Gedenkfeier für Kriegsopfer: Ulrichsberg-Treffen im Zeichen von Demonstrationen
- Rund 70 Kundgebungsteilnehmer protestierten
- Kärntner VP-Chef sorgt für Unmut bei Teilnehmern
Im Zeichen von Demonstrationen hat am Sonntag die traditionelle Gedenkfeier für die Opfer beider Weltkriege und des Kärntner Abwehrkampfes auf dem Ulrichsberg nördlich von Klagenfurt gestanden. Rund 70 Kundgebungsteilnehmer machten mit Transparenten, Trillerpfeifen und lautstarken Unmutsäußerungen gegen die bereits zum 46. Mal durchgeführte Veranstaltung mobil, das Polizeiaufgebot war sehr groß.
Das Treffen von Kriegsveteranen und ihren Angehörigen aus vielen Ländern Europas fand diesmal nicht wie üblich bei der Gedenkstätte auf dem Ulrichsberg statt, sondern in einem Festzelt beim Gasthaus "Kollerwirt" unterhalb des Gipfels. Rund 300 Meter entfernt hatten sich die Demonstranten zu ihrer - ordnungsgemäß angemeldeten - Kundgebung eingefunden. Federführend dabei war der so genannte "Arbeitskreis gegen den Kärntner Konsens".
"Wir protestieren gegen das revisionistische und faschistische Treffen auf dem Ulrichsberg", erklärte eine Sprecherin des Arbeitskreises. Konkret wolle man erreichen, dass "derartige Begegnungen untersagt, die Täter des Nazi-Regimes bestraft und Wehrmachtsdeserteure sowie Partisanen und Partisaninnen gewürdigt werden". Die Demonstranten kamen aus Österreich und Deutschland. Auf einem der Transparente stand zu lesen: "Eure Ehre heißt Mord".
Martinz sorgt für Unmut
Auch Festredner ÖVP-Landesrat Martinz sorgte mit kritischen Aussagen zur Waffen-SS für Unmut bei Teilnehmern des Treffens. Er sprach von einem Unterschied zwischen Wehrmachtsangehörigen im Zweiten Weltkrieg sowie Mitgliedern von Waffen-SS und Totenkopfverbänden. Die beiden Letzteren hätten bewusst Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Mehr als 100 der weit über 1.500 Teilnehmer der Veranstaltung verließen daraufhin das Festzelt.
Der Präsident der Ulrichsberg-Gemeinschaft und frühere stellvertretende SPÖ-Landeshauptmann Gallob gab nach der Rede von Martinz eine Erklärung ab, wobei er festhielt, dass die ehemaligen Mitglieder der Waffen-SS, im Gegensatz zu jenen der Totenkopfverbände, auf dem Ulrichsberg sehr wohl willkommen seien.
Die Demonstrationen gegen das Erinnerungstreffen an die Opfer beider Weltkriege und des Kärntner Abwehrkampfes auf dem Ulrichsberg sorgten bei den Teilnehmern für großen Unmut. Alle Redner versicherten, dass die Veranstaltung keineswegs der Verherrlichung des Krieges, sondern vielmehr dem Frieden diene. Die Demonstranten orteten in der Traditionsfeier hingegen eine Huldigung des Faschismus. Zu Zwischenfällen kam es aber nicht.
"Treffen für den Frieden"
Es handle sich um kein Treffen der Kriegsheimkehrer, sondern um eine Begegnung für die Erhaltung des Friedens, betonte der Präsident der Ulrichsberg-Gemeinschaft, Rudolf Gallob. Er rief gleichzeitig dazu auf, angesichts des Terrorismus "den Armen zu helfen", damit sie wenigstens bescheiden leben könnten. Das wäre vermutlich ein probates Mittel gegen die weltweit ausufernde Gewaltbereitschaft.
Zur Verurteilung der ehemaligen Angehörigen von Waffen-SS und Totenkopfverbänden durch Festredner ÖVP-Landesrat Josef Martinz stellte Gallob fest, dass man sehr wohl einen Unterschied zwischen diesen beiden Gruppierungen mache. Die Mitglieder der Waffen-SS seien nämlich im Gegensatz zu jenen der Totenkopfverbände "Soldaten gewesen".
(apa/red)
