Freitag, 23. September 2005

Nur noch eine Woche bis zur Wahl: NEWS lud Klasnic & Voves zum Gipfel-Duell in Graz

  • LH Klasnic: "Ich bin der Garant für Kontinuität"
  • SP-Chef: "Führe keine Verhandlungen mit Klasnic"

Waltraud Klasnic will trotz all ihrer Probleme steirische Landeshauptfrau bleiben. Franz Voves hingegen will als Newcomer erster SPÖ- Landeshauptmann in der Steiermark werden. Im aktuellen NEWS kam es beim Gipfeltreffen der beiden zu einem harten Schlagabtausch.

NEWS: Herr Magister Voves, feiern Sie sich schon insgeheim als Sieger der kommenden Landtagswahl?

Voves: Keinesfalls. Die Umfragen prophezeien uns ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Welche der beiden Großparteien ganz knapp vorne liegen oder ob nicht gar eine dritte Partei in die Landesregierung einziehen wird, wissen wir wahrscheinlich erst am Wahltag. Der Frau Landeshauptmann geht es wohl so wie mir: Wir kämpfen um jede Stimme. Die Wahl ist keineswegs eine "g'mahte Wies'n".

NEWS: Frau Landeshauptmann, vor einigen Monaten noch war die ÖVP klar in Führung - jetzt liegt sie mit der SPÖ maximal Kopf an Kopf. Was ist da passiert?

Klasnic: Umfragen sind das eine, die Wahl ist das andere. Das Kopf-an-Kopf-Rennen ist ein guter Vergleich, denn die Menschen sollen sich ein Bild davon machen, worum es geht. Seit vielen Wochen bin ich in jedem Bezirk unseres Landes unterwegs - und den Rest des Tages und der Nacht erledige ich meine Arbeit als Landeshauptmann. Ich bin seit zehn Jahren im Amt und seit 18 Jahren in der Regierung. Die Menschen kennen mich und wissen, wie erfolgreich sich die Steiermark entwickelt hat. Wir sind erfolgreich - ich bin Garant für Kontinuität.

NEWS: Frau Klasnic, auf Ihren Wahlplakaten steht: "Steiermark darf nicht Rot-Rot werden". Was heißt denn das, wenn Sie gleichzeitig erklären, dass auch Sie sich im Landtag mit den KPÖ-Stimmen zum Landeshauptmann wählen lassen würden?

Klasnic: Ich wurde 1996 erstmals mit den FPÖ- und den LIF-Stimmen gewählt, die SPÖ hat mir nicht das Vertrauen gegeben. Auch 2000 wurde ich von der Sozialdemokratie nicht gewählt. Trotz dieser Nichtkoalition ist uns aber im Land sehr viel gelungen. Mit Stolz verweise ich auf unsere Erfolge: in der Wirtschaft auf Platz 1, Wachstumssiege 2004, in der Arbeitsplatzstatistik besser als der Bund, in der Forschung im europäischen Spitzenfeld etc. Wir haben 97,5 Prozent aller Entscheidungen in der Regierung einstimmig beschlossen. Wir haben also gute Arbeit geleistet. In Zukunft wünsche ich mir, dass die beiden großen Parteien gemeinsam ihre Verantwortung wahrnehmen können. Sollten wir eine dritte Partei in die Regierung bekommen, wünsche ich mir, dass das nicht die KPÖ wäre.

NEWS: Aber im Landtag würden Sie sich auch von der KPÖ zum Landeshauptmann wählen lassen.

Klasnic: Ich freue mich über breite Mehrheiten, möchte mich aber ungern in Abhängigkeiten begeben müssen. Sie selber, Herr Kollege, wünschen sich ja immer wieder Gespräche mit der ÖVP ...

Voves: Nur mit einer personell erneuerten ÖVP!

NEWS: Daher nach der Wahl ...

Voves: ... eine Kooperation mit der ÖVP, ja, aber nur mit einer personell runderneuerten ÖVP.

NEWS: Was müsste geschehen, dass Sie, Herr Voves, nach der Wahl mit Frau Klasnic in Verhandlungen treten würden?

Voves: Nichts. Mit Frau Klasnic unter keinen Umständen.

NEWS: Was sagen Sie zu dieser dezidierten Ankündigung?

Klasnic: Abwarten. Kollege Voves ist seit dreieinhalb Jahren in der Regierung. Wenn er mir für diese Zeit Führungsqualitäten abspricht, dann verweise ich etwa auf unser Wirtschaftswachstum, das laut Wifo mit 3,8 Prozent über dem aller Bundesländer liegt. Die Estag habe ich vor eineinhalb Jahren selbst in meine Verantwortung übernommen. Seither liegen wir im Rating weit oben, zahlen stabile Dividende und haben nachweislich den niedrigsten Strompreis ganz Österreichs. Dafür, dass der Tierpark Herberstein als oststeirisches Leitprojekt erhalten bleibt, hat sich der Landtag mit 53 von 56 Stimmen ausgesprochen. Es kann aber nicht so sein, dass ich persönlich jeden Förderakt begleiten kann. Da muss der neue Landtag schon eine neue Controlling-Struktur finden. Dabei wird uns Franz Fiedler, der ehemalige Präsident des Bundesrechnungshofes, unterstützen.

Voves: Über alles das müssen sich die Menschen in der Steiermark selber ein Bild machen. Wie erklären Sie es, dass sich von den zehn kaufkraftschwächsten Bezirken Österreichs vier - Feldbach, Murau, Hartberg, Fürstenfeld - in der Steiermark befinden? Wir haben zudem zwar 14.000 zusätzlich Beschäftigte, gleichzeitig aber auch 21.000 Teilzeitbeschäftigte. 90 Prozent davon sind Frauen. Und die alle profitieren von unserem Wirtschaftswachstum eben nicht.

NEWS: Zurück zu den möglichen Resultaten der Wahl. Welche erwarten Sie derzeit, zehn Tage vor dem Wahltermin?

Voves: Wir haben erstmals die realistische Chance, stimmenstärkste Partei zu werden und damit die ÖVP-Politik mehrheitlich abzulösen. Steht es auf Basis des Wahlergebnisses 5:4 in der Landesregierung, dann ist mein Ansprechpartner jedenfalls die ÖVP. Aber noch einmal: eine personell erneuerte. Und sollte es 4:4:1 stehen ...

NEWS: ... wofür eine dritte Partei, Grüne, KPÖ, Hirschmann, BZÖ oder FPÖ, neun Prozent benötigt ...

Voves: ... würde ich den Versuch unternehmen, auch als Zweitstärkster Landeshauptmann zu werden.

Klasnic: Ich wünsche mir Platz eins für die Volkspartei und fünf Plätze in der Regierung, damit es klare Verhältnisse gibt. Zum Unterschied von Ihnen werde ich dann auf Sie auch als Person zukommen, weil jede Partei sich ihren Vorsitzenden eben selbst aussucht.

Lesen Sie den ganzen Schlagabtausch zwischen Klasnic und Voves im aktuellen NEWS!

23.9.2005 08:46