Sonntag, 18. September 2005

OPEC bietet letzte freie Kapazitäten an: Zwei Millionen Fass Öl pro Tag zusätzlich!

  • Vereinbarung gültig von 1. Oktober bis Jahresende
  • Quoten unverändert - Nächstes Treffen am 12. 12.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) will dem Markt angesichts des hohen Ölpreises ihre letzten Reserven von zusätzlich zwei Millionen Fass Öl pro Tag anbieten. Das Angebot gilt ab 1. Oktober für drei Monate - also bis Ende des Jahres. Darauf haben sich die Ölstaaten nach zweitägigen Beratungen in Wien geeinigt.

"Wir hoffen, dass der Preis dadurch zurückgehen wird", sagte der amtierende OPEC-Präsident, Kuwaits Ölminister Scheich Ahmad Fahad Al-Ahmad Al-Saba am Dienstag nach der zweitägigen Ministertagung in einer Pressekonferenz. Die gegenwärtigen Preise von 60 bis 70 Dollar je Fass seien "nicht angemessen". Als Ziel nannte er einen Preis um die 40 Dollar (32,9 Euro). Bis 2010 will die OPEC die Ölförderung (inklusive Irak) auf 38 bis 41 Mio. Fass pro Tag anheben. Aktuell fördert die OPEC ihm zufolge den Irak eingerechnet 30,2 Mio. Fass Öl pro Tag, ohne den Irak liegt die offizielle Ölförderung der dann zehn OPEC-Staaten bei 28,2 Mio. Fass täglich. Diese offizielle Förderquote wurde am Dienstag nicht erhöht.

Die derzeitigen freien Kapazitäten, die nach den Beschlüssen von Dienstag bei Bedarf auf den Markt gebracht werden können, bezifferte der OPEC-Präsident aktuell mit zwei Mio. Fass, die vor allem aus Saudiarabien und zu einem kleinen Teil aus Kuwait, dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) kommen sollen. Das nächste Treffen der OPEC-Ölminister ist für den 12. Dezember in Kuwait angesetzt worden.

Die OPEC war zuletzt zunehmend unter Druck geraten, nachdem mehrere europäische Regierungen, allen voran der britische Finanzminister Gordon Brown eine Anhebung der OPEC-Ölförderquoten gefordert hatten. Die Antwort des OPEC-Präsidenten: "Wir bieten jetzt alles an, was wir haben - und das ist meine Botschaft an Gordon Brown. Wenn er mehr Öl haben will, will ich ihm dieses gerne verkaufen. Wann immer es Nachfrage gibt, werden wir sie erfüllen. Die Versorgung soll nicht der Grund sein, warum die Ölpreise hoch bleiben", so Scheich Ahmad.

Die Internationale Energieagentur (IEA) zeigte sich allerdings skeptisch: IEA-Chef Claude Mandil erklärte in London, er bezweifle, dass die OPEC die Ölförderung noch einmal um zwei Mio. Fass ausweiten könne, die Auswirkungen der OPEC-Beschlüsse auf den Ölpreis dürften eher gering sein. Die IEA werde ihr Notfallprogramm zur Sicherung der Ölversorgung daher möglicherweise verlängern, sagte Mandil am Dienstag in London. (apa/red)

18.9.2005 22:10