Wahlkampf bis zur letzten Minute: Zehn Millionen Deutsche sind noch unentschlossen
- Schröder, Merkel & Co. kämpfen um jede Stimme
- 62 Millionen Deutsche am Sonntag wahlberechtigt
·Union will notfalls nochmals Neuwahlen
CDU/CSU gegen große Koalition und Linkspartei
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·Schröder und Merkel gegen große Koalition
Harte TV-Runde: Knapper
Wahlausgang erwartet
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D-Wahl: Von Schwarz-Gelb und Rot-Rot-Grün
·Müntefering nicht in SPD, aber im Kabinett
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·Bundestagswahl in Deutschland am 18. 9.
UMFRAGE: Welche Partei stellt nächsten Kanzler?
·Deutschland: Wahl- kampf wird härter!
Schröder attackiert die Union, Merkel kontert
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Teils witzig, oft ernst, immer aussagekräftig
Wahlkampf bis zur letzten Minute: Einen Tag vor der deutschen Bundestagswahl haben die Spitzenkandidaten der Parteien am Samstag bei letzten Großkundgebungen noch einmal versucht, ihre Anhänger zu mobilisieren. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat sich zuversichtlich gezeigt, im Amt zu bleiben. Bei seinem letzten Wahlkampfauftritt sagte der Kanzler am frühen Samstagabend in Frankfurt am Main, die Union werde bei der Abstimmung am Sonntag in der Minderheit bleiben. "Meine Zukunft ist, deutscher Bundeskanzler zu bleiben", rief er unter dem Jubel von rund 20.000 Zuhörern. Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel warb unterdessen in Bonn um jede Stimme für die Union: "Wählen Sie den Wechsel, weil Deutschland eine Zukunft braucht."
Schröder und SPD-Chef Franz Müntefering appellierten eindringlich an ihre Anhänger, noch Unentschlossene für die Sozialdemokraten zu gewinnen. Schröder erneuerte auch seine scharfen Attacken auf die Steuerpolitik der Union und deren Finanzfachmann Paul Kirchhof. Das Konzept des "Professors aus Heidelberg", einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent einzuführen, werde den Staat jährlich 40 Milliarden Euro kosten. Bezahlt werden solle dies von denjenigen, deren steuerfreien Zuschläge auf Nacht-, Schicht- und Feiertagsarbeit weggenommen werde, kritisierte Schröder. Die SPD werde dies verhindern.
"Auf dem Schoß" von Bush
Schröder und Müntefering geißelten auch die außenpolitischen Positionen der Union. Müntefering warf Merkel vor, beim US-Präsidenten "auf dem Schoß" gesessen zu haben, als es um Krieg und Frieden im Irak ging. Schröder sagte, Merkel habe mit ihrer Haltung zum Irak-Krieg Deutschland im Ausland diskreditiert "Das ist unanständig", rief der Kanzler.
Schröder, dessen Stimme merklich angeschlagen war, begann seine gut halbstündige Rede in Frankfurt mit dem Satz: "Sie sehen, es geht um jede Stimme, auch um meine eigene."
Merkel gegen große Koalition
Merkel sagte in Bonn weiter, eine mögliche Koalition von SPD und Union würde nur Stillstand bedeuten. Dies sei das Letzte, was das Land brauche, fügte die CDU-Chefin hinzu. Der Schröder-Regierung warf sie erneut vor, zahlreiche Wahlversprechen gebrochen zu haben.
Zudem unterstellte Merkel den Sozialdemokraten, in großen Teilen mit der Linkspartei zu liebäugeln. Selbst wenn sich Schröder vehement dagegen ausspreche, sei dies keine Garantie gegen eine rot-rot-grüne Koalition. "Die SPD hört nicht auf Schröder, deswegen haben wir ja Neuwahlen", erklärte Merkel.
Westerwelle warnt vor Linkspartei
Auch FDP-Chef Guido Westerwelle warb in Dortmund noch einmal für einen politischen Neuanfang. Gebe es keine schwarz-gelbe Mehrheit, werde der Bundeskanzler den Weg für eine Regierung mit Beteiligung der Linkspartei freimachen, warnte er. Seine letzte Wahlkampfrede will Westerwelle in Köln erst kurz nach Mitternacht und damit erst am Wahltag beenden.
Fischer: "Entscheidende Richtungswahl"
Auch Grünen-Spitzenkandidat, Außenminister Joschka Fischer und Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi warben bis zuletzt um Stimmen. Die Entscheidung am Sonntag sei "eine ganz entscheidende Richtungswahl", sagte Fischer in Hamburg.
Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, forderte die Parteien auf, soziale Gerechtigkeit zur Grundlage aller Politikfelder zu machen. "Politik darf sich nicht zur Magd der Wirtschaft herabwürdigen", sagte der DGB-Chef bei einer Veranstaltung in Wuppertal.
Zwischenfall in Leipzig
Zu einem Zwischenfall kam es im Rathaus von Naunhof bei Leipzig. Dort war eine Briefwahlurne für kurze Zeit geöffnet worden. Eine Wählerin hatte vermutet, ihr Personalausweis sei mit hineingefallen. Eine Wahlhelferin sah nach. Der Fall wird von der Staatsanwaltschaft Leipzig untersucht, die Wahlhelferin wurde ausgetauscht.
Ausgang völlig offen
Wegen des erwarteten knappen Rennens hatten die Parteien den Wahlkampf nicht wie üblich am Freitagabend beendet. Umfragen kurz vor der Wahl ergaben keine gesicherte Mehrheit für das von der CDU/CSU gewünschte Regierungsbündnis mit der FDP. Für Unsicherheit sorgt nach Ansicht der Meinungsforscher, dass noch etwa zehn Millionen von rund 62 Millionen Wahlberechtigten nicht wussten, ob und wen sie wählen sollten.
(apa/red)
