Dienstag, 13. September 2005

ÖSV-Boss Schröcksnadel im Interview: "Die Athleten haben aus dem Fall Knauß gelernt"

  • Ski-Zampano: "ORF ist für mich der beste Partner"
  • "Bode Miller hat Talent und ist eine Bereicherung"

40 Tage vor dem Auftakt der alpinen Ski-Winters am 22. Oktober in Sölden hat ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel zum traditionellen Herbstgespräch nach Innsbruck geladen. Auf seinem Hausberg Patscherkofel sprach Schröcksnadel im Interview mit der APA u.a. über den Dopingfall Hans Knauß, sein klares Bekenntnis zur Ski-Berichterstattung im ORF, Bode Miller und seine Erwartungen für den Olympia-Winter.

APA: Sie haben dem Pay-TV-Sender Premiere eine klare Absage
verpasst, warum?
Schröcksnadel: In Österreich ist der ORF für mich der beste Partner. Mit dem derzeit laufenden Zehnjahresvertrag sichern wir unseren Verband ab, er hilft uns auch über eventuelle Tiefs hinweg. Wenn etwa in Deutschland die Skispringer schlecht sind, will RTL aussteigen - das geht bei Privatsendern sehr schnell. Der ORF muss aber auch übertragen, wenn es für uns schlechter laufen sollte. Für uns ist Premiere einfach der falsche Partner, die österreichische Skinationalmannschaft kann doch nicht vom guten Willen des Herrn
Kofler abhängig sein. Unser Ziel ist, dass möglichst viele Österreicher die Skirennen sehen können, und der ORF hat die beste Reichweite.

APA: Der bittere Rücktritt von Hans Knauß ist mittlerweile fast zwei Monate her, wie sehen Sie den Fall mit ein wenig zeitlicher Distanz?
Schröcksnadel: Natürlich hat Hans Knauß ein Vergehen begangen, denn Fahrlässigkeit ist auch Schuld. Bedenklich ist allerdings, dass man für fahrlässiges und bewusstes Doping die selbe Strafe bekommt, nämlich zwei Jahre Sperre. Da pumpe ich mich als Sportler gleich richtig voll, weil mehr als zwei Jahre bekomme ich ja eh nicht. Dieses Urteil nutzt dem Sport sicher nicht.

APA: Hat der ÖSV nach diesem Fall irgendwelche Spezialmaßnahmen getroffen?
Schröcksnadel: Wir haben immer schon auf die Gefahren von
Nahrungsergänzungsmitteln hingewiesen. Aber unterm Strich ist jeder
selbst verantwortlich, wir können nicht jedem überallhin nachlaufen. Aber die Athleten haben aus dem Fall gelernt. Sie wissen jetzt, wie heikel die Sache ist. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig fragen, das haben sie kapiert.

APA: Die Olympiasaison 2005/2006 steht vor der Tür, wie sehen die Erwartungen des Präsidenten aus?
Schröcksnadel: So wie immer: sechs bis acht Medaillen bei den
Alpinen und zwei bis drei bei den Nordischen. Alles was unter zehn Medaillen ist, bereitet uns keine Freude. Wir haben das Potenzial, um
über diese Marke zu gelangen. Wir sind gut vorbereitet.

APA: Hat das Unglück in Sölden irgendwelche Konsequenzen für den Weltcup-Auftakt im Oktober?
Schröcksnadel: Wir haben vom Veranstalter keinerlei Signale
erhalten, es sollte kein Problem geben. Wir planen gleich wie bisher,
es hat keinerlei Diskussionen gegeben.

APA: Wie beobachten Sie die Persönlichkeit und den Skifahrer Bode Miller?
Schröcksnadel: Er hat Talent und ist eine Bereicherung. Das passt schon. Der eigene Sieg ist nichts wert, wenn du keine Gegner hast.

(apa/red)

13.9.2005 10:08