Mittwoch, 14. September 2005

"Kabarett könnte nicht besser sein": Hoch-zeitsbuch des Sozialministeriums erschienen

  • SPÖ-Frauen ziehen Publikation durch den Kakap
  • Prammer: Unglaublich, wofür Geld verschwendet wird

Das Sozialministerium hat eine neue Publikation herausgebracht: Das "Hochzeitsbuch". Die SPÖ-Frauen ziehen das Werk im wahrsten Sinne des Wortes durch den Kakao. "Ein gutes Kabarett könnte es nicht besser", so SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer. "Das Sozialministerium hat offensichtlich viel zu wenig Aufgaben", so Prammer.

Das Ministerium würde sich wohl ausschließlich mit Imagewerbung und Klischees widmen, die wirklichen Herausforderungen würden indes brach liegen, kritisierte. Unter Schmunzeln und Auflachen zitierte die Schauspielerin Nicola Gerbel aus dem Buch: "Die Hochzeit ist ein guter Anlass sich gerade das zu wünschen, was man schon lange begehrt, sich aber nicht selber kauft. Das kann der heiß ersehnte Bauernkasten aus dem Antiquitätengeschäft um die Ecke sein oder einfach Großmutters Tischtuch.....". Zu finden seien auch Hinweise für die "Schönheit der Braut" und Kommunikationsratschläge für das eheliche Frühstück.

Für Prammer ist "kaum zu glauben", wofür öffentliche Gelder missbräuchlich verwendet wurden. Die Kosten belaufen sich laut parlamentarischer Anfragebeantwortung von Sozialministerin Ursula Haubner (B) für die ersten, bereits vergriffenen 5.000 Exemplare auf 22.354 Euro, für den Nachdruck von 40.000 Exemplaren voraussichtlich auf 105.000 Euro. Diese Gelder wären bei Frauenberatungsstellen besser aufgehoben gewesen, ärgerte sich Bundesfrauen-Geschäftsführerin Bettina Stadlbauer.

Ministerin hält Buch für zeitgemäß
Die Sozialministerin hat in der Anfragebeantwortung die rechtlichen Informationen in dem Buch betont. Dem widerspricht Prammer: Es wäre gut, die Eheleute ausführlich über ihre Rechte zu informieren. Aber gerade diesem Kapitel werde nur "sehr wenig Raum" gewidmet. Es wimmle viel mehr von "Tipps und Tricks", tradierte Rollen würden ins Zentrum gerückt werden. Die Ministerin hält hingegen das Buch für zeitgemäß, da die Zielgruppe nicht "junge Frauen" seien, sondern Frauen jedes Alters, die sich zu einer Hochzeit entschließen.

Auch von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) liegt eine Anfragebeantwortung zu seiner Bezeichnung der "unvollkommenen Alleinerzieher" in einer Rede am 22. Juni 2005 vor: "Die Bezeichnung "unvollkommen" sei "natürlich nur im Sinne des historischen Familienbildes zu verstehen und nicht dahingehend zu interpretieren, dass andere Formen des Zusammenlebens als Ehe und Familie nicht in der Lage wären, Kindern Sicherheit und Geborgenheit zu bieten", schreibt der Kanzler.

Schüssel: Partnerschaftliche Erziehung fördern
Gleichzeitig verweist Schüssel aber auf wissenschaftliche Erkenntnisse, wonach Trennung oder Scheidung Einflüsse auf die Entwicklung der Psyche der Kinder habe. "Daher sollte von der Gesellschaft alles unternommen werden, eine partnerschaftliche Erziehung durch beide Elternteile, wie dies in Ehe und Familie ermöglicht wird, zu fördern". Der Bundeskanzler habe also nicht versucht, seine Bezeichnung zu relativieren, sondern seine Meinung bekräftigt, bewertete Stadlbauer die Anfragebeantwortung als "enttäuschend".

Im Hochzeitsbuch können die Eheleute auch zwei Tests durchführen - und zwar über ihre Beziehungsfähigkeit und ob sie Familienmenschen sind. Da das Brautpaar das Buch anlässlich ihrer standesamtlichen Hochzeit bekommt, könnten die Tests nicht so ernst gemeint sein, vermutete Stadlbauer. Deshalb haben die SPÖ-Frauen auch auf ihrer Internetseite ein ironisches Fragetest-Gewinnspiel angeboten - mit dem Titel: "Sind Sie der vollkommene Familienmensch?". Die Gewinnerin erhielt im Rahmen der Pressekonferenz Blumen und einen Gutschein für ein "Candle-light-Diner". (apa)

14.9.2005 12:54