Nach Angriffen auf britische Soldaten im Irak: Forderungen nach Abzug werden laut
- Reid: Nach Vorfall im Irak "nicht Reißaus nehmen"
Nach den Angriffen auf britische Soldaten im südirakischen Basra sieht sich die Regierung in London Forderungen nach einem Abzug der Truppen ausgesetzt. "Bringt sie nach Hause zurück", titelte die konservative Zeitung "Daily Express", die den Einsatz im Irak bisher unterstützte.
Viel zu lange schon habe die Regierung von Premierminister Tony Blair die Dinge im Irak schleifen lassen, schrieb der "Daily Express". Der Regierungschef müsse nun endlich einen Termin für den Abzug der rund 8.000 um Basra stationierten britischen Soldaten nennen. Die Tageszeitung "Guardian" sprach von einem "Wendepunkt" für den britischen Militäreinsatz im Irak. Verteidigungsminister Reid sagte dem Sender BBC, die britischen Streitkräfte würden so lange wie nötig und so lange wie die irakische Regierung dies wünsche im Land bleiben.
Die schwerwiegenden Angriffe auf die britischen Soldaten im vergleichsweise ruhigen Basra und die entsprechenden Bilder in den Medien schreckten die britische Öffentlichkeit auf. Die britische Armee hatte am Montag zwei bei einem Geheimdiensteinsatz von der irakischen Polizei festgenommene und später in die Hände von Schiitenmilizen geratene britische Soldaten gewaltsam befreit. Aufgebrachte Demonstranten in Basra schleuderten später Brandbomben auf britische Panzer und zwangen deren Besatzung zur Flucht.
Auch am Mittwoch gingen in Basra rund 300 Menschen auf die Straße und demonstrierten gegen die Befreiungsaktion der britischen Armee. "Wir fordern, dass die beiden Soldaten der irakischen Justiz übergeben werden", hieß es auf Spruchbändern der Demonstranten. Angesichts der Spannungen mit London hatte die irakische Regierung am Dienstagabend versichert, es gebe "keine Krise" in den beiderseitigen Beziehungen. Regierungschef Jaafari wollte bei seinem Treffen mit Reid in London Zweifel daran ausräumen.
Dass die beiden von der irakischen Polizei festgenommenen britischen Soldaten in die Gewalt von Milizionären gelangten, hatte den Verdacht genährt, die irakischen Sicherheitskräfte seien von Aufständischen unterwandert. In einem BBC-Interview bestätigte der irakische Sicherheitsberater Muwaffak el Rubaje diese Einschätzung. "Aufständische und Terroristen haben sich in unsere irakischen Sicherheitskräfte im Allgemeinen, und in die Polizei im Besonderen, in zahlreichen Teilen des Landes eingeschleust", sagte Rubaje. In welchem Ausmaß Rebellen in die Sicherheitsdienste eingedrungen seien, könne er selbst nicht sagen, "aber ich muss zugeben, dass sie unterwandert sind".
Der Iran wies am Mittwoch Anschuldigungen von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zurück, das Land habe etwas mit den Unruhen in Basra zu tun. Die Äußerungen des Pentagonchefs seien "erfunden und ohne Grundlage", zitierte die iranische Nachrichtenagentur Irna einen Sprecher des Außenministeriums in Teheran. Rumsfeld hatte gesagt, der Iran solle sich im Süden des Irak zurückhalten. Seine Rolle in der schiitischen Bevölkerungsmehrheit sei "nicht hilfreich".
Aus britischen Regierungskreisen hieß es, die Frage des Abzugs der Truppen aus dem Irak sei ein Dilemma. Ein zu früher Abzug würde den Eindruck vermitteln, die US-geführte Koalition liefere die irakische Zivilbevölkerung schutzlos den Aufständischen aus. Eine zu lange Stationierung der Truppen hingegen würde den Eindruck einer Besatzung auf unbefristete Zeit vermitteln - und somit die Unzufriedenheit der Bevölkerung schüren sowie weitere Angriffe provozieren.
Nach Vorfall im Irak "nicht Reißaus nehmen"
Die Regierung in London hält trotz der Angriffe auf britische Soldaten in Basra an ihrem Einsatz im Irak fest. Großbritannien werde "nicht Reißaus nehmen", sagte der britische Verteidigungsminister John Reid am Mittwoch nach einem Treffen mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ibrahim Jaafari in London. Großbritannien sei kein "Schönwetterfreund", sondern wolle "dem Irak in rauen Zeiten zur Seite stehen und ein engagierter Freund sein".
Ziel sei es, die Sicherheit im Land durch irakische Truppen zu gewährleisten. Dieser Prozess dauere noch an. Die britischen Truppen sollten nicht länger als nötig im Irak bleiben, sagte Reid. Der Abzug werde aber erst nach einer entsprechenden Aufforderung durch die irakische Regierung erfolgen.
Die britische Armee hatte am Montag zwei bei einem Geheimdiensteinsatz von der irakischen Polizei festgenommene und später in die Hände von Schiitenmilizen geratene britische Soldaten gewaltsam befreit. Aufgebrachte Demonstranten in Basra schleuderten später Brandbomben auf britische Panzer und zwangen deren Besatzung zur Flucht. Die Auseinandersetzungen in dem sonst vergleichsweise ruhigen Basra und die entsprechenden Bilder in den Medien schreckten die britische Öffentlichkeit auf. Zeitungen forderten einen Truppenabzug aus dem Irak. (apa)
