Wahl in Wien: Auftakt im Austria Center - die SPÖ startete in den Intensivwahlkampf!
- Häupl: Opposition soll mit dem "Gelaber" aufhören
- Rund 2.000 Besucher bei der Auftaktveranstaltung
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Der Wahlkampf für die Wien-Wahl am 23. Oktober geht nun in die intensive Phase: Als erste Partei hat am Freitag die regierende SPÖ ihre Wahlkampfauftakt-Veranstaltung absolviert. Bürgermeister und Parteichef Michael Häupl hat dabei sowohl das "Gelaber" der Opposition als auch die Bundesregierung ins Visier genommen. Zum Auftakt im Austria Center Vienna sind laut SPÖ an die 2.000 Menschen erschienen.
Häupl verwies in seiner Rede zunächst auf die hohe Lebensqualität in Wien, die auch von Statistiken bescheinigt werde: "Noch hundertmal wichtiger ist aber, dass die Menschen, die hier wohnen, die hier leben, dass die sich wohl fühlen. Sogar die politischen Mitbewerber würden sagen: "Die Stadt ist schön, aber..." Dieser Satz fange gut an. Häupl: "Sie sollten dann aber einen Punkt machen und nicht einen Beistrich, und aufhören mit ihrem Gelaber."
Der Wiener SP-Chef ging zunächst auf die ÖVP ein, laut Häupl eine Wirtschaftspartei, "die ihre Wirtschaftskompetenz längst abgegeben hat." Kritik übte er etwa an den Flat-Tax-Ideen des VP-Spitzenkandidaten Johannes Hahn. Diese könne nicht zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit beitragen, wie sich etwa in der Slowakei zeige. Dort gebe es eine Flat-Tax - und die höchste Arbeitslosigkeit Europas.
Scharfe Kritik an FPÖ und BZÖ
Eher amüsiert zeigte sich Häupl über das von FP-Chef Heinz-Christian Strache affichierte "Duell"-Plakat: "Ich weiß zwar nicht, was das Duell ist an der Geschichte, außer: Wer ist der Schiachere auf dem Plakat." Er wolle dem "geübten Duellanten" Strache zwar nicht nahe treten, "aber ich glaube, für mich reicht ein Zahnstocher für ihn". Ein "bisschen weniger witzig" sei jedoch die Politik der FPÖ, etwa die propagierte Rückkehr zu den "alten Werten". Häupl: "Da muss man mehr als 60 Jahre zurückschauen, damit man ihre Werte erkennen kann."
In Richtung BZÖ meinte Häupl: "Egal, ob die ein oranges oder blaues Leiberl anhaben, es ist der gleiche Mist und Schrott, den sie auch schon 2001 und 1996 vertreten haben." Die Grünen kritisierte Häupl unter anderem wegen ihrer Forderung, jene Lehrerposten zu finanzieren, die der Bund eingespart habe. Und er warnte davor, den Grünen eine Stimme zu geben - da diese sich schon bald als "Ministranten einer schwarzen Alleinregierung" auf Bundesebene wiederfinden könnten.
"Leiden unter Politik der Bundesregierung"
An der Politik der derzeitigen Regierungskoalition ließ Häupl erwartungsgemäß ebenfalls kein gutes Haar: "Ja, es ist richtig, dass wir hier unter der Politik der österreichischen Bundesregierung leiden." Häupl kritisierte unter anderem die Einsparungen im Bereich Sicherheit, das neue Staatsbürgerschaftsrecht sowie die Finanzpolitik des Bundes. Während durch die Politik der Bundesregierung statistisch gesehen jeder Österreicher 18.000 Euro pro Kopf Schulden habe, seien es in Wien nur 860 Euro.
"Was ich versprechen kann, ist, dass wir mit kühlem Kopf und heißem Herzen daran arbeiten, dass wir das Beste für die Stadt erreichen", betonte Häupl. Was etwa für die Jobsituation gelte: "In diesem Herbst kann ich garantieren, dass jeder Mensch, der einen Ausbildungsplatz haben will, einen Ausbildungsplatz bekommen wird."
Gusenbauer: Wollen Österreich zum Besten wenden
SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer hat beim Wahlkampfauftakt der Wiener Sozialdemokraten für die Wien-Wahl ein klares Signal gegen die Politik der Bundesregierung prophezeit. "Am 2. Oktober beginnt es in der Steiermark, es geht weiter am 9. Oktober im Burgenland, und es wird am 23. Oktober in Wien seinen Höhepunkt erreichen", sagte Gusenbauer am Freitagabend im Austria Center.
"Ich kann euch sagen, am allerschlimmsten wird für diese Bundesregierung der Sieg von Michael Häupl und den Sozialdemokraten sein", so der SP-Chef weiter. Er sprach von einer "großen Richtungsauseinandersetzung", um die es schlussendlich auch im Oktober 2006 bei der Nationalratswahl gehen werde: "Mit dieser Wahl gehen wir es an. Wir wollen Österreich zum Besten wenden. In Wien ist am 23. Oktober der Startschuss."
Gusenbauer machte seinen Parteifreunden Hoffnungen auf bessere Zeiten für die SPÖ: "Stellt euch eine Sekunde vor, dass es ab nächsten Herbst eine Bundesregierung gibt, die nicht gegen Wien arbeitet, die mit Wien an ein und demselben Strang zieht, die die gleiche Gesinnung hat."
Die "schwarz-bunte" Bundesregierung habe fünf Jahre Zeit gehabt zu zeigen, wozu sie fähig sei. Sie sei dabei gescheitert wie kaum eine andere Bundesregierung. Die Bilanz laut Gusenbauer: Rekordarbeitslosigkeit, schlechte Wirtschaftsdaten, Rekordschulden, schrittweise Einführung der Zweiklassenmedizin und Bildungsmisere. "Wer nicht bereit ist, den Kindern und Jugendlichen die Chancen zu geben, die sie brauchen, der soll abtreten und Platz machen für eine sozialdemokratische Bundesregierung", so der SPÖ-Bundesparteichef.
Gusenbauers und Häupls Reden wurden von den Anwesenden - darunter Altbundeskanzler Franz Vranitzky, Altbürgermeister Helmut Zilk und die gesamte Wiener Stadtregierung - mit frenetischem Jubel bedacht. Der Großteil der Häupl-Fans war mit Ansteckern ("Wählen wir Lebensqualität") oder Transparenten ausgestattet.
Mit einem eher ungewöhnlichen Accessoire fiel SP-Umweltstadträtin Ulli Sima auf: Sie trug einen Gürtel mit roter LED-Laufschrift - auf dem "SPÖ" blinkte. Laut Sima handelte es sich um ein Geschenk von ihrer Freundin, der Grün-Politikerin Eva Glawischnig.
(apa/red)
