Samstag, 17. September 2005

Mindestens 30 Tote bei neuem Attentat im Irak: Autobombe auf Marktplatz detoniert

  • Dutzende Verletzte. Schreckensszenen in Spital
  • Mehrere Todesopfer bei weiteren Anschlägen

Bei der Explosion einer Autobombe auf einem Markt östlich von Bagdad sind nach Angaben der Polizei mindestens 30 Menschen getötet und 38 verletzt worden. Der Anschlag ereignete sich in Nahrawan, einem vorwiegend von Schiiten bewohnten Vorort der irakischen Hauptstadt. Das mit Sprengstoff beladene Auto war nach Angaben eines Polizeisprechers vor mehreren Obst- und Gemüseständen des Marktes geparkt.

Die Toten und Verletzten wurden in ein Krankenhaus in Bagdad gebracht. Einige Verletzte lagen blutend und vor Schmerzen schreiend auf dem Fußboden in der Al-Kindi-Klinik. Mehreren wurden bei der Explosion die Gliedmaßen abgerissen. Ein Mann sagte vor dem Krankenhaus, seinem Bruder sei das rechte Bein oberhalb des Knies abgetrennt worden.

Damit setzte sich die Serie von Bombenanschlägen fort, bei denen in den vergangenen Tagen mehr als 200 Menschen getötet wurden, die meisten von ihnen Schiiten. Allein am Mittwoch waren bei offenbar aufeinander abgestimmten Anschlägen mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Der Führer des Terrornetzwerks Al Kaida im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, hatte am Mittwoch den Schiiten im Zweistromland einen "totalen Krieg" erklärt. Er kann dabei auf Unterstützung in den Reihen der sunnitischen Volksgruppe zählen. Diese befürchtet, in einem von Schiiten und Kurden dominierten Irak marginalisiert zu werden, dessen Verfassung bei einer Volksabstimmung am 15. Oktober abgesegnet werden soll.

Zuvor hatten Aufständische am Samstag mehrfach die amerikanischen Besatzungstruppen angegriffen. In der Nähe des Gefängnisses Abu Ghraib westlich von Bagdad rammte ein Selbstmordattentäter mit seinem Auto einen US-Konvoi und zerstörte drei der Fahrzeuge. In der gleichen Gegend geriet ein zweiter US-Konvoi unter Feuer. Drei gepanzerte Fahrzeuge wurden beschädigt. Auf die Haftanstalt wurden mehrere Granaten abgefeuert.

In Bakuba (Baquba) nordöstlich von Bagdad wurde ein Mann getötet, als ein Selbstmordattentäter seinen Wagen in eine irakische Militärpatrouille lenkte. In Ubaydi im Norden des Landes durchsuchten die amerikanischen Truppen mehrere Häuser, die Mitgliedern der Al Kaida als Unterschlupf gedient haben sollen. Die Soldaten fanden eine Autobombe, Waffen, Munition und Material zum Bau von Sprengsätzen. Während der Durchsuchung wurde auf die Truppen geschossen. Sie erwiderten das Feuer und töteten einen der Angreifer.

An drei verschiedenen Orten in der Hauptstadt Bagdad wurden am Samstag die Leichen von neun Irakern entdeckt, die Kopfschüsse aufwiesen. Sie waren offenbar gefoltert und hingerichtet worden, berichtete der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf irakische Polizeikräfte. In Tal Afar im Norden des Landes wurden nach Angaben des US-Militärs zwei Aufständische bei einem Schusswechsel mit amerikanischen und irakischen Soldaten getötet. Die Aufständischen hätten eine Patrouille von irakischen und US-Soldaten angegriffen.

Die alliierten Truppen vermeldeten indes einen schweren Schlag gegen die Terrororganisation Al Kaida im Irak. Soldaten hätten in Mossul zwei mutmaßliche Anführer der Organisation festgenommen, hieß es in einer Stellungnahme der US-Streitkräfte. Es handle sich um Taha Ibrahim Yassin Becher, auch Abu Fatima genannt, und Hamed Said Ismael Mustafa, bekannt als Abu Shahed. In der Stellungnahme hieß es, Abu Fatima habe erst vor zwölf Tagen nach der Festnahme seines Vorgängers die Führung der Organisation in Mossul übernommen. "Die simultane Festnahme beider Anführer beschädigt die organisatorische Struktur des nördlichen Netzwerks der Al Kaida im Irak", hieß es weiter.

(apa)

17.9.2005 12:49