Sex-Skandal im Priesterseminar St. Pölten: Gericht bestätigt jetzt sexuelle Beziehungen
- Klage gegen "profil" in erster Instanz abgewiesen
- Sympathisanten der Kläger provozierten Richterin

Das Wiener Straflandesgericht hat bestätigt, dass es im Priesterseminar St. Pölten homosexuelle Beziehungen gegeben hat. Eine dagegen eingebrachte Klage der ehemaligen Leiter, Regens Ulrich Küchl und Sub-Regens Wolfgang Rothe, wurde abgewiesen. Das Nachrichtenmagazin "profil" hatte im Vorjahr unter anderem von "Sex-Spielen zwischen Priestern und deren Schülern" geschrieben und berichtet, Jungpriester hätten es "mit ihrem Chef und seinem Stellvertreter getrieben".
Prälat Küchl und Rothe, früher persönlicher Sekretär und Rechtsberater von Altbischof Kurt Krenn, initiierten darauf ein medienrechtliches Verfahren. Sie verlangten eine Richtigstellung sowie eine angemessene Entschädigung, weil man sie mit falschen Behauptungen in der Öffentlichkeit bloßgestellt habe.
Das "profil" hatte den Artikel mit Fotos illustriert, die eine Kuss-Szene zwischen Rothe und einem Priesterseminaristen bzw. Küchl bei der innigen Umarmung eines polnischen Alumnen zeigen, wobei eine seiner Hände im Genitalbereich seines Schülers zu ruhen scheint.
Das Magazin bot im Gegenzug den Wahrheitsbeweis an, "und nach meinem Dafürhalten ist dieser geglückt", stellte Richterin Natalia Frohner nun nach mehrmonatiger Verhandlungsdauer und zahlreichen Zeugeneinvernahmen fest. Sämtliche Begehren der Kläger wurden abgewiesen. Sie haben auch die Verfahrenskosten zu tragen. Ihr Rechtsbeistand meldete dagegen volle Berufung an.
"Foto ist Ausdruck einer Beziehung"
Das Foto, das den ehemaligen Regens Ulrich Küchl bei der Umarmung eines Schülers zeigt, kommentierte Richter Natalia Frohner in ihrer Urteilsbegründung wie folgt: "Das ist meines Erachtens in ganz klassischer Weise eine Umarmung, wie sie in einer Paar-Beziehung vorkommt." Es gebe keinerlei Anzeichen, dass dieses "liebevolle Umarmen" in spiritueller Weise begründbar wäre.
Das ominöse Kuss-Foto wiederum - aufgenommen unter einem Mistelzweig anlässlich einer Weihnachtsfeier in Rothes Wohnung - stellt laut Frohner "Ausdruck einer Beziehung" zwischen dem ehemaligen Sub-Regens und einem Seminaristen dar. "Mund auf Mund, die Augen sind inniglich geschlossen. Das Foto lässt meiner Meinung nach keinen Interpretationsspielraum offen. Das ist einfach kein liturgischer Weihnachtsgruß unter einem Mistelzweig", so die Richterin.
Küchl und Rothe hatten stets sexuelle Bande zu Seminaristen bestritten. Ihr Anwalt meinte noch in seinem Schlusswort: "In Feierlaune, wenn man Wein getrunken hat, kann es in Männerrunden zu solchen Sachen kommen, dass man sich umarmt." Geschlechtlichen Hintergrund habe das keinen.
"Kern des Vorwurfs ist, dass es im Seminar homosexuelle Beziehungen zwischen Prälat Küchl bzw. Doktor Rothe und Schülern gegeben hat", hielt dem die Richterin entgegen. Und diese wären "dokumentierbar vorgefallen".
Die Richterin stieß sich in diesem Zusammenhang an der Position der katholischen Kirche, wo sie "ein Auseinanderklaffen" zwischen der offiziell vertretenen Sexualmoral und dem, was sich mitunter innerkirchlich abspiele, feststellte: "Es ist Aufgabe der Medien, solche Missverhältnisse an die Öffentlichkeit zu bringen."
Unruhe nach der Urteilsverkündung
Nach der Urteilsverkündung machten Sympathisanten der Kläger - darunter der "ewige Pornojäger" Martin Humer - ihrem Unmut Luft. Sie solle nicht ständig lächeln und grinsen, provozierte ein älterer Mann die Richterin. Ein anderer rief abfällig: "Ein Richtung weisendes Urteil!" Eine gebrechliche, sich auf einen Stock stützende betagte Frau beleidigte "profil"-Anwalt Hubert Simon, der ihr im Gegenzug ein Strafverfahren androhte.
Sicherheitshalber forderte die Richterin darauf Ordnungskräfte an, doch ehe die beiden Uniformierten eintrafen, hatten sich die Gemüter wieder beruhigt. Humer redete vor dem Saal anschließend minutenlang auf Wolfgang Rothe ein, wobei er immer wieder Worte wie "Porno", "Kinderporno" und "Porno-Affäre" fallen ließ. "Was hat das mit mir zu tun?", fragte schließlich Rothe.
Das Priesterseminar St. Pölten war im Juni 2004 vom damaligen päpstlichen Visitator und nunmehrigen Bischof der Diözese Klaus Küng geschlossen worden. Dass sich Seminaristen kinderpornografisches Material beschafft hatten und die Leiter offensichtlich zu enge Beziehungen zu einigen Alumnen unterhielten, hatte für enormes Aufsehen gesorgt. Im Herbst soll das Prieserseminar nun unter einer neuen Leitung wieder den regulären Betrieb aufnehmen. (apa/red)
