Dienstag, 13. September 2005

"Der Albtraum ist vorbei!" Ministerpräsident
Korei ruft zu Wiederaufbau des Gebiets auf

  • Sicherheitskräfte bemühen sich um Ruhe & Ordnung
  • Plus: Sharon übernimmt keine Verantwortung für Gaza

Einen Tag nach dem Abzug der israelischen Armee aus dem Gaza-Streifen hat der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei seine Landsleute zum Wiederaufbau des Küstengebiets aufgerufen. "Der Albtraum ist vorbei, die Besatzung ist zu Ende und Gaza ist nun ohne Siedler", sagte Korei am Dienstag in Neve Dekalim, der einst größten jüdischen Siedlung im Gaza-Streifen. "Heute fangen wir mit der Arbeit des Wiederaufbaus an."

Korei forderte die Palästinenser auf, Brandstiftungen an Synagogen und Plünderungen einzustellen. Palästinensische Sicherheitskräfte bemühten sich, für Ruhe und Ordnung zu sorgen, Plünderer fern zu halten und ihnen die aus Synagogen oder Gewächshäusern gestohlenen Gegenstände abzunehmen. Am Vortag hatten sich die Polizisten noch herausgehalten oder mitunter selbst an den ausgelassenen Feiern teilgenommen.

Nach 38 Jahren Besatzung hatte die israelische Armee den Gaza-Streifen am Montagmorgen vollständig geräumt. Israel gab damit erstmals ein Gebiet auf, das die Palästinenser für einen eigenen Staat beanspruchen.

Auch am Dienstag strömten die Palästinenser zu Hunderten in die verlassenen Siedlungen, um den israelischen Abzug zu feiern. In Neve Dekalim begannen Einsatzkräfte damit, die Trümmer ehemaliger Siedlerhäuser mit Planierraupen wegzuräumen. Die Gebäude waren, wie zwischen der israelischen und der palästinensischen Regierung vereinbart, vor dem Abzug von israelischen Soldaten abgerissen worden. In einigen Gewächshäusern begannen Bauern, neue Pflanzen zu setzen. "Wir müssen den Menschen helfen, ihren Lebensunterhalt verdienen zu können", sagte ein palästinensischer Staatssekretär. Die Namen der ehemaligen jüdischen Siedlungen sollen laut Korei zunächst beibehalten werden, bis "wir uns auf Umbenennungen einigen können".

In der ehemaligen Siedlung Netzarim riss die Polizei die Ruine einer Synagoge ein. Aus Hass hatten palästinensische Jugendliche dieses und einige andere Bethäuser am Vortag in Brand gesetzt. Dies löste in Israel heftige Reaktionen aus. Das israelische Parlament kam am Dienstag in Jerusalem zu einer Sondersitzung zusammen, damit Abgeordnete ihrem Ärger über die Zerstörung der Synagogen Ausdruck verleihen konnten. Die israelische Regierung hatte die Synagogen auf Druck von Rabbinern und rechtsnationalen Kreisen stehen lassen und die Palästinenser aufgefordert, die Gebäude zu respektieren.

Grenze zwischen Gazastreifen und Ägypten wird geschlossen
Ägypten und palästinensische Sicherheitskräfte haben am Dienstag beschlossen, die Grenze zwischen Ägypten und dem Gazastreifen am Mittwochabend zu schließen. Das teilte der palästinensische Kommandant für den südlichen Gazastreifen, Jamal Kaed, mit. Die Grenze war nach dem Abzug der israelischen Streitkräfte von tausenden Palästinensern geradezu überrannt worden.(apa/red)

13.9.2005 15:32