Montag, 12. September 2005

Spitzengehälter: Erste-Vorstand kassierte 2004 siebenmal mehr als der Durchschnitt

  • Rekord-Gage von Erste-Bank-General Treichl
  • UNIQA leistete sich den teuersten Aufsichtsrat

Die Spitzengehälter im Management, namentlich die Rekordgage von Erste-Bank-Boss Andreas Treichl, haben das börsenotierte Wiener Bankinstitut an die Spitze der Firmen mit den teuersten Führungsetagen katapultiert: Von allen Spitzenmanagern österreichischer Aktiengesellschaften kostete 2004 der Vorstand der Erste Bank mit 11,7 Millionen Euro mit Abstand am meisten - rund sieben Mal so viel wie der Durchschnitt (1,7 Mio. Euro) und mehr als doppelt so viel wie die Führungscrew in der größeren Konkurrentin Bank Austria Creditanstalt (BA-CA).

Dies ergibt eine veröffentlichte Studie des Interessensverbandes für Anleger (IVA) unter Wilhelm Rasinger, der die AG-Bilanzen 2004 nach den Bezügen ihrer Führungskräfte unter die Lupe nahm. Auf den weiteren Spitzenplätzen rangieren voestalpine (6,1 Mio. Euro), Bank Austria Creditanstalt/BA-CA (5,5 Mio. Euro), OMV (4,5 Mio. Mio. Euro) sowie Andritz (4,1 Mio. Euro).

Im Jahr davor hatte der Vorstand der Bank Austria die Liste der Spitzen-Verdiener unter den börsenotierten Konzernen angeführt.

Mitverantwortlich für die jetzige Rochade auf Platz eins im Firmengagen-Ranking war bei der Erste Bank ein "Ausreißer" durch eine spektakuläre Sonderzahlung an Bankchef Treichl. Treichl hatte für 2004 zusätzliche 2 Millionen Euro "Sonderbonus" erhalten, weil er mehrere lukrative Konkurrenzangebote aus dem Ausland ausschlug. Sein Gesamtbezug summierte sich für 2004 damit auf 4,5 Mio. Euro, womit er alle anderen Spitzenverdiener in Österreich weit hinter sich gelassen hat.

Im Vorjahresvergleich verdienten die Vorstände der börsenotierten Gesellschaften in Österreich im Schnitt um rund 12 Prozent mehr, berichtete der IVA weiter.

Außergewöhnlich hohe Gehaltszuwächse gab es für das Top-Management von Cross-Holding (plus 170 Prozent), S&T (plus 157 Prozent), Erste Bank (plus 98 Prozent), bei der neu strukturierten und mittlerweile börsenotierten Raiffeisen International (plus 92 Prozent) und bei AT&S (plus 73 Prozent).

Den teuersten Aufsichtsrat leistet sich UNIQA Versicherung mit 441.000 Euro, gefolgt wieder von der Erste Bank (349.000 Euro) sowie von BA-CA (330.000 Euro), OMV (274.000 Euro) und Generali Versicherung (239.000 Euro).

Im Durchschnitt der heimischen Aktiengesellschaften betrug im Geschäftsjahr 2004 der Aufwand für den Aufsichtsrat 100.000 Euro - das war ein Plus von 10 Prozent zum Vorjahr.

Der IVA erstellte auch einen - saisonalen - Vergleich der Manager-Gagen im Verhältnis zum Firmengewinn. Bezogen auf das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) kosteten die Vorstände im Schnitt 1,6 Prozent des Geschäftserfolges. Bei Betandwin betrugen die Vorstandskosten im Jahr 2004 so viel wie das gesamte EGT (99,9 Prozent), bei Hisch-Servo mehr als die Hälfte (55,5), bei S&T fast ein Drittel. (apa/red)

12.9.2005 11:03