Sonntag, 18. September 2005

Häftlinge wehren sich: Hungerstreik im
US-Gefangenenlager in Guantánamo

  • 200 Gefangene essen nicht, Armee machtlos

Der seit Wochen andauernde Hungerstreik im US-Gefangenenlager Guantánamo weitet sich einem Zeitungsbericht zufolge weiter aus und stellt die US-Armee vor ernste Schwierigkeiten. Inzwischen verweigerten etwa 200 der insgesamt rund 500 Gefangenen die Nahrungsaufnahme, berichtete die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf Regierungsbeamte und Anwälte. 20 Gefangene würden zurzeit im Krankenhaus mit Magensonden und intravenös ernährt. Die US-Armee gibt die Zahl der Hungerstreikenden offiziell mit 105 an.

Die Armee habe schon verschiedene Versuche unternommen, den Hungerstreik zu beenden, dabei aber keinen Erfolg gehabt, zitierte das Blatt einen Armeevertreter. Ein anderer Beamter sagte der Zeitung demnach, das Militär fürchte immer mehr, die Situation nicht mehr Kontrolle bekommen zu können.

Der Hungerstreik hatte am 8. August begonnen. Grund ist laut dem US-Zentrum für die verfassungsmäßigen Rechte (CCR), dass Gefangene geschlagen und ihnen grundsätzliche Bedürfnisse verweigert wurden. CCR-Anwälte verteidigen mehrere Lager-Insassen. Die meisten der Gefangenen in Guantánamo werden von der US-Armee verdächtigt, Mitglieder des Terrornetzwerks Al Kaida oder der afghanischen Taliban-Miliz zu sein. Viele sitzen dort seit dem Jahr 2002 ein.

(apa)

18.9.2005 10:18