Allan in Zusammenhang gebracht.

Mit der Übernahme würde die Post mit dann rund einer halben Million Beschäftigten zu einem der zehn größten Konzerne der Welt. Durch Exel will Post-Chef Zumwinkel die Logistik zu einer der tragenden Säulen des Konzerns neben dem Briefgeschäft, dem Expressdienst und der Postbank ausbauen. Den Großteil ihrer Gewinne schöpft die Post derzeit noch aus dem Briefgeschäft. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern nach früheren Angaben einen Nettogewinn von rund 2 Mrd. Euro. Von dem Zukauf erhofft sich der Konzern nun jährliche Synergien bis 2008 von etwa 220 Mio. Euro.

Börse: Post-Aktien gaben nach
Die Aktien der Deutschen Post sind am Montag nach der Bekanntgabe des Übernahmeangebots für den britischen Logistikkonzern Exel mehr als 3 Prozent schwächer in den Handel gestartet.

Die Aktien verloren zu Handelsbeginn 3,3 Prozent auf 19,32 Euro - allerdings startete Montagfrüh nach den Bundestagswahlen auch der DAX mit mehr als 2 Prozent im Minus. Die Deutsche Post bietet für Exel rund 5,5 Mrd. Euro.

(apa)

19.9.2005 09:18