Mittwoch, 21. September 2005

Die Pfeifen der Nation: Schiris müssen
als Sündenböcke der Bundesliga herhalten

  • Verbale Angriffe auf Unparteiische Tageprogramm
  • Schiedsrichter-Kommission appelliert an "Fair Play"

Für die Wiener Großklubs Rapid und Austria läuft es derzeit in der T-Mobile-Bundesliga alles andere als wunschgemäß. Die Schuld an dieser Misere wird dabei von den Verantwortlichen nur allzu gerne auf die Unparteiischen abgewälzt. "Jeder sucht die Schuld bei anderen und macht es sich damit besonders leicht, denn wieder einmal müssen die Schiedsrichter als Sündenböcke herhalten", betonte Johann Hantschk, Vorsitzender der heimischen Schiedsrichter-Kommission, am Mittwoch gegenüber der APA.

Neben Austria-Trainer Frenkie Schinkels, der in Interviews vorenthaltene Elfer für Austria-Niederlagen verantwortlich machte, legte sich auch Rapid-Coach Josef Hickersberger zuletzt vermehrt mit Unparteiischen an. Auch nach dem 2:2 bei Sturm Graz - dieses Remis war bereits die sechste sieglose Bundesliga-Partie in Serie für die Hütteldorfer - ging der Coach am Dienstagabend mit Referee Krassnitzer hart ins Gericht und sprach von einem generellen Unparteiischen-Problem in der Bundesliga.

"Am Schiedsrichterwesen in Österreich muss sich etwas ändern. Der Elfer für Sturm war eine der krassesten Fehlentscheidungen, die ich in letzter Zeit gesehen habe", meinte "Hicke". "Noch lächerlicher war aber unser Freistoß, da hört sich alles auf."

"Aber jeder macht Fehler"
Hantschk gab zu, dass der Elfer, der zum 2:1 für Sturm geführt hatte, keiner war. "Aber jeder macht Fehler, und im Fernsehzeitalter mit den vielen Kameras rund um das Spielfeld und all den Zeitlupen ist der Schiedsrichter immer zweiter Sieger. Doch der Freistoß, von dem Hickersberger sagt, dass er ihn nicht einmal geschenkt haben will, war durchaus berechtigt. Denn wie die Fernsehbilder zeigen, ist Akagündüz sogar noch im Fallen von seinem Gegenspieler gehalten worden", erklärte der Vorsitzende der Referee-Kommission, den diese unangebrachte Kritik von Hickersberger besonders ärgerte: "Mit solchen Verhöhnungen korrekter Entscheidungen sollen Schiedsrichter in den Dreck gezogen werden!"

Hantschk appellierte daher einmal mehr an den "Fair Play"-Gedanken. "Ich möchte zur Besonnenheit aufrufen, denn Trainer haben bekanntlich auch eine Vorbildfunktion. Sie reißen mit ihrem Fehlverhalten teilweise auch Spieler mit, die sich dann ebenso unsportlich und undiszipliniert gegenüber dem Schiedsrichter verhalten. Es ist aber nicht die Aufgabe des Trainers, die Schiedsrichterleistungen pausenlos zu kritisieren, zu kommentieren oder zu analysieren. Das machen wir ohnehin selbst. Und im Gegensatz zu einem Spieler, der eine schlechte Leistung bringt, erhält ein Schiedsrichter nach einer schwachen Vorstellung ohnehin eine mehrwöchige Nachdenkpause."

Während Schiedsrichter Krassnitzer im Zentrum der Schelte von Hickersberger stand, wurde Jozef Valachovic von ihm zum Matchwinner erkoren, wobei sich auch dieser Kritik gefallen lassen musste. "Sein Freistoß war besser geschossen als sein Elfer gegen die Bayern, vielleicht weil er weiter weg war. Für Jozef war es super, denn er hat sehr unter dem vergebenen Elfer gelitten. Jetzt hat er der Mannschaft einen Punkt gerettet", sagte Hickersberger, der gegen die Geldstrafe von 750 Euro, die ihm am Montag vom Strafsenat der Fußball-Bundesliga wegen "Nichtbefolgung einer Verbandsanordnung und unsportlichen Verhaltens" auferlegt wurde, berufen wird.

Hicke als vierter Mann
Grund für diese Pönale war aber seine Verbannung auf die Tribüne am 10. September beim 1:1 in der Südstadt und nicht sein Verhalten bei der 0:1-Heimniederlage am Samstag gegen die Admira. Im Hanappi-Stadion hatte er die Auswechslungen und die Nachspielzeit mit der Anzeigetafel selbst angezeigt. Diese Aktion bezeichnete der Rapid-Trainer nun nachträglich als "grenzgenial", aber auch als "dumm bis deppert". "Manchmal stehe ich mir selbst im Weg", gestand der 57-Jährige, der bereits im Juni mit einem Einspruch gegen ein Strafsenatsurteil erfolgreich gewesen ist.

Und obwohl sein Team seit 6. August (3:1-Sieg über die Austria) einem Bundesliga-Sieg nachläuft, bleibt Hickersberger weiter ein heißer Kandidat auf die Nachfolge von ÖFB-Teamchef Hans Krankl, wobei den Rapid-Trainer so ein Angebot angeblich überhaupt nicht reizt. "Ich habe den besten Job in Österreich, bin beim besten Klub mit den meisten Fans. Ich habe einen Vertrag bis 2006 und gehe nicht gern von Rapid weg", betonte der Meistermacher, der gar nicht verstehen kann, wieso ausgerechnet er Nationaltrainer werden soll. "Dass ich als Teamchef nach dem Färöer-Match noch einmal ins Gerede gekommen bin, wundert mich selbst, aber mit mir hat noch keiner geredet."

(apa)

21.9.2005 11:47