Erste Bank Eishockey-Saison: Routinierte Legionäre wollen Boom am Leben erhalten
- Übersee-Cracks und skandinavische Klassespieler sollen NHL-Heimkehrer kompensieren
Österreich erlebte in der vergangenen Saison der Erste Bank Liga einen wahren Eishockey-Boom. Ausverkaufte Hallen, attraktive Halbfinalspiele und ein an Spannung kaum zu überbietender Final-Showdown zwischen den Vienna Capitals und dem KAC. Erstklassige Legionäre hatten einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung.
Die Kehrseite der Medaille wurde dann bei der Heim-WM in Wien und Innsbruck sichtbar, als Österreich nicht zuletzt deshalb abstieg, weil nach zahlreichen Ausfällen Spieler in den Teamkader nachrückten, die in ihren Klubs nur wenig Verantwortung tragen müssen.
Mit den Capitals wurde jene Mannschaft Meister, die das qualitativ stärkste und am besten harmonierende Legionärs-"Packet" geschnürt hatte. Das kanadische Quintett Michael Craig, David Chyzowski, Bob Wren, Darcy Werenka und Goalie Frederic Chabot zeichnete hauptverantwortlich für den ersten Titel einer Wiener Mannschaft seit 1962.
Craig mit 37 Toren und 45 Assists bester Scorer
Flügel Craig avancierte mit 37 Toren und 45 Assists zum besten Scorer der Liga, Chyzowski (37/37) und Center Wren (19/53) folgten auf den Plätzen. Chyzowski, der die Caps im Sommer Richtung Linz verließ, stand an der Spitze der Plus/Minus-Statistik.
Mit dem Ende des NHL-Lockouts zog es die auf ganz Europa verteilten Profis wieder zu ihren Stammklubs nach Nordamerika zurück. So mussten sich auch die österreichischen Vereine von Leistungsträgern und Publikumslieblingen verabschieden. Siklenka (KAC-Dallas Stars), Isbister (Innsbruck-Boston Bruins), die VSV-Legionäre Krog (Colorado Avalanche), Moreau (Edmonton Oilers) und Weinrich (St. Louis Blues) sowie die Ex-Salzburger Pandolfo (New Jersey Devils), Reasoner (Edmonton) und Chouinard (Philadelphia Flyers) kehrten der Liga den Rücken.
Salzburg kaufte in Skandinavien ein
Doch neue Legionäre sollen die vielen Abgänge vergessen machen: Während der Titelverteidiger aus der Hauptstadt den US-Verteidiger Kevin Mitchell (25/zuletzt Iserlohn/DEL) und den kanadischen Goalie Jeff Maund (29/Ritten Sport/ITA) als Chabot-Ersatz verpflichtete, setzt Finanz-Krösus Red Bulls Salzburg voll auf skandinavische "Energy".
Der schwedische Star-Trainer Hardy Nilsson holte mit dem finnischen Teamstürmer Juha Lind einen absoluten Klassemann. Der 31-Jährige spielte vier Saisonen in der NHL, jeweils zwei bei den Dallas Stars und Montreal Canadians. Nilssons Landsmann Björn Bjurling, zuletzt drei Saisonen in der schwedischen Eliteserien, steht beim Titelanwärter zwischen den Pfosten. Verteidiger Burke Henry (CAN) kam aus der AHL.
Kanadier Hinz ab sofort beim KAC
Rekordmeister KAC sicherte sich die Dienste des Kanadiers Chad Hinz vom schwedischen Zweitligisten Skelleftea, dem neuen Klub von KAC-Nationalstürmer Daniel Welser. Der gebürtige Kanadier Ryan Foster erhielt die österreichische Staatsbürgerschaft und nimmt somit keinen der fünf Legionärsplätze in Anspruch.
Mit seinem Landsmann Ricard Persson, der von den Eisbären Berlin kam, holte der schwedische KAC-Trainer Mats Waltin einen erfahrenen Weltklasse-Verteidiger. Der 35-Jährige blickt auf mehr als 400 NHL-Partien für New Jersey, St. Louis und Ottawa zurück.
Während sich KAC-Erzrivale VSV den DEL-Schützenkönig von 2004 (in dieser Funktion Nachfolger des Österreichers Christoph Brandner) Dany Bousquet (CAN/32) angelte, gelang den Innsbrucker "Haien" eine echte Transfer-Sensation. Neo-Coach Alan Haworth verpflichtete seinen Landsmann Todd Elik (39).
Transfersensation: Todd Elik zu Innsbrucker Haie
Die lebende Legende ist neben ihren Torjägerqualitäten als "Enfant terrible" bekannt. In insgesamt 448 NHL-Einsätzen erzielte Elik 111 Tore und verbuchte 218 Assists. Bei seinem bisher letzten Arbeitgeber, dem Schweizer Meister Davos, hieß es über die kontroverse Persönlichkeit: "Wo er spielt, regieren Blitz und Donner."
Die Liwest Black Wings Linz versuchen ebenfalls mit einem kanadischen Goalgetter an die Erfolge des in Konkurs gegangenen Vorgänger-Vereins anzuschließen (Meister 2003). Der 28-jährige Rob Shearer stürmte die vergangenen drei Jahre für die Eisbären und holte mit den Berlinern heuer den deutschen Meistertitel.
(apa)
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