Gehrer schnürt zweites Schulpaket: Unterrichtsjahr wird de facto verlängert
- Schulbeginn soll bereits an einem Montag erfolgen
- Notenkonferenz erst am Freitag der vorletzten Woche
Heftige bildungspolitische Aktivität in den ersten Schultagen: Als Grünen-Chef Alexander Van der Bellen am Mittwoch Nachmittag bei einer Sondersitzung des Nationalrats Auskünfte über arbeitslose Lehrer verlangte und die niedrige Akademikerquote kritisierte, hatte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) längst ihr zweites Schulpaketen präsentiert. Eckpunkte: Früherer Beginn des Schuljahrs, späteres Stattfinden der Notenkonferenzen und die Umwandlung der Pädagogischen Akademien in Pädagogische Hochschulen (PH).
Ab dem Schuljahr 2006/07 beginnt der Unterricht an allen Schulen bereits am ersten Montag im September (an höheren Schulen bisher erst am Mittwoch), bereits zwei Tage später muss der Stundenplan stehen. Daher finden die Nachprüfungen bereits in der letzten Ferienwoche statt, die bisher dafür reservierten beiden Tage in der ersten Schulwoche (Montag und Dienstag) dienen einer "Startphase". Der stundenplanmäßige Unterricht beginnt dann bereits am Mittwoch. Bisher hatten die Schulen knapp drei Wochen Zeit für den Stundenplan. Die Notenkonferenz findet künftig am Freitag der vorletzten Schulwoche statt, bisher war dies auch schon eine Woche früher möglich.
Auch andere Maßnahmen sollen zu einer Erhöhung der zur Verfügung stehenden Unterrichtszeit führen. So sollen die Direktoren künftig den Stundenausfall offen legen, der 2,5 Prozent nicht überschreiten darf. Außerdem soll es den Schulen möglich sein, Unterrichtsstunden zu blocken. Weitere Änderungen: Künftig sollen Kinder und Jugendliche auch an den so genannten "Nahtstellen" (also beim Übergang von Volksschule in Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe oder von Hauptschule/AHS-Unterstufe in die AHS-Oberstufe oder die berufsbildende Schule) eine Klasse überspringen können. Weiters ist ein früherer Eintritt in die Volksschule möglich. Ausgebaut werden soll die Sprachförderung an den Volksschulen. Direktoren dürfen künftig mit der Leitung mehrerer Schulen betraut werden und bei der Auswahl der Lehrer und deren Fortbildung mitreden.
Ab dem 1. September 2007 erfolgt außerdem die Ausbildung von Pflichtschullehrern an PH. Die derzeit rund 50 Pädagogischen Akademien (Pädaks) und Institute (PI) des Bundes sowie der Religionsgemeinschaften werden in zwölf PH zusammengefasst - acht des Bundes, drei der katholischen Kirche und eine dem Landwirtschaftsministerium unterstellte PH für Agrar und Umwelt. Die PH bleiben Dienststellen des Bundes, damit unmittelbar dem Bildungsministerium unterstellt und werden nicht wie die Unis autonom. Wie die Universitäten werden sie aber Studiengebühren in der Höhe von 363,36 Euro einheben, bisher war die Pflichtschullehrer-Ausbildung gratis. Auch Zugangsbeschränkungen will Gehrer grundsätzlich implementieren. Möglich sind ein- bis zweisemestrige Studieneingangsphasen oder ein Zulassungsverfahren.
"Große Worte, wenig Substanz" sieht SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser im Schulpaket II. Bei der Lehrerausbildung habe nur "der befürchtete Schilderaustausch stattgefunden". "Damit ist die Chance auf ein bildungspolitisches Gesamtkonzept ein weiteres Mal für Jahre vertan", kritisierte auch die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH). Zufrieden zeigte sich dagegen die Industriellenvereinigung, die Arbeiterkammer vermisst grundlegende Schulreformen.
Wenig Neues gab es im Nationalrat: Die Grünen kritisierten den hohen Anteil an "Risikoschülern", die nach dem Ende der Schulpflicht nur schlecht lesen können. Jeder fünfte 15-Jährige sei hier gefährdet. Auf Grund des zu erwartenden Schülerrückgangs würden in den kommenden Jahren aber Lehrer an den Pflichtschulen abgebaut. Dabei würde das "historische Fenster" der geburtenschwachen Jahrgänge ohne zusätzliche Kosten eine einmalige Möglichkeit zu einer Offensive bieten. Stattdessen drohten bis zum Schuljahr 2010/2011 12.500 arbeitslose Pflichtschullehrer.
Anders dagegen Gehrer: "Die Schul-Welt und Uni-Welt schaut anders aus, als es uns die grün-rote Jammergemeinschaft dauernd weismachen will." Und: "Seien wir doch einmal ein kleines bisschen stolz auf unsere Leistungen", verwies sie auf Auszeichnungen in den diversen Chemie-, Mathematik- und Physikolympiaden. (apa/red)
