Donnerstag, 15. September 2005

Fünf Tage mit gerissener Hauptschlagader:
"Medizinisches Wunder" in Niederösterreich

  • 48-Jähriger im AKH Linz noch rechtzeitig behandelt

Ein 48-jähriger Mann aus dem Bezirk Amstetten in Niederösterreich hat fast fünf Tage mit einer gerissenen Hauptschlagader überlebt. Das Allgemeine Krankenhaus (AKH) Linz, in dem der Patient derzeit behandelt wird, sprach in einer Presseaussendung am Donnerstag von einem "kleinen medizinischen Wunder".

Der Niederösterreicher hatte in der Nacht auf 1. September einen Einriss der Hauptschlagader zwischen Herz und Aortenbogen erlitten. 50 Prozent der Menschen mit einer derartigen Verletzung würden nach Auskunft des AKH sterben, wenn diese nicht innerhalb von 24 Stunden versorgt würden. Der 48-Jährige jedoch rettete sich mit Grippe- und Schmerzmitteln über das Wochenende und suchte am Montag seinen Hausarzt auf, der ihn umgehend zum Radiologen schickte.

Dieser erkannte den Ernst der Lage und verwies den Mann an das Krankenhaus Amstetten. Der 48-Jährige rief im Spital an und las dem Chirurgen die Diagnose vor. Der Mediziner empfahl die Herzspezialisten des Linzer Krankenhauses. Von dort hob sofort ein Rettungshubschrauber ab, der am Grundstück des Niederösterreichers landete und ihn schließlich nach Oberösterreich brachte.

Im AKH wurde der Patient sofort für einen Notoperation vorbereitet. Rund 15 Einrisse der Hauptschlagader, die zumeist auf Bluthochdruck zurückzuführen sind, werden von der Herzchirurgie des Krankenhauses jährlich operativ versorgt. Dabei wird der Körper des Patienten in etwa zwei Stunden von seiner "Betriebstemperatur" auf 26 Grad abgekühlt und dann de facto "vom Netz" genommen. Konkret heißt das, dass im Körper kein Blut mehr fließt, das Herz zu schlagen aufhört und auch die Organe nicht mehr versorgt werden. Nur mehr das Gehirn bekommt über die Herz-Lungen-Maschine Blut und Sauerstoff zugeführt.

45 Minuten dauerte dieser "Körpernetzausfall" bei dem Mann aus Niederösterreich. In dieser Zeit wurde die gerissene Hauptschlagader angenäht, der Aortenbogen durch einen künstlichen Bogen ersetzt. Die Herzklappe konnte dem Patienten erhalten werden. Dann wurde der Körper in weiteren zwei Stunden wieder auf seine "Normaltemperatur" gebracht. Der gesamte Eingriff dauerte rund sieben Stunden. Kommendes Wochenende soll der 48-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen können. (apa)

15.9.2005 09:55