Israels Luftwaffe griff Hamas-Mitglieder an:
Mindestens 2 Menschen bei Angriff getötet
- Israels Kabinett billigt einen Gaza-Militäreinsatz
- Palästinensischer Premier Korei verurteilt Luftangriffe
·Explosion bei Hamas- Kundgebung - 19 Tote
Israel will mit Vorfall nichts zu tun haben
Nach den jüngsten Raketenangriffen palästinensischer Extremisten hat Israel die so genannten gezielten Tötungen offenbar wieder aufgenommen. Bei einem israelischen Luftangriff auf zwei Autos in Gaza-Stadt wurden am Samstag mindestens zwei militante Mitglieder der palästinensischen Hamas-Bewegung getötet. Unklarheit herrschte über die tatsächliche Anzahl von Toten. Medien berichtete von insgesamt vier Todesopfern.
Zudem wurden laut Ärzten neun weitere Menschen verletzt, drei davon schwer. Die israelischen Streitkräfte bestätigten den Angriff. Israel hatte nach Raketensalven auf israelische Grenzorte harte Vergeltung angekündigt. Der palästinensische Vize-Premier Nabil Shaath verurteilte den Angriff als " Akt krimineller Aggression". Israel wolle den im Februar vereinbarten Waffenstillstand aufkündigen. Die Hamas kündigte Vergeltung an. Bereits zuvor hatte die israelische Luftwaffe Ziele im Gazastreifen beschossen.
Gaza-Militäreinsatz gebilligt
Das israelische Sicherheitskabinett um Ministerpräsident Sharon hat am Samstagabend als Reaktion auf die jüngsten Raketenangriffe militanter Palästinenser einen größeren Militäreinsatz im Gazastreifen gebilligt. Dies schließt notfalls auch einen Einmarsch mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein, aus dem sich Israel erst vor zwei Wochen zurückgezogen hat.
Der kleinere Kabinettskreis habe sich zudem auf eine Wiederaufnahme der Liquidierungen, Festnahmen gesuchter militanter Palästinenser sowie Angriffe auf die Infrastruktur von Extremistengruppen geeinigt, hieß es. Damit folgten die Minister den Empfehlungen des Verteidigungsministeriums sowie der Militärspitze. Sharon habe bei der Dringlichkeitssitzung Anweisung erteilt, den Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen auf israelische Ziele zu unterbinden.
Verteidigungsminister Shaul Mofas kündigte die Entsendung von Soldaten in das Grenzgebiet sowie die Absperrung der Autonomiegebiete an. "Wir müssen den Palästinensern deutlich machen, dass Israel die jüngsten Ereignisse nicht ohne Reaktion hinnehmen wird", erklärte der Minister. "Die Reaktion muss vernichtend sein."
Die Luftwaffe beschoss Waffenwerkstätten und -depots im Gazastreifen, nachdem von dort aus 21 selbst gebaute Raketen auf die israelische Grenzstadt Sderot abgefeuert worden waren. Dabei wurden fünf Israelis verletzt. Bei den israelischen Luftangriffen erlitten laut Angaben aus palästinensischen Krankenhäusern drei Menschen leichte Verletzungen. Es waren die ersten Angriffe dieser Art seit dem Abzug Israels aus dem Gazastreifen am 12. September.
Insgesamt wurden seit Freitagmittag 39 Raketen vom Gazastreifen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Der Islamische Jihad bekannte sich zur ersten Angriffswelle und erklärte, sie sei ein Racheakt für die Tötung dreier Jihad-Aktivisten in Tulkarem im Westjordanland.
Die Hamas übernahm die Verantwortung für die späteren Raketenangriffe auf Sderot, die sie als Vergeltung für die Explosion eines Kleinlasters im Flüchtlingslager Jebelija bezeichnete. Dabei wurden am Freitagabend im Flüchtlingslager Jebelija 15 Palästinenser getötet und 80 verletzt. Aus palästinensischen Sicherheitskreisen verlautete allerdings, die Explosion sei vermutlich auf unsachgemäßen Umgang mit Sprengstoff zurückzuführen.
Die israelische Luftwaffe ließ Flugblätter über Gaza verteilen, in denen es hieß, die Hamas habe die Eskalation ausgelöst, um von der Explosion abzulenken. Auch der palästinensische Präsident Mahmud Abbas machte die Hamas für die Explosion verantwortlich. Gleichzeitig versicherte er jedoch in einer Rede in Ramallah, die Parlamentswahl im Jänner werde wie geplant stattfinden. Er bezog sich offenbar auf Forderungen aus Israel, die Hamas von der Wahl auszuschließen.
Angesichts der neuen Gewalt im Nahen Osten plant der jordanische König Abdullah für die kommenden Tage eine Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete. Bei seinen Gesprächen mit Sharon und Abbas werde der Monarch beide Seiten zu weiteren vertrauensbildenden Maßnahmen und einem Vorgehen gegen Gewalt in jeder Form ermutigen, hieß es in der jordanischen Nachrichtenagentur Petra.
Mit der Reise erfülle König Abdullah eine Bitte von US-Präsident George W. Bush um Vermittlung im Nahost-Friedensprozess. Bush und Abdullah waren am Donnerstag im Weißen Haus in Washington zu einem Gespräch zusammengetroffen. König Abdullah ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Nahen Osten.
(apa/red)
