Freitag, 16. September 2005

Eurosuper und Diesel schon wieder teurer: Aufatmen für Autofahrer findet jähes Ende

  • ARBÖ übt heftige Kritik: "Grasser-Drohung verpufft"
  • Rückwirkende Anhebung des KM-Geldes gefordert

Die leichte Verschnaufpause für die Autofahrer in Österreich dauerte nur wenige Tage. Der durchschnittliche Eurosuper-Preis lag Freitagmittag auf dem gleichen Niveau wie am Montag, als Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) den Mineralölfirmen mit einer Sondersteuer drohte.

Die darauf folgende Preisreduktion bei Eurosuper von 1,7 Cent wurde Tag wieder aufgehoben, sagte der ARBÖ zur APA. Auch Dieselfahrer haben nichts zu lachen: Der Durchschnittspreis stieg um 0,9 Cent, ist mit 1,028 Euro aber noch günstiger als am Montag (1,037 Euro). "Damit ist die Drohung von Finanzminister Grasser wirklungslos verpufft", so ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar.

Noch am Dienstag - nach den ersten Preissenkungen - hatte Grasser gemeint, die angedrohte Sondersteuer auf die hohen Gewinne der Mineralölfirmen sei zwar nicht vom Tisch, aber "deutlich relativiert" und habe "an Aktualität verloren". Und er erklärte, dass die weitere Vorgehensweise nun von der künftigen Preisentwicklung abhängen werde. Die OMV betonte, dass die im Laufe der Woche gesenkten Richtpreise - sprich die Höchstpreise an Autobahntankstellen - nicht wieder angehoben wurden. Durch den Wettbewerb könne es aber sein, dass einzelne Tankstellen ihre Preise wieder erhöht haben.

BP: "Wir können nicht auf politischen Zuruf agieren"
BP Austria-Chef Hans Strassl hatte erklärt, der britische Ölkonzerns werde sich nicht von der österreichischen Politik unter Druck setzen lassen. "Wir können nicht auf politischen Zuruf agieren. Wir können uns nur bewegen, wenn sich die Märkte bewegen", betonte Strassl. Der Drohung einer Gewinnabschöpfung blickte er gelassen entgegen. BP Österreich werde im Tankstellengeschäft, wo sie selbst Treibstoff zukaufen müsse, heuer keine Gewinne machen. "Unsere Einkaufspreise sind seit Jahresbeginn um 140 Prozent gestiegen, unsere Verkaufspreise dagegen nur um 48 Prozent", betonte Strassl. Ein "Österreich-Zuschlag" von zwei bis drei Cent je Liter werde auch in Zukunft bestehen bleiben, so der BP-Austria Chef.

Am Dienstag hatte der ARBÖ vorgerechnet, dass seit 1. September der Preis für Benzin in Rotterdam um 24 Prozent, für Diesel um 12 Cent gesunken ist. In Österreich dagegen seien die Zapfsäulenpreise im selben Zeitraum trotz der Senkung in Summe gestiegen.

Rückwirkende Anhebung des KM-Geldes gefordert
Würden tatsächlich Gewinne vom Finanzminister abgeschöpft, wäre die Staatsholding als größter Dividenden-Bezieher der OMV hauptbetroffen von der Maßnahme. Letztendlich würde sich Grasser als oberster Eigentümervertreter der Republik bei der Staatsholding ÖIAG auch selbst treffen. Zur Kasse gebeten würden aber auch die kleineren Aktionäre der OMV. 51 Prozent des Unternehmens befinden sich in Streubesitz und werden an der Wiener Börse gehandelt.

Kritik am Finanzminister kam heute vom ÖAMTC. Nachdem bekannt wurde, dass das erhöhte Kilometergeld voraussichtlich erst im November schlagend werden soll, forderte der ÖAMTC, wie schon zuvor der ARBÖ, eine rückwirkende Auszahlung des Betrages. "Es gibt keinen Grund dafür, warum das erhöhte Kilometergeld nicht rückwirkend ab dem Zeitpunkt ausgeschüttet wird, ab dem die Beschlussfassung der Regierung vorgelegen ist", so Mario Rohracher, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung. (apa/red)

16.9.2005 14:55