Mittwoch, 21. September 2005

Rad-WM: Österreichs Trio heute nur mit Außenseiterchance im WM-Straßenrennen

  • Eisel, Wrolich, Haselbacher wollen eine Medaille
  • Sprint-Asse Petacchi und McEwen als Topfavoriten

Die Chancen auf den Spitzenplatz eines österreichischen Radprofis im WM-Straßenrennen stehen gut wie selten zuvor. Bei den Titelkämpfen in Madrid wird der ÖRV heute durch das sprintstarke Trio Bernhard Eisel, Rene Haselbacher und Peter Wrolich vertreten. Österreichs Asse setzen auf eine Massenankunft. "Wir haben berechtigte Chancen. Der Kurs spricht für uns und wir bringen Erfahrung und Top-Platzierungen mit", erklärte Wrolich.

Die Drei haben Außenseiterchancen auf eine Top-Platzierung bei den Weltmeisterschaften, die wegen des späten Termins bei ÖRV-Profis zuletzt oft ungeliebt waren. Die beste Platzierung liegt 20 Jahre zurück - Harald Maier war 1985 in Italien Fünfter. Ähnliches ist auch heuer möglich, alle drei Österreicher waren in großen Rundfahrten schon unter den ersten Drei. Eisel hat heuer eine Etappe der Tour de Suisse gewonnen, Wrolich war Etappen-Zweiter der Tour de France.

Favoriten sind freilich andere: Alessandro Petacchi möchte nach Mario Cipollini 2002 wieder für einen italienischen Erfolg sorgen, der Australier Robbie McEwen gilt nicht zuletzt wegen der gefährlichen 180-Grad-Kurve rund 600 Meter vor dem Ziel als heißer Tipp, weitere Kandidaten sind Tom Boonen (BEL), Erik Zabel (GER) und Thor Hushovd (NOR).

Damit zum bereits fünften Mal bei den vergangenen sieben WM-Auflagen die spanische Hymne erklingt (drei Mal für den diesmal fehlenden Titelverteidiger Oscar Freire, ein Mal für Igor Astarloa), müssen die Gastgeber vor den erwarteten 300.000 Fans wohl eine vorzeitige Entscheidung suchen. Alejandro Valverde war 2003 im Sprint einer kleineren Gruppe bereits WM-Zweiter. Spezialist für Attacken vor dem Ziel ist auch Olympiasieger Paolo Bettini (ITA).

Eisel hat eine lange Saison mit 90 Renntagen in fast allen großen ProTour-Rennen in den Beinen. Dennoch fühlt sich der junge Steirer stark genug für die 273-km-Prüfung (13 Runden) auf dem Stadtkurs mit zwei nicht allzu schwierigen Steigungen. "Man muss eine perfekte Tagesform erwischen. Dann ist auch die Distanz kein Problem. Bei mir beginnt es ab 200 Kilometer so richtig zu rollen", meinte Eisel selbstbewusst.

Wrolich hat längere Zeit kein großes Rennen bestritten, aber seriös trainiert. "Paco ist in einer Spitzenform", bescheinigte Eisel seinem Freund nach gemeinsamen Ausfahrten in Kärnten. Für wen bei einem möglichen Massensprint wirklich gefahren wird, wollen die drei kurzfristig im Rennen entscheiden. "Wenn wir zu dritt mit der Spitze in die letzte Kurve kommen, können wir schon etwas ausrichten", meinte Wrolich. Haselbacher hatte mit der Vuelta eine perfekte Vorbereitung auf die lange Distanz. "Wir müssen klug fahren und den unterstützen, der sich am besten fühlt", meinte der Burgenländer.

Einig sind sich alle über die Gefährlichkeit der letzten Kurve vor dem Ziel. "Da wird es einen Schepperer geben", ist sich Eisel sicher und Haselbacher gibt die Devise aus: "Wer bremst verliert." Schon vor der U-Kurve auf dem Paseo de la Castallana in der Nähe des Bernabeu-Stadions wird es ein Gerangel um die besten Plätze geben. Nur wer ganz vorne um die Ecke biegt, hat eine Chance auf Edelmetall. Petacchi setzt auf seine Helfer und McEwen baut auch auf seine (Ellbogen-)Technik.

"Er ist für diese Kurve der perfekte Mann, keiner hat das Rad so unter Kontrolle", erklärte Eisel. "Aussie" McEwen gibt sich selbstbewusst ("Ich habe Petacchi im Giro drei Mal geschlagen"), hofft aber selbst darauf, dass der Weltverband das Ziel noch verlegt. "Jeder redet von der McEwen-Kurve, aber es wird auch für mich eine Lotterie. Wer am spätesten bremst, hat die besten Chancen, zu gewinnen."

(apa/red)

21.9.2005 10:15