Zweistelliges Ergebnis: Als Wahlsieger geltender König Guido krönt seine Laufbahn
- Nach Wahl fester im FDP-Sattel denn je zuvor
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Ob Guido Westerwelle den Wahlsonntag politisch überleben würde, stand bis kurz vor der Entscheidung auf des Messers Schneide. Jetzt aber ist der FDP-Vorsitzende der strahlende Sieger der deutschen Bundestagswahl: Als einzige der bisher in Fraktionsstärke dem Parlament angehörenden Parteien erzielten die Liberalen am Sonntag einen deutlichen Zuwachs und erzielten nach den Hochrechnungen erstmals seit 15 Jahren wieder ein zweistelliges Ergebnis.
Mit dem erst 43-jährigen Rechtsanwalt an der Spitze ist die FDP jetzt wieder klar die drittstärkste politische Kraft in Deutschland. Auch wenn es nach dem schwachen Abschneiden der CDU/CSU offenbar nicht zu der angestrebten Regierungsbeteiligung reicht, ist klar: Westerwelle sitzt als Parteivorsitzender fester denn je im Sattel, denn der Triumph vom Sonntag ist nur die Krönung einer einzigartigen Erfolgsserie.
Seit seiner Wahl zum FDP-Chef auf dem Düsseldorfer Parteitag 2001 hat die Partei bei fast allen Wahlen zugelegt, ist ins Europaparlament, mehrere Landtage sowie die Regierungen von Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zurückgekehrt. Wenn es zu einer Mehrheit für Schwarz-Gelb gereicht hätte, wäre der Einfluss Westerwelles entgegen vielfacher Erwartungen sogar größer gewesen als der des CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber.
Dabei hat der Oberliberale noch auf dem Berliner FDP-Parteitag eine Woche vor der Bundestagswahl alles auf eine Karte gesetzt: Unmissverständlich legte er fest, dass die Partei nur für eine Koalition mit den Unionsparteien zur Verfügung steht. Alle anderen Konstellationen, vor allem eine Ampelkoalition mit SPD und Grünen, schloss er kategorisch aus. Zugleich hatte er eine Zweitstimmenkampagne eingeläutet, die offensichtlich auch gefruchtet hat.
Für den Fall, dass seine Strategie nicht aufgegangen wäre, hatten einige der durchaus noch vorhandenen Gegner Westerwelles in der FDP schon das Messer gewetzt. Schließlich hatte es schon zum Jahresanfang mit Hinweis auf den "Spaßwahlkampf" 2002 erste Versuche gegeben, den betont seriösen FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt gegen Westerwelle in Stellung zu bringen. Doch der ließ sich nicht darauf ein und verwendete alle Energie daran, sich als Kandidat für das Amt des Bundesaußenministers zu profilieren.
Im Wahlkampf blieb auch der FDP-Chef selbst betont seriös. Selbst an heißen Sommertagen kam er nur in dunklem Anzug und mit Krawatte auf die Kundgebungen seiner Partei. Vom Guidomobil wie bei seiner Kanzlerkandidatur 2002 war keine Rede mehr.
Der am 27. Dezember 1961 in Bad Honnef (Nordrhein-Westfalen) geborene Westerwelle der jüngste Spitzenkandidat aller Bundestagsparteien. Und diese Rolle kennt er nur allzu gut. 1980 in die FDP eingetreten, war Westerwelle Gründungsmitglied der Jungen Liberalen, die bald die linken Jungdemokraten als Jugendverband der Partei ablösten. 1983 bis 1988 war er Bundesvorsitzender der "Julis" und wurde schon mit 27 Jahren Mitglied des FDP-Bundesvorstands. 1994 mit 33 Jahren trat Westerwelle als Generalsekretär der FDP endgültig ins Rampenlicht. Und mit 39 kam er schließlich an die Parteispitze.
Von CSU-Chef Edmund Stoiber noch vor wenigen Jahren zum Leichtmatrosen erklärt, hat sich der "rheinische Junggeselle", der mit seinem Lebenspartner auch in der Öffentlichkeit auftritt, am Sonntag wohl endgültig als politisches Schwergewicht erwiesen. (apa/red)
