Sonntag, 25. September 2005

TV-Debatte vor Steiermark-Wahl: Nach schmutzigem Wahlkampf zahme Diskussion

  • Klasnic: "Weiß-grünes Miteinander" unter VP-Führung
  • Voves will nach 60 Jahren ÖVP "Chance" für SPÖ

Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) wünscht sich weiter ein "weiß-grünes Miteinander" unter ihrer Führung und warnt vor einem "rot-roten Experiment", Franz Voves (S) wirbt darum, nach 60 Jahren ÖVP "eine Chance" für sich und seine SPÖ zu bekommen, Ingrid Lechner-Sonnek (G) sieht in einer Landesregierung nur mit ÖVP und SPÖ alleine einen "Albtraum" und reklamiert einen Kontrollsitz für die Grünen. Eine Woche vor der Landtagswahl in der Steiermark trafen am Sonntag die Spitzenkandidaten der im Landtag vertretenen Parteien in einer Live-Diskussion, die von ORF 2 regional gesendet wurde, aufeinander. Neue Argumente gab es kaum.

Leo Schöggl (F) und Michael Schmid (B) wollten den Umfragen nicht glauben, die am Einzug in den Landtag zweifeln, sehen aber im "Duell Voves-Klasnic" die Gefahr, dass die kleineren Parteien medial untergehen. "Wir werden kämpfen wie die Löwen", betonte Leo Schöggl. Michael Schmid spielte seine eigene Erfahrung und die von Jörg Haider, mit dem er "Schulter an Schulter" Wahl kämpfe, in den Vordergrund. Schöggl und Schmid bedachten einander mit kleinen Sticheleien: Schmid warf Schöggl vor, in der Landesregierung in der Kontrolle versagt zu haben, Schöggl konterte auf den Vorwurf der "Angstmache" in Inseraten, kein "Schönwetterpolitiker" zu sein.

Einig war sich die Runde über die Einschätzung des bisherigen Wahlkampfs: "Der schmutzigste, unmoralischste und teuerste bisher", konstatierte Schmid. Voves: "Der ÖVP-Wahlkampf ist auf tiefstes Niveau abgeglitten". "Von mir ist über keinen Kandidaten ein verletzendes Wort gekommen", verteidigte Klasnic, die umgekehrt der SPÖ persönliche Angriffe vorwarf. Auf die Auseinandersetzung mit Gerhard Hirschmann wollte die ÖVP-Spitzenkandidatin nicht eingehen: "Es gibt dazu nichts zu sagen". Zu den Problemen der jüngeren Vergangenheit: Sie sei bereit, für alles Verantwortung zu übernehmen - aber auch für Vieles, das gelinge. Außerdem: "Fehler können sein, sie passieren nur dem, der was tut."

Bekannte Argumente wurden wirtschaftspolitisch wiederholt: "Die Steiermark ist noch nie so gut dagestanden wie jetzt", so Klasnic, 97 Prozent aller Beschlüsse in der Landesregierung seien einstimmig gefallen. Voves widersprach und verwies auf weniger Vollzeitarbeitsplätze: "Die Politik muss wieder lenkend ordnungspolitisch eingreifen." Ziel müssten Beteiligungen im Sinne eines PPP-Modells bei künftigen Leitbetrieben in einer Steiermark-Holding sein, um ein Mitspracherecht zu haben. Lechner-Sonnek will die Steiermark zur "Ökoregion Europas" machen, Schmid will wieder mehr Mittel zweckgewidmet in den Wohnbau bringen.

Nicht eingeladen zur TV-Diskussion waren KPÖ-Spitzenkandidat Ernest Kaltenegger, Gerhard Hirschmann und Andreas Weilharter ("parteifrei"). (apa)

25.9.2005 14:48