Sonntag, 18. September 2005

Nach der Wahl: Bundeskanzler Gerhard Schröder will es jetzt noch einmal wissen

  • Trotz Verlusten will der Kanzler im Amt bleiben

"Meine Zukunft ist, deutscher Bundeskanzler zu bleiben", hatte Gerhard Schröder am Samstagnachmittag bei seiner letzten Wahlkampfkundgebung in Frankfurt am Main verkündet. Und an diesem Anspruch hielt er fest, auch nach dem die Verluste der SPD bei der Bundestagswahl deutlich waren. Im Berliner Willy-Brandt-Haus präsentierte er sich am Sonntagabend wie ein Sieger.

"Diejenigen, die einen Wechsel im Amt des Bundeskanzlers erstreben wollten, sind grandios gescheitert", sagte er. Er wolle dafür sorgen, "dass es auch in den nächsten vier Jahren eine stabile Regierung unter meiner Führung geben wird."

Aus seinem unbedingten Willen zur Macht hat Schröder nie ein Hehl gemacht. "Ich will hier rein", lautet sein wohl bekanntestes Zitat. Gesagt haben soll er das in den frühen 80er Jahren, während er als Bundestagsabgeordneter am Zaun des Bonner Kanzleramts rüttelte. "Wer als Politiker nicht danach trachtet, Macht und Einfluss zu gewinnen, der ist am falschen Platz", sagte Schröder später einmal.

Erklärt hat er seinen Ehrgeiz und sein Machtstreben oft mit seiner Biografie. "Ich hatte zeitlebens eine prinzipielle Kampfsituation, musste mich immer durchbeißen, wollte immer was erreichen." Schröder wuchs in ärmlichen Verhältnissen im westfälischen Lipperland auf. Sein Vater fiel ein halbes Jahr nach seiner Geburt im Zweiten Krieg, seine Mutter arbeitete als Putzkraft. Schröder machte das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, studierte anschließend Jura in Göttingen.

Schon damals, in den späten 60er Jahren, soll er getönt haben: "Ich gehe nach Bonn und werde Kanzler." 1978 trat Schröder als Vorsitzender der Jungen Sozialdemokraten erstmals ins bundespolitische Rampenlicht, zwei Jahre später wurde er in den Bundestag gewählt.

In Hannover wurde er 1990 Regierungschef, nach seinem dritten Wahlsieg in Niedersachsen kürte ihn die SPD 1998 zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Schröder beendete die 16-jährige Ära Helmut Kohl und wurde der dritte sozialdemokratische Bundeskanzler nach Willy Brandt und Helmut Schmidt. Schmidt war 1963 der Grund für Schröder, in die SPD einzutreten, Brandt gilt ihm bis heute als großes Vorbild.

Als "Medienkanzler" wurde Schröder tituliert, als er sein Amt antrat. Später galt er als "Konsenskanzler", der wichtige Gesetzesvorhaben am liebsten von Expertenkommissionen vorbereiten ließ. In den rot-grünen Anfangsjahren wurde sein Pragmatismus von vielen als Schlingerkurs wahrgenommen.

Erst in der zweiten Legislaturperiode fand er mit der Agenda 2010 sein ganz großes Projekt, das auch sein Bild in den Geschichtsbüchern über seine Regierungszeit prägen wird. Gleichzeitig profilierte er sich mit seiner "Politik des außenpolitischen Selbstbewusstseins". Für sein Nein zum amerikanisch geführten Irak-Krieg sind ihm bis heute auch viele dankbar, die ihm politisch sonst nicht gerade nahe stehen.

Die schlechte Ausgangsposition für die SPD zu Beginn des Wahlkampfs hat den Kampfeswillen Schröders nicht gedämpft. Im direkten Vergleich lag er in den Umfragen über weite Strecken vor seiner Unions-Herausforderin Angela Merkel. "Die guten Werte für mich müssen mit der Position der SPD zusammengebracht werden", hat er sich und seiner Partei Mut gemacht.

Um ein paar Prozentpunkte konnten sich Schröder und die SPD in der Schlussphase des Wahlkampfs noch verbessern. Vor allem freute sich der Kanzler am Sonntag aber darüber, wie weit Medien und Meinungsforscher bei ihren Prognosen für die Union daneben lagen. "Wir haben etwas erreicht, was viele der professionellen Beobachter für völlig unmöglich gehalten haben."

(apa)

18.9.2005 20:22