Nach Sex-Skandal: "Völliger Neuanfang" für das Priesterseminar St. Pölten
- Küng: Wiedereröffnung als "Zeichen des Aufbruches"
- 14 Kandidaten nach strenger Prüfung ausgewählt

Am 12. August 2004 hat der damalige apostolische Visitator und heutige Diözesanbischof von St. Pölten, Klaus Küng, das Priesterseminar St. Pölten nach schwerwiegenden sexuellen Vorkommnissen für geschlossen erklärt. Die nun bevorstehende Wiedereröffnung am 1. Oktober bedeute einen "völligen Neuanfang" und zugleich ein "Zeichen des Aufbruches für die Diözese", sagte Küng am Freitag.
Der Neustart sei "ein erster Schritt, dem noch viele weitere folgen müssen", so Küng. Er erfolgt mit einer neuen Leitung, die bereits im März dieses Jahres vorgestellt wurde. Regens Anton Leichtfried, Subregens Gerhard Reitzinger und, neu bestellt, Benediktinerpater Laurentius Resch aus Seitenstetten als Spiritual und damit geistlicher Begleiter der Seminaristen seien ein "junges Team mit guten menschlichen, spirituellen und theologischen Voraussetzungen" für ihre Aufgabe.
"Wir beginnen mit einer kleinen Gruppe von 14 Seminaristen", verwies der Bischof auf die u.a. nach vielen persönlichen Gesprächen und Unterstützung durch Psychologen erfolgte genaue Auswahl der Kandidaten. 13 davon waren bereits zuvor in der damals 28 Alumnen zählenden Ausbildungsstätte und verbrachten das vergangene Jahr in Pfarren, einer kam neu dazu.
"Ein Priester arbeitet nicht allein und lebt nicht allein." Regens Leichtfried will das Priesterseminar zu einem Haus der Begegnung und des Miteinanders gestalten und hat auch in Briefen alle Priester der Diözese zur Eröffnung mit Messe (9.00 Uhr) und Segnung des Hauses am 1. Oktober eingeladen.
Auf Fragen nach Ulrich Küchl erklärte Küng, gegen den Ex-Regens sei ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet worden, das noch einige Wochen dauern werde. Eine Rückkehr Küchls in die Seelsorge wäre denkbar gewesen, allerdings habe Küchl auf die von ihm, Küng, gesetzten Maßnahmen "so unglücklich reagiert", dass die Amtsenthebung notwendig wurde. Der ehemalige Subregens Wolfgang Rothe habe die Auflagen im Wesentlichen erfüllt. Er werde voraussichtlich in einer anderen Diözese in der Seelsorge eingesetzt werden.(apa/red)
