Simon Wiesenthal ist tot: Nazi-Jäger und Holocaust-Überlebender 96-jährig gestorben
- Kämpfer gegen den Antisemitismus starb in Wien
- PLUS: Porträt von Simon Wiesenthal und Reaktionen
·Porträt: "Nazi-Jäger" Simon Wiesenthal
Kampf gegen Vergessen der Nazi-Verbrechen
·Reaktionen auf Simon
Wiesenthals Ableben
Häupl: "Verlieren außer- gewöhnlichen Menschen"
·Getrübtes Verhältnis Wiesenthal - Kreisky
1975 SS-Vergangenheit von Peter aufgedeckt!
·Wiener Wiesenthal-Institut geplant
Archiv des verstorbenen "Nazi-Jägers" als Kern
·Simon Wiesenthal Center in Los Angeles
Gegründet im Jahr 1977. Außenstelle in Israel.
·Wiesenthals Worte in "Recht, nicht Rache"
Beeindruckende Zitate in Memoiren des Nazi-Jägers
·Adolf Eichmann war sein größter Fang
In Argentinien aufgespürt 1962 in Israel hingerichtet
Der "Nazi-Jäger" ist am 20. September 2005 in seiner Wiener Wohnung im Alter von 96 Jahren an allgemeinem Organversagen gestorben. Wiesenthal hatte bereits die letzten Jahre von Krankheit gezeichnet zurückgezogen in seiner Wohnung gelebt.
Mit seiner Arbeit hat Wiesenthal dazu beigetragen mehr als 1.100 mutmaßlich Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen, auch wenn nicht alle zu Verurteilungen geführt haben. Sein größter Fang war der "Endlöser" Adolf Eichmann, der den Massenmord an den Juden organisiert hat. Eichmann wurde 1961 in Argentinien aufgespürt und dann in Israel zum Tode verurteilt. Neben Eichmann waren der 1963 in Wien ausfindig gemachte Karl Silberbauer, der die seinerzeit 14-jährige Anne Frank in Amsterdam verhaftet hatte, 1967 die Aufspürung des KZ-Kommandanten von Treblinka, Franz Stangl, und 1987 die Festnahme des ehemaligen Ghetto-Kommandanten von Przemysl, Josef Schwammberger, in Südamerika, die spektakulärsten Fälle, die Wiesenthal aufgedeckt hat.
"Recht, nicht Rache"
Bei all dem stand das Motto, "Recht, nicht Rache" im Mittelpunkt des Wirkens von Wiesenthal - unter diesem Titel hat er 1988 auch seine Lebenserinnerungen veröffentlicht. Sein wohl wichtigstes Vermächtnis ist das 1977 in Los Angeles gegründete Simon Wiesenthal Center mit zahlreichen Außenstellen in verschiedenen Städten, das sich nicht nur mit der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern beschäftigt, sondern dessen Ziel die Erinnerung an den Holocaust ist und das auch gesellschaftliche Probleme wie Rassismus, Antisemitismus und Terrorismus bekämpft.
Auf Wiesenthal ging im Lauf seines Lebens ein wahrer Auszeichnungsregen nieder. Wiesenthal war Träger dutzender hoher Ehrungen und Ehrendoktorate aus vielen Teilen der Welt. Darunter findet sich u.a. auch die "Medal of Freedom", der höchste US-Orden, den Wiesenthal 2000 von US-Präsident Bill Clinton erhielt. Wiesenthal war der erste Nicht-US-Bürger, der mit diesem Orden bedacht wurde. Von der britischen Königin Elizabeth II. wurde er im Februar 2004 zum Ritter geschlagen.
In Österreich wurde Wiesenthal u.a. mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse bedacht, das ihm 1993 von Bundespräsident Thomas Klestil überreicht wurde. Heuer im Juni überreichte ihm Bundespräsident Heinz Fischer das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. Die Überreichung des Ordens erfolgte wegen des schlechten Gesundheitszustandes in der Privatwohnung Wiesenthals.
Wiesenthal veröffentlichte auch zahlreiche Publikationen, darunter "KZ Mauthausen" (1946), "Ich jagte Eichmann" (1961), "Doch die Mörder leben" (1967) und "Recht, nicht Rache" (1988). 1989 wurde der Film "Die Mörder sind unter uns" über das Leben Wiesenthals mit "Gandhi"-Darsteller Ben Kingsley in der Hauptrolle uraufgeführt. In der "Akte Odessa" war die Arbeit Wiesenthals in den siebziger Jahren auch Gegenstand eines Thrillers. Zu weiteren "Würdigungen" gehört u.a. ein Wald von rund 10.000 Bäumen in der israelischen Negev-Wüste, der mit Spendengeldern auch aus Österreich finanziert und nach ihm benannt wurde. Wiesenthal ist außerdem Träger eines Professoren-Titels.
Gefragt nach dem Antrieb für sein Tun sagte Wiesenthal einmal: "Wenn man zurückblickt in der Geschichte, möchte ich, dass die Menschen wissen, dass die Nazis nicht ungestraft Millionen von Menschen umbringen konnten. Der Titel seiner im Jahr 1988 veröffentlichten Memoiren 'Recht, nicht Rache' war Wiesenthals Lebensmotto. Dabei behielt er sich eine sprichwörtliche Bescheidenheit. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen sagte er einmal: 'Wenn ich einmal sterbe, werden diese Ehrungen mit mir sterben. Aber das Simon-Wiesenthal-Center wird als mein Vermächtnis bleiben.'"
(apa/red)
