Mittwoch, 14. September 2005

Die Partei-Hochburgen: Große Unterschiede zwischen Gemeinderats- und Bezirksebene

  • SPÖ beherrscht Arbeiterbezirke, ÖVP die City
  • Nur ein schwarzer Fleck auf rotgefärbter Wien-Karte

So wie im Bund ist in Wien die politische Landschaft von Hochburgen geprägt. Das Klischee entspricht dabei voll der Realität: Die SPÖ ist in den Arbeiterbezirken stark, die ÖVP im eher noblen Wien und die Grünen in den Innenbezirken, in denen die Jugend- und Kulturszene blüht. Die FPÖ hat lange in klassischen SPÖ-Revieren "gewildert", ist aber längst nicht mehr so bedeutend wie früher.

Färbt man die politische Landkarte Wiens nach Mehrheiten ein, ergibt sich ein deutliches Bild: Sie ist fast zur Gänze in Rot gehalten, nur im Zentrum liegt ein kleiner schwarzer "Fleck". Denn bei der Gemeinderats- und Landtagswahl 2001 landete die SPÖ mit Ausnahme der Innenstadt in allen Wahlbezirken auf dem ersten Platz. Der ÖVP blieb nur die City.

Am stärksten war die SPÖ im Arbeiterbezirk Simmering. Sie erreichte dort 59,15 Prozent. Spitzenwerte erreichte sie auch in Favoriten (55,87 Prozent) sowie in Floridsdorf (55,57 Prozent) und in der Donaustadt (55,25 Prozent). Letztere sind dabei gar keine "klassischen" Arbeiterbezirke, sondern Gebiete mit zahlreichen neuen Siedlungen bzw. Wohnbauten. FPÖ und Grüne waren bei der Gemeinderatswahl in keinem Wahlbezirk die stimmenstärkste Partei.

Anders sieht die Situation bei den Wahlen zur Bezirksvertretung aus, die gleichzeitig mit der Gemeinderatswahl durchgeführt wird. 2001 konnten die Grünen erstmals in einem Bezirk die relative Stimmenmehrheit erreichen, und zwar in einem, in dem das so genannte junge und urbane Zielpublikum besonders häufig zu finden ist: In Wien-Neubau (7. Bezirk) übt seither der Grün-Politiker und Ex-Trafikant Thomas Blimlinger das Amt Bezirksvorstehers aus.

Auf Bezirksebene gibt es deutlich mehr schwarze Hochburgen als auf Gemeindeebene: Denn die ÖVP stellt als stimmenstärkste Partei nicht nur in der City, sondern auch in den Bezirken Josefstadt, Wieden, Hietzing, Währung und Döbling den Bezirksvorsteher.

Während auf Gemeindeebene am 23. Oktober kaum große Veränderungen zu erwarten sind - Umfragen prophezeien eine absolute Stimmenmehrheit der SPÖ - sind die Wahlen zu den Bezirksvertretungen spannender: Die Grünen wollen dabei weitere Innenstadt-Bezirke zu Hochburgen machen und weitere Vorsteherposten erringen. Die SPÖ hingegen hofft ebenfalls auf eine solche Chance, darunter sogar im 1. Bezirk. Um diesen zu "verteidigen" bietet, die ÖVP mit der EU-Mandatarin Ursula Stenzel nun eine ihrer prominentesten Politikerinnen als Spitzenkandidatin auf. (apa/red)

14.9.2005 16:30