US-Fluglinien vor Insolvenz-Richter: Delta
& Northwest Airlines stellen Konkursanträge
- Gestiegene Benzinpreise als Auslöser der Pleiten
- Delta mit 20 Milliarden Dollar verschuldet
Steigende Treibstoffpreise und interne Kostenprobleme haben zwei weitere US-Fluggesellschaften in die Insolvenz getrieben. Mit dem Konkursverfahren beantragten Delta Air Lines und Northwest Airlines am Mittwochabend zugleich den rettenden Gläubigerschutz nach Kapitel Elf ("Chapter 11") des US-Insolvenzrechts. Damit kann während der Sanierung der Flugbetrieb uneingeschränkt fortgesetzt werden.
Die deutsche Lufthansa als Konkurrent auf den Interkontinentalstrecken kritisierte das US-Insolvenzrecht als massive Wettbewerbsverzerrung zu Lasten europäischer Anbieter. "In einem globalen Geschäft brauchen wir auch annähernd gleiche Wettbewerbsbedingungen. Es darf keine einseitige Protektion regionaler Märkte geben", fügte er hinzu. Allerdings sicherte Chapter 11 in den vergangenen Jahren auch dem Lufthansa-Partner United Airlines das Überleben.
Aus Sicht der europäischen Konkurrenten könnte vor allem Delta die Besonderheiten des amerikanischen Konkursverfahren nutzen, um sich zu sanieren und zugleich zusätzlich auf Langstreckenverbindungen aktiv zu werden. Delta bietet seit diesem Jahr eine Direktverbindung aus Berlin in die USA (New York) an, die sich aus Lufthansa-Sicht nicht rechnet. Für Düsseldorf plant Delta trotz der finanziellen Probleme ebenfalls eine tägliche Verbindung zum weltgrößten Flughafen Atlanta.
Mittlerweile arbeiten vier der sieben größten US-Fluggesellschaften unter Gläubigerschutz. United Airlines, eine Tochter der UAL Corp, und US-Airways planen aber, ihre Sanierung in Kürze erfolgreich abzuschließen. Der Schritt von Delta und Northwest als Nummer drei und vier in den USA ins Insolvenzverfahren zeichnete sich bereits seit Wochen ab. Die beiden Unternehmen stehen bereits seit längerem wegen hoher Schulden, hoher Kosten und Pensionsbelastungen wirtschaftlich unter Druck.
Ihre Lage ist symptomatisch für die gesamte US-Luftfahrt, die sich anders als viele Konkurrenten noch nicht von der seit den Flugzeuganschlägen am 11. September 2001 bestehenden Krise erholt hat. Überkapazitäten belasten das Geschäft der meisten Anbieter. Einzig Billigflieger wie Southwest sind erfolgreich. In die Zahlungsunfähigkeit getrieben wurden Delta und Northwest jetzt durch die steigenden Treibstoffkosten. Denn anders als große europäische Fluggesellschaften wie AirFrance-KLM und Lufthansa sichern sich US-Unternehmen kaum gegen steigende Kerosinpreise ab.
Unter dem Gläubigerschutz des "Chapter 11" wollen beide Unternehmen versuchen, ihre Kostenbelastung noch weiter zu reduzieren. Allein Delta ist mit schätzungsweise 20 Mrd. Dollar (16,4 Mrd. Euro) verschuldet. "Delta führt ihre Geschäfte normal weiter und wird heute und während des gesamten Reorganisationsprozesses ihre Flüge durchführen", sagte Firmenchef Gerald Grinstein. AirFrance-KLM als Partner von Delta sieht deshalb für sein eigenens Geschäft derzeit keine Auswirkungen.
Bei Delta und Northwest drohen nun ein verschärfter Abbau von Arbeitsplätzen sowie Abstriche bei den Pensionsansprüchen. Delta hatte schon vorige Woche 1.000 Arbeitsplätze zur Disposition gestellt und den Verkauf von Flugzeugen angekündigt. US-Analysten rechnen damit, dass die Gewerkschaften jetzt größere Zugeständnisse bei den Löhnen machen könnten.
Während der zuletzt bereits stark gesunkene Aktienkurs von Delta nach Eintritt in den Gläubigerschutz am Donnerstag um 25 Prozent auf 90 US-Cent stieg, halbierte sich der Kurs von Northwest auf rund einen US-Dollar. Die amerikanischen Ratingagenturen stuften beide Unternehmen herab. Die Agentur Fitch gab auch den großen Flughäfen von Delta, wie Atlanta einen negativen Ausblick.
Die Aktien europäischer Fluggesellschaften blieben dagegen von den US-Pleiten unberührt. Zunächst hätten die Probleme der US-Konkurrenz kaum Auswirkungen. Allerdings könnten nach einer Sanierung dort wiedererstarkte Konkurrenten entstehen, urteilten Analysten.
(apa)

