Freitag, 16. September 2005

Sensation in der Steiermark: KPÖ-Kandidat Kaltenegger genießt das größte Vertrauen

  • Zwei Wochen vor der Wahl: Klasnic im Abwärtstrend
  • Image-Krise: Nur elf Prozent vertrauen Hirschmann

Der von scharfen Attacken geprägte steirische Wahlkampf hat das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Landespolitiker tief sinken lassen. In einer aktuellen Auswertung für den APA/OGM-Vertrauensindex haben vor allem Gerhard Hirschmann, aber auch Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V) und SPÖ-Spitzenkandidat Franz Voves an Vertrauen verloren. An der Spitze liegt unangefochten der Überraschungsmann des steirischen Wahlkampfs, der Kommunist Ernest Kaltenegger.

"Vertrauen Sie xy oder vertrauen Sie xy nicht oder kennen Sie xy nicht", lautet die Frage von OGM für den APA/OGM-Politiker-Radar. Der Saldo aus den beiden Werten ergibt den Wert für den Vertrauensindex. Für die aktuelle Steiermark-Umfrage hat das Institut am 13. September 400 Steirer telefonisch befragt.

Für Kaltenegger werden dabei 18 Punkte ausgewiesen. Im Juni, bei der bisher letzten Umfrage für den Vertrauensindex in der Steiermark, war er noch bei zwölf Punkten gelegen. "Kaltenegger gilt als unpolitischer Sympathieträger, der es versteht, die ideologische Haltung seiner Partei weichzuzeichnen", so OGM-Politologe Peter Hajek zum guten Abschneiden des KPÖ-Manns.

An der Spitze war vor drei Monaten noch Klasnic. Sie ist nach der Herberstein-Affäre und den Enthüllungen um die Abfertigung für den früheren ÖVP-Spitzenmann Hirschmann von 23 auf sieben Punkte zurückgefallen und liegt nur mehr auf Platz drei. Im Oktober vor einem Jahr hatte die "Landesmutter" noch 39 Punkte erreicht. An die Werte anderer Landeshauptleute, die in ihren Ländern 60 und mehr Punkte erreichen, konnte sie aber schon damals, nach dem Hochkochen der EStAG-Affäre, nicht anschließen. Hajek verweist freilich darauf, dass sie - mit Ausnahme Kalteneggers - noch immer recht deutlich vor den anderen Spitzenkandidaten liegt.

Umfrage: Nur elf Prozent vertrauen Hirschmann
SPÖ-Chef Voves etwa konnte den Einbruch der Landeshauptfrau nicht nutzen. Er hat gegenüber Juni 15 Punkte verloren und liegt jetzt bei minus zwei. Vor einem Jahr war er noch bei 17 Punkten gelegen. Für Hajek ist er "Opfer der Lagermobilisierung und Polarisierung im Land". Dazu sei die Diskussion über seine Büroeinrichtung gekommen.

Die tiefsten Spuren hat der Wahlkampf im Image Hirschmanns hinterlassen. Nur elf Prozent der Befragten gaben an, dem selbst ernannten Erneuerer der Politik zu vertrauen, 81 Prozent vertrauen ihm nicht. Auf dem Vertrauensindex ergibt das einen Saldo von minus 70 Punkten - den bisherigen Tiefstwert in der österreich-weiten Umfrage-Serie. Hajek: "Der enorme Vertrauensverlust resultiert aus der Geldaffäre und seinem Image als Unruhestifter, das er gegen sein Saubermann- und Aufdecker-Image eingebüßt hat."

"Frustpotenzial" in der Steiermark
Durchwegs im Negativ-Bereich bewegen sich auch die Spitzenkandidaten der anderen Parteien. FPÖ-Mann Leopold Schöggl konnte gegenüber Juni zwar um zwei Punkte zulegen, über einen Wert von minus 15 kommt er aber nicht hinaus. Und BZÖ-Spitzenkandidat Michael Schmid muss sich mit minus 38 begnügen. Ein Vergleichswert aus dem Juni liegt für den Ex-Infrastrukturminister nicht vor.

Ingrid Lechner-Sonnek von den Grünen hat in den vergangenen Monaten fünf Punkte verloren und liegt jetzt bei minus sieben.

Seit dem Juni haben damit fast alle steirischen Spitzenpolitiker Vertrauen eingebüßt, Hajek spricht von "Frustpotenzial" im Land. Zulegen konnte neben Kaltenegger nur Finanzlandesrätin Kristina Edlinger-Ploder (V). Nach einem Plus von fünf Punkten liegt sie im Gesamtranking jetzt hinter Kaltenegger und noch vor Klasnic auf Rang zwei.

Rang vier gehört mit fünf Punkten dem Personallandesrat Hermann Schützenhöfer. Der als Kandidat für eine allfällige Klasnic-Nachfolge gehandelte ÖAAB-Chef hat gegenüber dem Juni allerdings ebenfalls stark verloren, und zwar um elf Punkte.

Wenig überraschend: ÖVP-Umfrage sieht sich in Front
Die ÖVP sieht sich in der Steiermark knapp in Führung. Eine Umfrage des VP-nahen Fessel-Gfk-Instituts (Sample 500 - erhoben Dienstag bis Donnerstag dieser Woche) hat ergeben, dass die Volkspartei unter Landeshauptfrau Waltraud Klasnic bei den Wahlen am 2. Oktober auf 39 Prozent käme, dicht dahinter liege die SPÖ mit 38 Prozent, erläuterte Generalsekretär Reinhold Lopatka bei einer Pressekonferenz Freitag Vormittag.

Das stärkste Augenmerk legte Lopatka auf sein Heimatbundesland Steiermark. Angesichts prognostizierter acht Prozent für die KPÖ malt er das rot-rote Gespenst an die Wand. Denn seiner Ansicht nach könnten wegen der eher schwachen Werte für die anderen Parteien (Grüne 6, FPÖ, Liste Hirschmann 3, BZÖ 2 Prozent) schon 7 Prozent reichen, um einen Landesratposten zu erhalten. Dann hätten SPÖ und KPÖ die Mehrheit in der Regierung und würden keinen Moment zögern, ein gemeinsames Programm durchzuziehen, erklärte Lopatka.
(apa/red)

16.9.2005 09:57