Donnerstag, 15. September 2005

1. EU-Friedensmission in Asien: Aceh- Rebellen beginnen Abgabe von Waffen

  • Beobachter kontrollieren auch Rückzug der Armee

In einem bedeutenden Schritt auf dem Weg zum Frieden für die indonesische Unruheprovinz Aceh haben die Rebellen damit begonnen, ihre Waffen abzugeben. Einen Monat nach Unterzeichnung eines Friedensschlusses mit der Regierung in Jakarta händigten Mitglieder der Bewegung Freies Aceh (GAM) am Donnerstag rund 80 Waffen an ein internationales Beobachterteam aus. Die Waffen wurden anschließend zerstört. Die Friedensvereinbarung von Helsinki soll den fast 30 Jahre währenden Bürgerkrieg an der Nordspitze der Insel Sumatra beenden. Dem Konflikt fielen in dieser Zeit mehr als 15.000 Menschen, meist Zivilisten, zum Opfer.

Bis zum Jahresende müssen die Rebellen in vier Phasen rund 850 Waffen an die Beobachtermission aus Vertretern der EU und mehrerer südostasiatischer Staaten aushändigen, die am Donnerstag offiziell ihre Arbeit aufnahm. Im Gegenzug zieht die Regierung etwa die Hälfte ihrer Sicherheitskräfte aus der Provinz ab. Danach sollen noch rund 14.700 Soldaten und 9100 Polizisten dort verbleiben.

Den Rebellen wurden eine Amnestie, Land und Hilfen für den Beginn eines zivilen Lebens versprochen. Hunderte inhaftierte Separatisten wurden bereits freigelassen. Zudem ist eine größere Autonomie für Aceh vorgesehen. Dafür gab die GAM ihre zentrale Forderung nach Unabhängigkeit der an Öl- und Gasvorkommen reichen Provinz auf.

Vertreter der indonesischen Regierung und der Rebellen gaben sich angesichts der Abgabe der Waffen, darunter Kalaschnikows und Mörser, zuversichtlich über den weiteren Verlauf des Friedensprozesses. Dieser Schritt zeige, dass es die GAM Ernst meine, sagte Informationsminister Sofyan Djalil. Rebellensprecher Irwandi Yusuf sagte: "Dies ist ein sehr wichtiger Tag für eine bessere Zukunft für Aceh und eine bessere Zukunft für Indonesien."

Nach mehreren gescheiterten Friedensgesprächen in den vergangenen Jahren hatten sich GAM und die Regierung Jakarta unter dem Eindruck des verheerenden Tsunami auf eine neue Runde von Beratungen geeinigt. Bei der Flutkatastrophe Ende Dezember waren an der Nordspitze Sumatras bis zu 167.000 Menschen ums Leben gekommen. (apa)

15.9.2005 08:33