Samstag, 17. September 2005

Ungewöhnlich sanfte Töne im Wahlkampf: Steirische SPÖ setzt jetzt auf Kuschelkurs

  • Spitzenkandidat Voves lobt Konkurrentin Klasnic
  • "Erster Ansprechpartner nach Wahl ist erneuerte VP"

Auffallend moderate Aussagen trotz der zuletzt immer härter werdenden steirischen Wahlkampftöne schlugen SPÖ-LHStv. Franz Voves und die Referenten der Veranstaltung "Club Voves" wie Hannes Androsch oder Gabi Burgstaller am Samstag in Graz an: Man betonte zwar die Notwendigkeit eines Wechsels an der Spitze der Steiermark, in der Sache blieb man aber bemerkenswert sachlich orieniert. Voves lobte sogar die punktuelle Zusammenarbeit mit VP-LH Waltraud Klasnic in einem der Kernanliegen seines "Power-Plans", den regionalen Kooperationen.

Mit dem Aufmarsch mehrerer Referenten aus den Vorstandsetagen von bekannten Unternehmen wie Salinen Austria, Porr, Infineon oder Böhler-Uddeholm versuchte die SPÖ "sozialdemokratische Wirtschaftskompetenz" zu demonstrieren. Helmut Maier von Porr, Thomas Joszeffi von den Salinen, Monika Kircher-Kohl (Infineon) und Heimo Stix lobten die Voves-Idee einer Steiermark-Holding als strategisches Beteiligungsinstrument des Landes als taugliches Werkzeug für moderne Wirtschaftspolitik, die nicht ins Tagesgeschäft der Firmen eingreife. Stix plädierte dabei für die "Wiederherstellung der Marke Steiermark als Zeichen für Vertrauen und Verlässlichkeit. Wir sollten das ab 3. Oktober mit gemeinsamem Einsatz beginnen."

"Koalition der Vernunft"
Voves bekräftigte die nicht unfreundliche Haltung gegenüber einer "runderneuerten ÖVP" nachdem Wahltag am 2. Oktober: "Ich würde mich ganz sicher gerne zum LH wählen lassen. Ich möchte eine Kooperation, eine Koalition der Vernunft, weil wir wichtige Themen zu lösen haben, und daher sage ich, wenn die Wähler uns eine relative Stimmenmehrheit geben würden, dann ist für mich der erste Ansprechpartner ganz klar eine personell erneuerte ÖVP", so Voves am Rane der Veranstaltung in einem ORF-Interview.

Lob für Klasnic
Voves selbst stellte als neue Idee einer regionalen Kooperation einen bereits existierenden Planungs-Verbund der weststeirischen Gemeinden Voitsberg, Bärnbach, Köflach und Maria Lankowitz heraus. Diese würden zusammen die Raumplanungsfragen abhandeln, die Kooperation sei ausweitbar bis hin zur geteilten, koordinierten Betriebsansiedelung. Dies werde auch für eine ganz neue Förderungs- und Finanzierungslandschaft sorgen. Voves lobte sogar - mittlerweile eine Seltenheit im steirischen Wahlkampf - die Zusammenarbeit mit dem politischen Gegener: "Mit Frau Klasnic haben wir etwas ähnliches wie in der Weststeiermark auch für Mariazell, die Umlandgemeinden und den Basilika-Tourismus auf die Beine gestellt."

Androsch weicht vom Kuschelkurs ab
Am schärfsten Richtung ÖVP formulierte noch der Industrielle Hannes Androsch, der die "katastrophal geringen Aufwendungen der Bundesregierung für Forschung und Entwicklung, Bildung und Universitäten" beklagte. Dies sei angesichts der immer wichtiger werdenden Wissensgesellschaft ein "ungeheures Versagen". Ähnliches warf Androsch auch Finanzminister Karl-Heinz Grasser vor: "In fünf Jahren hat er uns mit seinem nun für obsolet erklärten Dogma Nulldefizit genug Schaden zugefügt."

Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgsteller forderte in Bezug auf die Regionalisierung in Voves' Zehn-Punkte-Programm von den anderen Parteien ein "Ende der Sonntagsreden und klare Bekenntnisse und Aktionen". Man müsse künftig grenzenlos denken und handeln, die Globalisierung dürfe nicht schrecken. Deshalb müsse man sich sich überlegen, ob das Konzept der auf sich allein gestellten Gemeinde aus den vorigen Jahrhunderten noch funktioniere. "Ich weiß, das Reden vom Europa der Regionen hängt vielen schon zum Hals heraus, aber beim Voves-Plan ist etwas Greifbares da", so Burgstaller.

(apa/red)

17.9.2005 15:45