Männer bleiben unter sich: Frauen sind in Österreichs Chefetagen kaum vertreten
- Aktuelle AK-Studie: Nur 7 von 230 Vorständen Frauen
- AK fordert Reform des Corporate Governance Kodex
In den Führungsetagen der meisten österreichischen Unternehmen bleiben Männer unter sich. 45 von 79 österreichischen Unternehmen, die an der Wiener Börse notieren, sind reine Männerbastionen: Weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand ist eine Frau vertreten, kritisiert die Arbeiterkammer (AK) in einer neuen Studie.
Nur 25 von 540 Aufsichtsratsmandaten sind weiblich besetzt (4,6 Prozent), im europäischen Durchschnitt liegt die Quote von weiblichen Aufsichtsräten bei 7,3 Prozent. Noch schlechter sieht es für die Vertretung von Frauen auf der Vorstandsebene aus: Gerade 7 von 230 Vorständen sind Frauen (3 Prozent).
AK: "Armutszeugnis für Unternehmensleitungen"
"Dieser faktische Ausschluss von Frauen ist ein Armutszeugnis für die Unternehmensleitungen", kritisiert Eva Schiessl, Betriebswirtschafts-Expertin der AK-Wien. "Damit steigt auch die Gefahr, dass die Interessen von Aktionärinnen, Konsumentinnen und Arbeitnehmerinnen bei wichtigen Unternehmensentscheidungen unter die Räder kommen." Die AK fordert von den Unternehmen konkrete Schritte für eine Steigerung des Frauenanteils.
Während einige europäischen Länder den Handlungsbedarf mittlerweile erkannt hätten, rühre sich in Österreich diesbezüglich nichts. Norwegen hat als erstes Land der Welt eine Frauenquote für Wirtschaftsunternehmen eingeführt: Börsennotierte Unternehmen müssen künftig 40 Prozent ihrer Sitze im Aufsichts- oder Verwaltungsrat mit Frauen besetzen. Das Gesetz ist seit 1. September 2005 in Kraft und gilt für alle 600 an der norwegischen Börse gehandelten norwegischen Unternehmen. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, verlieren sie ab 2007 ihre Zertifizierung der Börsenaufsicht.
Für Österreich fordert die AK als ersten Schritt die Aufnahme frauenfördernder Bestimmungen in den "Corporate Governance Kodex", der gerade unter Leitung des Regierungsbeauftragten für den Kapitalmarkt, Richard Schenz, überarbeitet wird. Die neuen Bestimmungen sollten den Gender-Aspekt berücksichtigen und dazu beitragen, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten auf ein Niveau zwischen 30 und 50 Prozent steigt, urgiert Schiessl.
Firmen mit Frauenmangel
In folgenden börsennotierten österreichischen Unternehmen ist laut AK-Studie weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand eine Frau vertreten: Agrana, Böhler Uddeholm, Flughafen Wien, Mayr Melnhof, OMV, Verbund, Palfinger, RHI, Rosenbauer, Voest Alpine, Wr. Städtische, ATB Austria Antriebstechnik, Lenzing und Porr. Weibliche Vorstandsmitglieder gibt es laut AK bei der AvW Invest, Bank Austria, Erste Bank, Frauenthal Holding, Ottakringer, SEG und HTP. (apa/red)
