Nach Großoffensive: Hamas kündigt Einstellung der Raketenangriffe auf Israel an
- Anführer des bewaffneten Jihad-Arms wurde getötet
- Waffenruhe mit Israel damit aufgekündigt
·Israel-Luftwaffe griff Hamas-Mitglieder an
Israels Kabinett billigt einen Gaza-Militäreinsatz
·Explosion bei Hamas- Kundgebung - 19 Tote
Israel will mit Vorfall nichts zu tun haben
Nach sieben Monaten relativer Ruhe steht der Waffenstillstand im Nahen Osten vor einer schweren Bewährungsprobe. Nach mehreren israelischen Militäraktionen als Folge von Raketenbeschuss militanter Extremisten aus dem Gazastreifen kündigte der Islamische Jihad am Sonntagabend die Waffenruhe auf. Kurz darauf erklärte jedoch ein Hamas-Führer, die Raketenangriffe auf Israel würden eingestellt.
Die Hamas stehe zu der Waffenruhe, sagte Mahmud Sahar auf einer Pressekonferenz. Auch die Militärparaden nach dem israelischen Abzug aus dem Gazastreifen sollten gestoppt werden. "Wir rufen unsere militärischen Gruppen auf, ihre Operationen gegen den Feind aus dem Gazastreifen zu beenden", erklärte Sahar.
Die Entscheidung sei aus Sorge um die palästinensische Bevölkerung getroffen worden. Zudem habe sich die Hamas verpflichtet, eine de-facto-Waffenruhe bis Ende des Jahres einzuhalten. "Die Bewegung erklärt ein Ende ihrer Operationen vom Gaza-Streifen aus gegen die israelische Okkupation, die eine Reaktion auf die Angriffe des Feindes waren", sagte Sahar.
Die Israelis hatten nach einer Serie von Raketenangriffen von dem vor zwei Wochen von ihnen geräumten Gazastreifen eine Militäroffensive gestartet. Diese schließt Luftangriffe auf palästinensische Ziele im Gazastreifen sowie die gezielte Tötung militanter Palästinenser ein. Die Offensive soll erst gestoppt werden, wenn die Palästinenser die Raketenangriffe auf israelische Ortschaften einstellen. Zunächst war unklar, ob Israel die Militäroffensive abblasen würde. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums rief die Hamas auf, die Waffen niederzulegen.
Zuvor hatte Israel eine Militäroffensive gestartet. Die Streitkräfte brachten Artillerie in Stellung und schlossen einen Einmarsch in den Gazastreifen nicht aus. Der Chef des Islamischen Jihads im Gazastreifen und im Westjordanland, Mohammed Al Hindi, sagte, es sei keine Rede von einem Waffenstillstand, sondern nur noch von Krieg. Israel hatte zuvor den Führer der Gruppe im südlichen Gazastreifen, Mohammed Chalil, bei einem gezielten Luftangriff in der Stadt Gaza getötet.
Israelische Kampfflugzeuge griffen in der Nacht zum Sonntag mehrere Ziele im Gazastreifen an, darunter Werkstätten zur Herstellung von Waffen und eine Schule, die der Hamas als Stützpunkt gedient haben soll. 19 Menschen wurden leicht verletzt. Im Westjordanland nahmen Soldaten 209 Palästinenser fest, unter ihnen auch den Hamas-Führer Hassan Jussef. Zuvor waren am Samstag in Gaza bereits zwei Autos bombardiert worden; dabei wurden zwei Hamas-Funktionäre getötet.
Das israelische Sicherheitskabinett habe beschlossen, "einen umfassenden Angriff auf die Hamas zu starten", sagte Generalmajor Jisrael Ziv. Die Offensive trage die Bezeichnung "Operation Erster Regen". Auslöser war der Beschuss israelischer Ortschaften mit etwa 40 Raketen aus dem Gazastreifen. Der Plan schließe neben Luftangriffen auch einen Truppenvorstoß ein, doch müsse dieser Teil noch vom ganzen Kabinett gebilligt werden, verlautete aus Militärkreisen.
Die israelische Regierung forderte die Autonomiebehörde auf, die Raketenangriffe auf israelische Ortschaften an der Grenze zum Gazastreifen zu stoppen. Ministerpräsident Ariel Scharon erklärte am Sonntag, die Truppen würden "alle Mittel" einsetzen, um die Terroristen, ihre Ausrüstung und ihre Verstecke zu treffen. Dies gelte nicht nur für den Gazastreifen, sondern auch für das Westjordanland.
Die Palästinenser baten den amerikanischen Präsidenten George W. Bush um Hilfe, wie Präsident Mahmud Abbas erklärte. US-Außenministerin Condoleezza Rice telefonierte am Samstag mit Abbas und forderte ihn auf, die Waffenruhe mit Israel einzuhalten, wie der palästinensische Regierungssprecher Nabil Abu Rdeneh erklärte. Rice telefonierte nach Angaben des US-Botschafters Richard Jones in den vergangenen Tagen auch mehrfach mit israelischen Regierungsvertretern. "Die Terroristen versuchen, Israel in dieser sensiblen Zeit zu provozieren", sagte Jones. (apa)
