Freitag, 16. September 2005

"Zuwachs im einstelligen Prozentbereich":
'Öffentliche' werden bei uns immer beliebter

  • Plus an Fahrgästen nicht nur wegen Benzinpreise

Öffentliche Verkehrsmittel boomen: Die ÖBB haben von Jänner bis August österreichweit einen Zuwachs an Fahrgästen im "einstelligen Prozentbereich" verzeichnet. Das Plus dürfte aber nicht alleine auf den steigenden Benzinpreis zurückzuführen sein. "Es spielen mehrere Faktoren - auch Marketingmaßnahmen - eine Rolle", sagte ÖBB-Sprecherin Katharina Gürtler.

Besonders im Osten benutzten mehr Personen die Öffis. Werner Molik, Kommunikation Verkehrsverbund Ostregion: "Wir können bestätigen, dass sich die Zahl der Teilnehmer im öffentlichen Verkehr gesteigert hat. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Benutzer im ersten Halbjahr 2005 gestiegen." Bei den Fahrkarten seien um fünf Prozent mehr verkauft worden, bei den Zeitkarten, wie zum Beispiel Monats- oder Jahreskarten, waren es laut Molik um zwei Prozent mehr.

Wiener Linien auch heuer auf Rekordjagd
Obwohl die Wiener Linien 2004 ein Allzeithoch von 735,3 Millionen Fahrgästen verzeichneten, ist man heuer wieder auf Rekordjagd: Hatten im ersten Halbjahr 2004 noch 375 Millionen Fahrgäste Wiens öffentlichen Nahverkehr in Anspruch genommen, so waren es heuer 380 Millionen. "Ob das ausschließlich auf die hohen Spritpreise zurückzuführen ist, wage ich aber nicht zu sagen", so ein Sprecher der Wiener Linien.

Eine vermehrte Zahl an Anfragen registrierten auch die oberösterreichische Verkehrsverbundgesellschaft sowie der Postbus Oberösterreich. Der Salzburger Verkehrsverbund verzeichnet gegenüber dem Sommer des Vorjahres eine leichte Zunahme beim Kartenverkauf. In Graz können die Verkehrsbetriebe seit 2003 kontinuierlich steigende Passagierzahlen vermelden. Beim Verkehrsverbund Tirol konnte man am Donnerstag vorerst noch keine konkreten Zahlen über Zuwächse nennen. Man registriere aber verstärkte Nachfrage nach Fahrplänen und Tarifen.

Wiener und Tiroler fahren am meisten mit den "Öffis" zur Arbeit
Die Wiener und Tiroler fahren am meisten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Das ist das zentrale Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Studie des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zum Auftakt der europäischen Mobilitätswoche, die unter dem Motto "Sprit sparen - Bus- und Bahnfahren" steht. Demnach kommen 40,5 Prozent der Wiener mit U-Bahn, Tram oder Bus (39,9 Prozent) sowie Fahrrad (0,6) ins Büro.

In Tirol lassen 21,6 Prozent ihr Auto stehen, in Vorarlberg tun dies 20,8 Prozent. Am bequemsten sind laut VCÖ die Kärntner: Nur jeder Zehnte (9,9 Prozent) lässt das Auto in der Garage und fährt mit Öffis oder dem Fahrrad zur Arbeit. Die weiteren Prozentsätze: Niederösterreich 18,1; Salzburg 17,7; Burgenland 13.1; Oberösterreich 12,4 und Steiermark 12,1. Den größten Fahrradfahrer-Anteil hat übrigens Vorarlberg mit 4,6 Prozent, gefolgt von Tirol (2,7).

Laut VCÖ können Pendler, die mit dem Bus oder der Bahn anreisen, pro Jahr rund 1.800 Euro im Vergleich zu den "Auto-Pendlern" sparen. "Jetzt rächt sich, dass beim öffentlichen Nahverkehr in der Vergangenheit der Sparstift regierte. Anstatt die Bus- und Bahnverbindungen in der Region zu verbessern, wurden Linien eingestellt. Leidtragende sind gerade wegen der steigenden Spritpreise die Pendler", sagte VCÖ-Experte Martin Blum.
(apa)

16.9.2005 08:02