Alles ist Friedrich: Zurückhaltender Lotto-Vorstand zieht jetzt im ÖFB neue Saiten auf
- FORMAT: Friedrich Stickler sucht neuen Teamchef
- Er will Konflikten im ÖFB nicht aus dem Weg gehen

Seit Anfang dieser Woche hat es Hans Krankl schriftlich: Bei 204.000 Euro soll sein Werbewert laut aktueller Umfrage liegen, damit rangiert der Trainer der Fußballnationalmannschaft auf Platz sieben der österreichischen Werbeträger.Für einen Fußballer jenseits der fünfzig ist das keine schlechte Leistung. Fragt sich nur: Wie lange kann sich Krankl in diesen luftigen Imagehöhen noch halten?
Wenn es nach Friedrich Stickler geht: nicht mehr lange. Zwar hat sich der Präsident des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) noch nicht abschließend zur Causa Krankl geäußert, zwischen den Zeilen lässt er aber durchblicken, dass dessen Teamchef-Tage gezählt sind.
Und damit scheint klar, dass auf Stickler, 56, im Hauptberuf Vorstand der Österreichischen Lotterien, harte Tage zukommen, die ihn noch mehr ins Rampenlicht der Öffentlichkeit rücken werden - ob er will oder nicht. Nachdem es, abgesehen vom Bundeskanzler vielleicht, keinen Job in diesem Land gibt, der derartig viele Emotionen schürt wie den des Übungsleiters der nationalen Fußballauswahl, ist die Teamchefsuche eine heikle Managementaufgabe.
Akribischer Arbeiter
Der Manager Friedrich Stickler hat sich in den vergangenen Jahren einen Ruf als akribischer Arbeiter mit tadellosen Umgangsformen erarbeitet, der mit allen Strömungen im Fußballbund gut kann. Anders als frühere ÖFB-Präsidenten wie Karl Sekanina fällt Stickler nie durch polternde Auftritte auf.
Managerkollegen aus der Wirtschaft halten ihn dennoch nicht für zu fein für den rauen Fußballsport. Casinos-Austria- Chef Leo Wallner, ein enger persönlicher Freund und so etwas wie Sticklers Mentor, lobt ihn als "bedächtig und ausgleichend. Mag sein, dass es im Fußball eine härtere Hand braucht, weil dort viele hemdsärmelige Typen sitzen. Aber eine vornehme Art von der Kleidung bis zur Wortwahl ist auch dort kein Fehler."
Effizienter Managementstil
Mit der Wortwahl hat der bekennende Bürgerliche, der außerhalb des Fußballplatzes immer in feinstem Zwirn, vorzugsweise von Ermenegildo Zegna, gewandet ist, noch nie Probleme gehabt. RZB-General und Lotterien-Aufsichtsratspräsident Walter Rothensteiner hält es für seine auffälligste Qualität, dass er "immer sympathisch wirkt und nie laut wird". Stickler selbst ist mit diesem Bild des immer freundlichen Zeitgenossen gar nicht so zufrieden: "Ich kann meinen Willen schon durchsetzen. Ich bin nicht nur nett, sondern kann auch sehr grantig und hart sein."
Frischer Wind
Beim ÖFB ist mit Sticklers Amtsantritt 2001 ein anderer Wind eingezogen. Mindestens einmal am Tag telefoniert Stickler mit seinem ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig, einmal die Woche gibt es Meetings des inneren ÖFB-Führungszirkels und alle drei Wochen Koordinationsgespräche mit dem ausgelagerten UEFA-Büro, dass die EURO 2008 koordiniert. Regiert Stickler den ÖFB also in Abwandlung des alten Lotto-Slogans "Alles ist möglich" nach dem Motto "Alles ist Friedrich"?
ÖFB-Generalsekretär Ludwig möchte das so nicht sehen: "Stickler ist einfach nur ein gewissenhafter Mensch. Er gibt zwar die Richtungen vor, lässt einem aber auch freie Hand, wenn man seine Ideen belegen kann."
Stickler selbst sagt, dass er "vielleicht 15 Prozent" seiner Arbeitszeit in den Fußball investiert. Durch die Trainersuche und die bevorstehende Europameisterschaft dürfte das in der nächsten Zeit aber erheblich mehr werden - ein unbezahltes Hobby, versteht sich, denn vom ÖFB bekommt Stickler keine Gage, außer vielleicht "dann und wann eine warme Mahlzeit".
Andererseits nagt Stickler durch seinen Lotterien-Job nicht gerade am Hungertuch. Er kassiert dort jährlich rund 350.000 Euro inklusive Erfolgsbonus, und der dürfte in den vergangenen Jahren nicht gerade schlecht gewesen sein.
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