Kinderärzte schlagen Alarm: Österreichs Jugendliche haben massives Alkoholproblem
- Starker Anstieg der Vergiftungsfälle wird registriert
- "Pandemie der Dickerln": Übergewicht macht Sorgen
Österreichs Kinderärzte schlagen Alarm: Die Jugendlichen haben in immer mehr Fällen ein massives Alkoholproblem. Abhängig werden sie aber auch zunehmend vom Nikotin. Hinzu kommt noch die "Pandemie der Dickerln". "Jedes vierte bis fünfte Kind und jeder dritte bis vierte Jugendliche ist übergewichtig. Vier bis acht Prozent der Schulkinder sind adipös", warnt Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer.
"Wir haben an meiner Klinik vor 15 Jahren einmal im Monat ein Kind wegen einer Alkoholvergiftung behandelt. Heute sind es 140 im Jahr", sagte der Leiter der Universitätsklinik für Kinderheilkunde in Graz, Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Müller. Während in der Öffentlichkeit immer wieder über die Opiatsucht - bei den Jugendlichen haben in Österreich ein Prozent "Konsumerfahrung" - diskutiert wird, spielt sich das Abgleiten in die Sucht auf dem Gebiet der "legalen" Substanzen ab.
Die Daten der Grazer Universitätsklinik, die aus Anlass der Jahrestagung der österreichsichen Kinderärzte in den kommenden Tagen in St. Pölten präsentiert wurden: Im Jahr 1990 gab es dort sechs Jugendliche, die wegen Alkoholvergiftung behandelt werden mussten, 1991 waren es zwei, 1992 zehn. Es folgte ein Anstieg bis auf 37 im Jahr 1996. 1997 waren es 77, 1998 dann schon 93 und 1999 schließlich 76.
Bis zu 142 Alkoholvergiftungen pro Jahr
Im Jahr 2.000 wurden in Graz dann 135 Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen (Behandlung an der Klinik) registriert, 2001 waren es 142, 2002 dann 141, im Jahr 2003 137 und im vergangenen Jahr 119. Dr. Andrew Zaunschirm (Krankenhaus Krems): "Das ist ein Trend, der nicht nur in Graz, sondern in allen großen Städten so läuft." Doch die ländlichen Regionen hätten die Städte in Sachen Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen bereits überflügelt. Die meisten Alkoholvergiftungen unter den Heranwachsenden werden übrigens im Durchschnittsalter von 15 und 16 Jahren registriert.
Dagegen sei die Rate der Opiat-Abhängigen unter den Jugendlichen gesunken. Beim Mischkonsum von Suchtmitteln fehlten in Österreich Behandlungsmöglichkeiten. Auch Nikotinsucht geht um: 25 Prozent der 15-jährigen Mädchen und 20 Prozent der 15-jährigen Buben rauchen täglich. Die beste Vorbeugung gegen Suchtverhalten bei Jugendlichen: Mehr Zeit, welche ihnen die Eltern in der Familie widmen.
"Pandemie der Dickerln"
Langfristig hoch gefährlich ist auch die "Pandemie der Dickerln". Zwiauer: "In den vergangenen 100 Jahren sind die Kinder um 15 Prozent größer geworden. In den vergangenen 25 Jahren sind sie um 20 Prozent dicker geworden." Der Anteil der Übergewichtigen in der Bevölkerung - angefangen bei Kindern und Jugendlichen - würde pro Jahr um 0,5 bis ein Prozent zunehmen, der Anteil der Adipösen um 0,5 Prozent.
Die österreichischen Pädiater haben gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium einen "Österreichischen Gesundheitsplan für Kinder" erstellt, der vor allem die Versorgungsstrukturen analysiert. Für ihr Engagement in dieser Angelegenheit wird Ressortchefin Maria Rauch-Kallat (V) morgen, Donnerstag, in St. Pölten mit der höchsten Auszeichnung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, der Theodor-Escherich-Plakette, geehrt. (apa/red)
