Samstag, 17. September 2005

Wettskandal in der Bundesliga? Beweislage vor dem Spiel Ried gegen Sturm schwierig

  • Anbieter nahmen Ried - Sturm aus Wettprogramm
  • Wetteinsätze rund 25 Mal höher als gewöhnlich

Acht Monate nachdem am 19. Jänner 2005 der deutsche Wettskandal rund um Schiedsrichter Robert Hoyzer von vier anderen Referees losgetreten worden ist, hat auch Österreich seit Freitag Probleme mit überhöhten Einsätzen. Ein Großteil der heimischen Wettanbieter nahm die Fußball-Bundesliga-Partie zwischen Aufsteiger Ried und Sturm Graz aus dem Programm, nachdem mehr als 25 Mal so hohe Wetten als gewöhnlich auf einen Sieg der Heimmannschaft abgegeben wurden.

Schon beim Hinspiel vergangene Woche in Graz, das Sturm mit 3:1 für sich entschieden hatte, soll es zu auffälligen Unregelmäßigkeiten gekommen sein. Um keine Erinnerungen an den folgenschweren Skandal in Deutschland aufkommen zu lassen, entsandte die Bundesliga einen zusätzlichen Beobachter nach Ried. "Für uns sind Spekulationen nicht relevant. Wir wurden vom Buchmacher-Verband und den Lotterien informiert und haben alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen", erklärte Bundesliga-Pressesprecher Christian Kircher am Samstag.

Frühwarn-System zu Saisonbeginn installiert
Das Frühwarn-System, das nun ein erstes Mal Alarm schlug, war vor Saisonbeginn als Folge der Hoyzer-Affäre installiert worden. In Deutschland soll ein Ring um die kroatischen Brüder Ante, Filip und Milan S. als Betreiber des Cafe King durch Bestechung von Schiedsrichtern und Spielern den Ausgang von mehr als 20 Spielen manipuliert haben. Als Folge der Absprachen wurde unter anderem ein deutsches Zweitliga-Spiel zwischen LR Ahlen und Wacker Burghausen neu ausgetragen.

Hoyzer-Prozess startet am 18. Oktober
Der Prozess am Berliner Landgericht, in dem den Beteiligten unter anderem gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen wird, beginnt am 18. Oktober. Hoyzer war bereits Ende April in acht Fällen vom DFB lebenslang gesperrt worden, saß wie der ebenso beschuldigte Schiedsrichter Dominik Marks mehrere Tage in Untersuchungshaft. Der geständige Berliner betonte jedoch mehrmals, dass er weder der Anstifter zu den Spielmanipulationen gewesen sei noch, dass diese in Deutschland oder Europa ein Einzelfall seien.

Im Zuge der Ermittlungen hatte im Frühjahr unter anderem eine Spur nach Vorarlberg geführt. Der damalige Torhüter des in Konkurs gegangenen Bundesliga-Absteigers SW Bregenz, der Bosnier Almir Tolja, gab unter anderem zu, mit dem beschuldigten Filip S. in Kontakt gestanden zu sein. Die Beweislage und -führung gestaltete sich jedoch wie im gesamten deutschen Wettskandal schwierig. Und genau das scheint auch der Grund, warum im Vorfeld der in Misskredit geratenen Partie Ried - Sturm außer verstärkter Beobachtung keine Maßnahmen getroffen werden können.

"Es gibt Hinweise auf Manipulation in Form der überhöhten Quoten. Das ist absolut unbestritten. Aber Hinweise sind eben noch lange keine Beweise", erklärte UEFA-Generalinspektor und Österreichs ehemaliger Schiedsrichter-Chef Gerhard Kapl, warum die Nominierung von Referee Falb für die Partie in Ried nicht angesichts der prekären Umstände geändert wurde. "Es wäre ein Misstrauensvotum gegen ihn, der ohnehin schon unter großer Belastung steht. Es besteht kein gezielter Verdacht", sagte Kapl.
(apa)

17.9.2005 14:48