Hofreitschule mit Finanzproblemen: Neuer Chef soll die Bilanz wieder aufpolieren
- Vertrag von Werner Pohl wird nicht mehr verlängert

Die Lipizzaner-Welt ist ins Wanken geraten. Die Spanische Hofreitschule schreibt höhere Verluste als im Business-Plan vorgesehen. Ein neuer Direktor soll nun für das Traditionsunternehmen bis 2008 eine ausgeglichene Bilanz erwirtschaften. Der Vertrag von Werner Pohl wird indes nicht mehr verlängert, bestätigt der Aufsichtsratsvorsitzende der Hofreitschule, Johannes Abentung.
Mit Ausgliederung des Unternehmens aus dem Agrarressort 2001 wurde ein strenger Wirtschaftsplan erstellt, der auch Verluste einkalkuliert. In den ersten Jahren konnte das Minus der Spanischen Hofreitschule auch im Rahmen gehalten werden bzw. wurde sogar unterschritten, so Kreise. Nun sei das Defizit aber aus den Ufern geraten: 2005 fallen Verluste von 3,7 Mio. Euro an, veranschlagt waren laut Abentung aber nur 2,7 Mio. Euro gewesen.
"Die 'Spanische' hat vor vier Jahren vom Bund Geld bekommen, das bis 2008 reichen muss. Die Schere ist aber immer weiter auseinander gegangen", so der Aufsichtsrat. Dies sei auch der Grund gewesen, weshalb man entschieden hat, den Vertrag von Pohl, der Ende Jänner 2006 ausläuft, nicht mehr zu verlängern und dem Geschäftsführer des Unternehmens, Armin Aigner, die Leitung zu übertragen. "Es war für uns nicht mehr absehbar, dass Pohl das in den Griff bekommt", sagte Abentung. Aigner ist dagegen bekannt als "sehr guter Kaufmann", der "genau kalkuliert", beschreiben ihn Kreise.
Weichen für Solidität gestellt
Seit der Ausgliederung gibt es den Auftrag, die Hofreitschule vom Zuschussbetrieb in ein Unternehmen zu verwandeln, das ausgeglichen bilanziert - und zwar bis 2008. Dies sei nach wie vor das Ziel, betonte auch das Landwirtschaftsministerium. Mit dem Übergang von Pohl zu Aigner seien jedenfalls die Weichen für eine wirtschaftlich solide Entwicklung gestellt worden. Aigner habe nun den Auftrag, den Business-Plan zu evaluieren und eventuell auch anzupassen, hieß es zur APA.
Hauptverantwortlich für die roten Zahlen sind laut Abentung vor allem hohe Lohnkosten und die Tatsache, dass keine neue Produkte entwickelt worden seien. Vor allem das Gestüt in Piber sei "sehr personalintensiv", hieß es. Der Aufsichtsrat habe daher ein neues Konzept für Piber beschlossen, das das Gestüt zunehmend auf Tourismus umzubauen. Mit dieser "touristischen Aufwertung" und einem neuen Business-Plan für Piber soll das gesamte Unternehmen 2008 profitabel wirtschaften. Insgesamt 600.000 Euro sollen in Umbauten und Marketing für Piber fließen. Der landwirtschaftliche Bereich werde dagegen eingeschränkt und Flächen künftig verpachtet. (apa)
