Donnerstag, 15. September 2005

Anschlagserie im Irak geht weiter: 30 Tote bei Selbstmordattentaten zu beklagen

  • Pkw in eine Kolonne von Polizeifahrzeugen gesteuert
  • PLUS: 150 Menschen bei Bombenserie im Irak getötet

Bagdad ist den zweiten Tag in Folge von einer offensichtlich koordinierten Anschlagsserie erschüttert worden. Dabei wurden am Donnerstag mehr als 30 Menschen getötet. Für die bisher blutigste Anschlagsserie am Mittwoch mit 160 Toten übernahm die Terrororganisation Al Kaida im Irak die Verantwortung. Deren Führer Abu Musab al-Zarqawi erklärte laut einer Tonbandaufnahme allen schiitischen Muslimen sowie den irakischen Streitkräften und der Regierung in Bagdad den Krieg.

Dem schwersten Selbstmordanschlag im südlichen Bagdader Stadtteil Dora fielen am Donnerstagmorgen 16 Polizisten und fünf Zivilpersonen zum Opfer, wie die Behörden mitteilten. Der Attentäter habe sein mit Sprengstoff beladenes Auto in eine Kolonne von Polizeifahrzeugen gesteuert und dann die Explosion ausgelöst. Mehr als 20 Personen seien verletzt und drei Polizeifahrzeuge zerstört worden.

Kurz vor Mittag detonierten dann im Abstand von nur einer Minute zwei weitere Autobomben, die ebenfalls von Selbstmordattentätern gezündet worden waren. Dabei wurden unweit der ersten Anschlagsstelle mindestens sieben weitere Polizisten getötet. Im Osten Bagdads kamen drei Zivilpersonen ums Leben, als eine am Straßenrand versteckte Bombe beim Vorbeifahren eines Busses mit Regierungsangestellten explodierte. US-Soldaten und irakische Polizisten fuhren später durch Dora und forderten die Anwohner auf, in ihren Häusern zu bleiben, da in der Gegend noch fünf weitere potenzielle Attentäter unterwegs seien.

Al Kaida im Irak bezeichnete die Anschläge vom Mittwoch, bei denen in Bagdad die bisher höchste Opferzahl an einem Tag seit Beginn des Irak-Kriegs zu verzeichnen war, als Vergeltung für die Militäroffensive in Tel Afar. In dieser Stadt nahe der nördlichen Grenze zu Syrien waren am vergangenen Wochenende mehr als 200 Rebellen getötet und etwa 400 gefangen genommen worden. Zu den Anschlägen vom Donnerstag bekannte sich zunächst niemand, doch vermuteten die Behörden auch hier die Organisation Al-Zarqawis als Urheber.

In der Tonbandaufzeichnung, die am Mittwoch ins Internet gestellt wurde, erklärte der als Al-Zarqawi eingeführte Sprecher, seine Kämpfer würden jeden Iraker angreifen, der der Kollaboration bei der US-geführten Militäraktion in Tel Afar verdächtigt werde. "Wenn es bewiesen ist, dass ein Mitglied der irakischen Nationalgarde, der Polizei oder der Streitkräfte ein Agent der Kreuzfahrer ist, wird er getötet, und sein Haus wird niedergerissen oder abgebrannt, nachdem alle Frauen und Kinder herausgeholt wurden", heißt es in der Erklärung. Dann kündigte der Sprecher auch einen Krieg gegen alle Schiiten an. (apa)

15.9.2005 07:08