Freitag, 16. September 2005

Entwarnung in der heimischen Bundesliga: Keine Schiebung bei Ried - Sturm festgestellt

  • Dennoch: Ried kritisiert Liga & fordert Konsequenzen
  • "Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen"

Das wegen Schiebungsverdacht in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen gerückte T-Mobile-Bundesliga-Match SV Ried - Sturm Graz (2:1) muss nach Ansicht der Oberösterreicher Konsequenzen haben. "Wir können und werden nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir verlangen vom Bundesliga-Vorstand, dass die Fakten auf den Tisch gelegt werden. Und dann muss es Konsequenzen geben", meinte Anwalt Peter Vogl, Rieds Ex-Präsident und nunmehriges Vorstandsmitglied, am Sonntag.

Sturm-Manager Heinz Schilcher will hingegen nicht noch mehr öffentliches Aufsehen erregen und die Sache ligaintern klären. "Soll ich ein Gerücht verklagen? Gesprochen muss darüber aber auf jeden Fall noch werden. Der Fehler war, dass die Sache von der Bundesliga alles andere als geschickt in der Öffentlichkeit breit getreten worden ist." Bei seinen Spielern stellte Schilcher vor der Partie "eine gewisse Anspannung fest, schließlich waren sie ja die Erstverdächtigen."

ÖFB gegen Besprechung im "stillen Kämmerchen"
Thomas Zlabinger von der Bundesliga, der im Fill-Metallbau-Stadion als Beobachter fungierte, verteidigte hingegen das Vorgehen von Vorstand Georg Pangl, sprich den Weg an die Öffentlichkeit. Demnach wäre die Vorgangweise, alles im "stillen Kämmerchen" zu besprechen, eindeutig falsch gewesen.

"Wir haben gemeinsam mit dem ÖFB und dem Buchmacherverband im Vorhinein einen Kommunikationsplan entworfen, an diesen haben wir uns strikt gehalten. Aus einem einfachen Grund: was wäre, wenn ein Jahr später Gerüchte auftauchen, dass bei diesem Spiel etwas faul gewesen ist? Dann würde es zum Umkehrschwung kommen und die Frage lauten: 'Warum hat die Bundesliga nicht gehandelt?'", erklärte Zlabinger.

Pangl kündigt Nachjustierungen für Frühwarnsystem an
Bundesliga-Vorstand Georg Pangl kündigte Sonntagnachmittag in der TV-Sendung "Talk und Tore" auf Premiere Austria einige Änderungen für die Zukunft an. "Wir müssen nachjustieren", meinte der Burgenländer, der eine Sitzung mit dem Buchmacher-Verband und dem ÖFB anregte.

"Das ganze ist eine unangenehme Sache und wir werden auch am Freitag bei der Präsidenten-Konferenz darüber sprachen", sagte Pangl, der sich auch bei Ried und Sturm für mögliche Missverständnisse entschuldigte.

Es ging alles mit rechten Dingen zu
Nicht nur Zlabinger kam übrigens in Ried zur klaren Erkenntnis, dass trotz des Rieder 2:1-Sieges - vor der Partie waren überdurchschnittlich hohe Beträge auf einen Heimsieg gewettet worden - im Innviertel alles mit rechten Dingen zuging. "Es war ein gutes Match, bei dem absolut nichts auffällig war", so Zlabinger. Dennoch werde man sich noch einmal das Videoband des Spiels genau ansehen und mit dem Buchmacherverband der Sportwetten GmbH Rücksprache halten. "Alle Beteiligten haben bewiesen, dass es sich nur um ein unglaubliches Gerücht gehandelt hat", erklärte Ried-Manager Stefan Reiter.

Vogl, angesehener Anwalt im Innviertel, fordert dennoch Folgen. "Die können je nach Lage der Dinge organisatorisch, personell oder rechtlich sein." Seit Freitagabend, als Gerüchte aufgetaucht waren, dass sich Ried und Sturm in den beiden Ligaspielen jeweils auf einen Heimsieg geeinigt hätten, sei in Ried ein regelrechter "Hype" entstanden. Der mögliche Imageschaden ist laut Vogl nicht zu unterschätzen: "Ich bin von unzähligen Fans und Sponsoren angesprochen worden. Vor ein paar Wochen waren wir noch der best geführte Verein Österreichs und jetzt sollen wir gemeinsam mit Sturm zwei Bundesligaspiele geschoben haben? Das ist doch Unsinn." Die Rolle des Wett-Kontrollorgans sehen Vogl und Schilcher ident: "Kontrollorgan ja, aber nur, wenn es sinnvoll eingesetzt wird."

Ried bewies einmal mehr Heimstärke
Sportlich stellten die "Wikinger" einmal mehr ihre Heimstärke unter Beweis - der Aufsteiger hat in bisher fünf Heimpartien drei Siege und zwei Remis geholt und damit daheim elf der insgesamt 13 Zähler gesammelt. "Wir waren gut organisiert und zweikampfstark, das war der Schlüssel zum Erfolg", meinte Coach Heinz Hochhauser. Sein Gegenüber Michael Petrovic trauerte den zahlreichen vergebenen Chancen nach: "Wenn aus fünf Hundertprozentigen nur ein Tor macht und zwei billige Gegentreffer kassiert, dann verliert man."
(apa)

16.9.2005 16:57