Mysteriöse Geiselnahme: Niederländische Millionärstochter wurde freigelassen
- Polizei & Familie hatten keinen Kontakt zu Entführern
- Die Kidnapper forderten 300 Kilogramm Kokain
Glückliches Ende einer mysteriösen Geiselnahme: Zwei Tage nach ihrer Entführung ist die niederländische Millionärstochter Claudia Melchers in der Nacht zum Donnerstag in Arnheim von ihren Kidnappern freigelassen worden. Sie sei vermutlich im Osten des Landes oder in Deutschland festgehalten worden, teilte die Amsterdamer Kriminalpolizei am Donnerstag mit. Der Chef der Kriminalpolizei, Willem Woelden, erklärte, dass kein Lösegeld bezahlt worden sei.
Die Familie der freigelassenen Claudia Melchers ist "überglücklich". Den Entführern seien weder "Güter noch Gelder" übergeben worden, heißt es in einer in Amsterdam veröffentlichten Erklärung der Familie.
Weder Familie noch Polizei hätten Kontakte mit den drei Entführern gehabt. Die Kidnapper hatten in der Wohnung der Frau einen Brief hinterlassen und darin 300 Kilogramm Kokain gefordert - mit einem Straßenverkaufswert von rund 200 Millionen Euro. Doch das sei nicht übergeben worden, versicherte Woelden.
"Sie war in großer Gefahr"
Körperlich gehe es Claudia Melchers gut, sagte Woelden. "Aber sie war in großer Gefahr." Entgegen ersten Ankündigungen gab die Familie keine schriftliche Erklärung ab. Nach Angaben der Landeskriminalämter der angrenzenden deutschen Bundesländer Niedersachsen und Nordrhein- Westfalen gibt es bislang keine Hinweise darauf, dass die Frau dort festgehalten wurde.
Die Kidnapper hatten die 37-Jährige in der Nacht zum Donnerstag mit einem Auto in die Nähe eines Parks gebracht und frei gelassen. Von dort aus sei sie zu Fuß zum Bahnhof von Arnheim gegangen, berichtete der Polizeichef. Dort hatte sie ein Taxi angehalten und Familie und Polizei benachrichtigt.
Ihren Angaben nach wurde sie von drei Männern entführt. Zwei von ihnen beschrieb sie als Südamerikaner, ein dritter Mann sei schwarz gewesen. Sie seien am Montagabend in ihre Amsterdamer Wohnung gekommen und hätten sich als mögliche Kunden ihres Cateringbetriebes ausgegeben. Doch dann hätten sie Claudia Melchers mit Pistolen bedroht, in einen Plastikbehälter gezwängt und aus dem Haus in ein Auto transportiert. Ein Bekannter war gefesselt und geknebelt worden. Die beiden kleinen Kinder der Frau hatten ihn später befreit.
"Sondereinheit bleibt aktiv"
Zwei Tage lang verbrachte Claudia Melchers den Angaben zufolge in einem Haus mit verdunkelten Fenstern. Im Radio hatte sie deutsche Stimmen gehört und auch ost-niederländischen Dialekt. Daher sucht die Polizei nun auch im Grenzgebiet nach den Tätern. "Die Sondereinheit von 60 Beamten bleibt aktiv", sagte Woelden.
Auch nach dem glücklichen Ende der Entführung gibt es viele Fragen. "Claudia Melchers weiß nicht, warum sie freigelassen wurde und auch nicht, warum sie entführt wurde", sagte Polizeichef Woelden. Es war spekuliert worden, dass dies mit dem Vermögen ihres Vaters zusammenhänge. Der frühere Eigentümer eines Chemieunternehmens, Hans Melchers, ist mit einem geschätzten Vermögen von 460 Millionen Euro einer der reichsten Männer des Landes. Sein Unternehmen war wegen Lieferungen von verbotenen Chemikalien in den Irak in die Schlagzeilen geraten.
Die Bewohner in der Jan Eijckstraat im schicken Viertel Amsterdam- Süd reagierten erleichtert auf die Freilassung ihrer Nachbarin. "Ich bin froh, dass sie endlich wieder bei ihren Kindern sein kann", sagte eine alte Dame mit Tränen in den Augen. Eine Bekannte von Claudia Melchers fürchtet, dass die Familie nun umziehen werde. "Sie muss doch Todesängste ausgestanden haben."
(apa)
