Armenien-Massaker im 1. Weltkrieg: Erste Historiker-Konferenz in Istanbul eröffnet
- Tagungsort wurde nach zwei Absagen verlegt
Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen ist in Istanbul am Samstag die erste Historikerkonferenz über das Massaker an den Armeniern im Ersten Weltkrieg eröffnet worden. Die Tagung war wegen eines gerichtlichen Verbots zuvor zwei Mal abgesagt und am Freitag schließlich von der Bogazici- in die Bilgi-Universität verlegt worden. Die Europäische Union verurteilte das gerichtliche Verbot.
Eine Gruppe von Demonstranten warf den Organisatoren Verrat vor und bewarf die eintreffenden Teilnehmer mit Eiern. Die Protestaktion ging nach etwa eineinhalb Stunden ohne weitere Zwischenfälle zu Ende. Polizisten in Schutzausrüstung bewachten den Tagungsort, vor dem elf Polizeibusse sowie ein Schützenpanzer standen.
Das Zustandekommen der Konferenz sei ein wichtiges Zeichen für die Meinungs- und Forschungsfreiheit in der Türkei, sagte Halil Berktay, Historiker an der Sabanci-Universität. Mitorganisator Murat Belge sagte zur Eröffnung der Konferenz: "Das ist ein Kampf um die Frage: 'Können wir über diese Sache sprechen oder nicht?'. Das hat viel mit der Frage zu tun, was für ein Land die Türkei sein wird."
Die EU hatte das Verbot der Tagung als neuen Versuch kritisiert, "die türkische Gesellschaft davon abzuhalten, ihre Geschichte frei zu diskutieren". Die Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei sollen am 3. Oktober beginnen. Auch Ministerpräsident Erdogan hatte die Absage der Konferenz als schädlich für die Demokratie verurteilt.
Die gewaltsame Vertreibung von bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ottomanischen Reich in den Jahren 1915 bis 1923 ist in der Türkei ein Tabuthema. Die armenische Darstellung, es habe sich um einen geplanten Völkermord gehandelt, wird zurückgewiesen. (apa)
