Donnerstag, 15. September 2005

Für Verzicht auf die Atomkraft: Nordkorea will die Lieferung von Leichtwasserreaktoren

  • Japan nennt die Forderung nur "unannehmbar"

Einen Tag nach dem Einlenken im Streit um das nordkoreanische Atomprogramm hat die Regierung in Pjöngjang neue Bedingungen gestellt. Vor dem Verzicht auf das Atomprogramm müssten die Vereinigten Staaten einen Leichtwasserreaktor liefern, erklärte Nordkorea am Dienstag. "Die USA sollten erst gar nicht davon träumen, dass die Volksrepublik (Nordkorea) vor der Bereitstellung von Leichtwasserreaktoren ihre atomare Abschreckung abbaut", hieß es am Dienstag in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang.

Tags zuvor hatte sich die Regierung in Pjöngjang nach mehr als zweijährigen Verhandlungen grundsätzlich zum Verzicht auf Kernwaffen und zur Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag bereit erklärt. Mit der Forderung stieß Nordkorea in Japan, China und den USA auf Ablehnung.

Das japanische Außenministerium nannte die nordkoreanische Forderung in einer ersten Reaktion inakzeptabel. China forderte alle Teilnehmer der Sechs-Nationen-Gespräche auf, ihre Zusagen einzuhalten, um "eine friedliche Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel" zu ermöglichen. Der amerikanische Außenamtssprecher Sean McCormack erklärte, die Forderung entspreche nicht den Vereinbarungen. Die USA hatten bereits während der Verhandlungen ausgeschlossen, einen Leichtwasserreaktor an Nordkorea zu liefern.

Nordkorea hatte schon bei den Sechs-Nationen-Gesprächen in der vergangenen Woche in Peking die Forderung nach einem Leichtwasserreaktor zur Deckung seines Strombedarfs aufgebracht. In der am Montag erzielten Einigung, in der sich Nordkorea zum Verzicht auf sein Atomwaffenprogramm und zur Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags bereit erklärt hatte, hieß es dazu nur, dieses Thema solle "zur angemessenen Zeit" geklärt werden. Nun machte die Regierung in Pjöngjang deutlich, dass sie als vertrauensbildende Maßnahme seitens der USA zuerst den Reaktor geliefert haben will.

US-Präsident George W. Bush nannte das am Montag im Rahmen der Sechs-Nationen-Gespräche verabschiedete Abkommen einen "Schritt dahin, die Welt sicherer zu machen". Es müsse sich allerdings zeigen, inwieweit den Ankündigungen auch Taten folgten, erklärte Bush. Außenamtssprecher Adam Ereli sagte, in einer nächsten Verhandlungsrunde Anfang November wolle Washington über eine mögliche Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Pjöngjang beraten.

Der japanische Außenminister Nobutaka Machimura kündigte unterdessen die Aufnahme bilateraler Gespräche mit Nordkorea an. Japan verlangt Aufklärung über das Schicksal japanischer Bürger, die in den 70er und 80er Jahren von nordkoreanischen Agenten verschleppt worden waren.

Unter dem Verweis auf die Zusagen Nordkoreas forderte der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), Mohamed ElBaradei, neue Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Er kritisierte die Kompromisslosigkeit des Irans und die Forderungen europäischer und amerikanischer Diplomaten nach einer Einschaltung des UN-Sicherheitsrats als Beispiele für "Konfrontationen und eine waghalsige Politik". Aus diplomatischen Kreisen in Wien verlautete, Vertreter der USA und europäischer Staaten arbeiteten weiter an einem Resolutionsentwurf zur Anrufung des Gremiums. Über ein entsprechendes Papier sollte der Gouverneursrat der IAEO in den kommenden Tagen abstimmen.

(apa)

15.9.2005 16:24