Mittwoch, 14. September 2005

Ursula Stenzel zurück in Wien: Europa-politikerin tritt bei den Bezirkswahlen an

  • Ex-Moderatorin kandidiert in der Inneren Stadt
  • Othmar Karas gilt als aussichtsreicher Nachfolger

Im Alter von 60 Jahren, wenn viele andere gerade in Pension gehen, könnte Ursula Stenzel ihre dritte Karriere starten. Die frühere ORF-Moderatorin und derzeitige ÖVP-Delegationsleiterin im Europaparlament wird am 23. Oktober bei den Wiener Bezirksvertretungswahlen antreten. ÖVP-Wien-Chef Johannes Hahn präsentiert sie als Spitzenkandidatin für die Innere Stadt.

Stenzel ist eine der wenigen Quereinsteigerinnen, die nicht am glatten Parkett der Politik ausgerutscht sind. Bei ihrem ersten Antreten bei der EU-Wahl 1996 als Spitzenkandidatin der Volkspartei schaffte sie es erstmals seit dreißig Jahren, die ÖVP bei einer Bundeswahl auf Platz eins zu führen und erhielt 168.000 Vorzugsstimmen - wesentlich mehr als die Spitzenkandidaten von SPÖ, FPÖ, Grünen und Liberalem Forum gemeinsam. 1999 kam sie mit 48.000 Vorzugsstimmen immer noch auf den ersten Platz, während sie sich bei ihrem dritten Antreten 2004 bereits dem Grünen Johannes Voggenhuber geschlagen geben musste.

Die ÖVP-Delegationsleiterin gilt als Verfechterin einer Integration Österreichs in ein internationales Sicherheitskonzept. Auch die NATO war für sie nie ein Tabu. Das Neutralitätsgesetz bezeichnete sie in der Vergangenheit als "überholt". Stenzel bekannte sich unzweideutig zur Erweiterung, plädiert nun aber für eine "Ruhephase". Kroatien will Stenzel allerdings gerne bald als EU-Mitglied begrüßen, während sie sich mehrfach und deutlich gegen einen Beitritt der Türkei zur Union ausgesprochen hat.

Im EU-Parlament wird ihre Tätigkeit als ÖVP-Delegationsleiterin als eher unauffällig beschrieben. Innerhalb der Europäischen Volkspartei (EVP) wird Othmar Karas, der auch stellvertretender Vorsitzender der EVP ist, eine größere Rolle eingeräumt. Gleichzeitig sagt man den beiden ÖVP-Europaparlamentariern ein schwieriges Verhältnis zueinander nach. Sollte Stenzel allerdings nach Wien wechseln, gilt Karas als aussichtsreicher Nachfolger in der Rolle des ÖVP-Delegationsleiters. Auf Stenzels Parlamentsmandat könnte der bei der Europawahl im Vorjahr gescheiterte Ex-EU-Abgeordnete und Kärntner ÖAAB-Obmann Hubert Pirker nachrücken.

Die am 22. September 1945 in Wien geborene Stenzel studierte Zeitungs- und Politikwissenschaften sowie Geschichte. Sie begann ihre berufliche Laufbahn 1970 als freie Mitarbeiterin des aktuellen Dienstes des ORF-Studios Wien. 1972 wurde sie Redakteurin im Aktuellen Dienst Radio, in der Folge Redakteurin und ZiB-Moderatorin im ORF-Fernsehen. Am Ende ihrer ORF-Karriere war sie als Moderatorin in der Hörfunk-Information tätig. Sie ist mit Burgschauspieler Heinrich Schweiger verheiratet.

Zur Wiener Innenstadt hat Stenzel einen besonderen Bezug. Sie bewohnt gemeinsam mit Schweiger eine Wohnung in der Nähe der Albertina. (apa)

14.9.2005 10:56