Finanz-Debakel in Spanischer Hofreitschule:
Direktor Pohl wurde bereits beurlaubt
- 2. Geschäftsführer Aigner führt das Unternehmen
- Defizit soll mehrere Millionen Euro betragen

Werner Pohl, Direktor der Spanischen Hofreitschule, wird in Zukunft das Traditionsunternehmen nicht mehr leiten und ist bereits beurlaubt. Das sagte Armin Aigner, derzeit einziger Geschäftsführer der Institution, am Dienstag zur APA. Laut Medienberichten ist die Hofreitschule in ein Finanz-Debakel geschlittert.
Das Defizit soll "mehrere Millionen Euro" betragen. Hauptverantwortlich für die tiefroten Zahlen sollen dem Bericht zufolge Investitionen in den Umbau der Hofreitschule sowie in das Gestüt im steirischen Piber gewesen sein. In dem "Krone"-Bericht hieß es: "So waren im Jahr 2005 etwa 2,7 Millionen Euro Defizit veranschlagt, in Wirklichkeit wurde aber ein Minus von 3,68 Millionen Euro eingefahren."
Insgesamt neun Mio. Euro sind in den Jahren 2001 bis 2004 in bauliche Veränderungen an beiden Standorten gesteckt worden, hieß es in der "Krone". "Pohl ist ein hervorragender Zuchtexperte, aber die Hofreitschule hat große Geldprobleme. Wenn die gesteckten Ziele nicht erreicht werden, muss man die Konsequenzen ziehen", wurde Johannes Abentung, Sektionsleiter im Landwirtschaftsministerium, in der "Krone" zitiert.
"Eine Ernennung des Geschäftsführers ist Sache des Eigentümers, nicht des Vorstandes. Weil Dr. Pohl schon auf Urlaub ist, führe ich das Unternehmen", betonte Aigner gegenüber der APA. Die Beurlaubung sei in enger Absprache zwischen dem Eigentümer (dem Bund, Vertreten durch das Landwirtschaftsministerium, Anm.) und dem scheidenden Direktor erfolgt. Aigner, seit Mai für kaufmännische Belange zuständig, hat einen Vertrag für die nächsten fünf Jahre. Ob es noch einen weiteren Direktor geben wird, ist offen.
Laut Aigner gibt es den Auftrag, die Hofreitschule vom Zuschussbetrieb in ein Unternehmen zu verwandeln, das ausgegleichen bilanziert - und zwar bis 2008 oder 2009. "Pohl ist 2001 angetreten, um die Basis dafür zu schaffen", so Aigner. Wichtig sei vor allem die Sicherstellung von Haltung und Aufzucht: "Das ist passiert."
Werner Pohl habe diese Phase abgeschlossen, jetzt komme die zweite Phase, nämlich die wirtschaftliche Nutzung. Aigner bestätigte, dass die Spanische Hofreitschule derzeit rote Zahlen schreibt: "Ja, wir machen Verluste, aber wir sind am richtigen Weg." Konkrete Zahlen nannte er nicht.
Ab Februar startet in Wien eine neue Art der Vorführung. Für Besucher wird es die Möglichkeit geben, einen Tag vor den regulären Auftritten am Training der Pferde teilzunehmen.(apa/red)
