Dienstag, 20. September 2005

UNO-Vorwurf an katholische Kirche: Soll kroatischen Ex-General Gotovina decken

  • Del Ponte: Ex-General soll in Franziskanerkloster sein

Die Chefanklägerin des Haager UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte, wirft der katholischen Kirche in Kroatien und dem Vatikan vor, den als Kriegsverbrecher gesuchten kroatsichen Ex-General Ante Gotovina zu decken. Sie sei sicher, dass sich der einstige französische Fremdenlegionär in einem kroatischen Franziskanerkloster versteckt halte, so Del Ponte.

Sowohl der Vatikan als auch die kroatische Bischofskonferenz wiesen die Anschuldigungen der UNO-Chefanklägerin zurück. "Die katholische Kirche schützt Gotovina. Ich habe mit dem Vatikan darüber gesprochen, aber der Vatikan lehnt jede Zusammenarbeit mit uns ab", sagte Del Ponte. Nach ihrer Ansicht könnte der Vatikan "binnen weniger Tage" ausfindig machen, in welchem Konvent sich Gotovina aufhalte.

Stattdessen sei sie über Monate auf eine "Mauer des Schweigens" gestoßen. Auch ein Gespräch mit dem vatikanischen "Außenminister", Erzbischof Giovanni Lajolo, sowie ein direkter Appell an Papst Benedikt XVI. seien ohne Ergebnis geblieben. Daher habe sie sich jetzt entschlossen, die Angelegenheit publik zu machen.

Del Ponte sagte dem "Telegraph" weiter, als Katholikin sei sie vom Verhalten des Vatikans "sehr enttäuscht". Lajolo habe sogar ihre Bitte um einen Informationsaustausch in der Angelegenheit abgelehnt. Auch ihrer Aufforderung, der Vatikan möge eine Aussage des Bischofs von Gospic-Senj, Mile Bogovic, zurückweisen, sei nicht entsprochen worden.

Bogovic hatte das Haager Tribunal als "politisches Gericht" bezeichnet, das die Vergangenheit Kroatiens verdrehen wolle. Gotovina sei ein "Symbol des Sieges". Lajolos Antwort lautete nach Aussage Del Pontes, der Heilige Stuhl habe keine direkte Autorität über einzelne Bischöfe. (apa)

20.9.2005 21:58