Stenzel-Nominierung sorgt für Wirbel in Wiener VP: City-Vorsteher "sehr enttäuscht"
- Grundwalt: "Dachte zunächst, das sei ein Scherz"
- Heftige Reaktionen der anderen Parteien auf Stenzel
·Stenzel will 'Anwältin'
der Bewohner sein
Bei Niederlage bleibt sie im Europaparlament
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Turbulente Kandidaten-Präsentation im Herzen Wiens: Das am Mittwoch verkündete Antreten der VP-Europaparlamentarierin Ursula Stenzel bei der Bezirksvertretungswahl sorgte bei der ÖVP parteiintern für erheblichen Wirbel. Stenzel soll Spitzenkandidatin im 1. Bezirk werden - und bei einem Wahlsieg Bezirksvorsteherin. Der derzeitige Amtsinhaber Franz Grundwalt (V) zeigte sich darüber "enttäuscht". Über das Antreten mit einer eigenen eigenen Liste dachte er aber trotzdem nur sehr kurz nach.
"Ich respektiere natürlich diese demokratische Entscheidung, aber ich hätte es auch sehr gerne selber gemacht", kommentierte der City-Bezirksvorsteher die Kür Stenzels durch den ÖVP-Vorstand. Er selbst sei in diese Pläne nicht eingeweiht gewesen - vielmehr habe er überhaupt erst vergangenen Freitag von dem Gerücht erfahren, dass Stenzel kandidieren soll, noch dazu von einem SP-Politiker. Da habe er noch geglaubt, dies sei ein Scherz gewesen.
Am Mittwochnachmittag überlegte Grundwalt dann im APA-Gespräch sogar, mit einer eigenen Liste gegen Stenzel und die ÖVP zu kandidieren. Knapp eine Stunde später - nachdem die APA-Meldung am Netz war - hatte er sich dann bereits entschieden. Nach einem Gespräch mit Freunden und seiner Frau habe er beschlossen, nicht mehr anzutreten und sich zurückzuziehen, gab er bekannt. Grundwalt (64) war seit 2001 Bezirksvorsteher in der City.
Stenzel wechselt nur bei Sieg in Bezirkspolitik
Ursula Stenzel (59) möchte eine "Anwältin" der Bewohner des ersten Wiener Bezirkes sein, wie sie bei der heutigen Präsentation betonte. In die Bezirkspolitik wechseln will sie aber nur bei einem Sieg. Mit der Kandidatur Stenzels soll der erste Bezirk auch nach dem Wahltag am 23. Oktober in schwarzer Hand bleiben. Stenzel sei eine "leidenschaftliche City-Bewohnerin" und schärfe mit ihrer '"Weltoffenheit und Internationalität" das "urbane Profil" der ÖVP, lobte Wiens VP-Chef Johannes Hahn die Kandidatin.
Pirker würde Stenzels EU-Mandat übernehmen
Die ÖVP-Delegation im Europaparlament "erwartet" jedenfalls einen Sieg von Delegationsleiterin Ursula Stenzel. Das sagte der ÖVP-Europaabgeordnete Othmar Karas am Mittwoch in Brüssel. Sollte Stenzel in Wien gewählt werden, würde der Ex-Europaabgeordnete und Kärntner ÖAAB-Landesobmann Hubert Pirker automatisch ihr EU-Mandat übernehmen. Dies ergebe sich so aus dem Wahlrecht, sagte Karas.
Zu einer möglichen Nachfolge Stenzels bei der Delegationsleitung äußerte sich der ÖVP-Europaabgeordnete nicht. Karas, der auch Vizevorsitzender der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament ist, gilt selbst als möglicher Kandidat für den Posten.
Hämische Kritik der übrigen Parteien
Die anderen Wiener Parteien reagierten skeptisch bis hämisch auf die Kandidatur Stenzels: Der SP-Spitzenkandidat für die Innere Stadt, Georg Niedermühlbichler, bezweifelte etwa, dass Stenzel über die Situation des ersten Bezirks wirklich informiert sei. "Immerhin war sie lange in Brüssel und wohnt erst seit drei Jahren im Bezirk. Und seit ihrer Schulzeit in der Inneren Stadt hat sich auch einiges verändert", so der SP-Politiker. (apa/red)
