Österreich bei Hochschulbildung miserabel: Akademikerquote weit unter OECD-Schnitt!
- Nur 15% haben Studium oder Akademie absolviert
- Nur jeder Dritte studiert, in OECD jeder Zweite
·INFOGRAFIK: OECD- Studie auf einen Blick
Akademikerquote in Österreich nur bei 15%
·"Bildungserwartung" in Österreich niedrig
Auch hier deutlich unter OECD-Durchschnitt
Zeugnisverteilung für die Bildung: Die Veröffentlichung der OECD-Studie "Education at a Glance" (Bildung auf einen Blick) am Dienstag hat wieder Stärken und Schwächen des österreichischen Bildungssystems aufgezeigt: Die Akademikerquote ist unterdurchschnittlich, dafür haben umgekehrt vergleichsweise viele Österreicher einen Sekundarabschluss. Die durchschnittliche Klassengröße an den Schulen ist verhältnismäßig gering, dagegen sinkt der Anteil der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die "Bildungsquote". Die Regierung sieht ihren bildungspolitischen Weg durch die Studie bestätigt, die Opposition macht dagegen den "Bildungssparkurs" für die Ergebnisse verantwortlich.
Mit einer Akademikerquote von 15 Prozent liegt Österreich deutlich unter dem Schnitt der OECD-Länder (24 Prozent). Internationale Spitzenreiter sind Kanada (44 Prozent) und die USA (38 Prozent). Im Bildungsministerium verweist man auf eine seit 1999 steigende Akademikerquote und die "begrenzte Vergleichbarkeit" der Werte, weil in anderen Ländern z.B. die Ausbildung zum Kindergärtner akademisch ist. Auch bei den Studienanfängerquoten ist Österreich unterdurchschnittlich: Während im OECD-Schnitt jeder zweite Jugendliche (53 Prozent) im Lauf seines Lebens ein Hochschulstudium (Tertiärbereich A) aufnehmen wird, ist es in Österreich nur jeder Dritte (35 Prozent). Zum Vergleich: In Schweden beginnen 80 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium, in Finnland 73 Prozent.
Hohe Zahl an Sekundarabschlüssen
Im Schulbereich sieht es besser aus: Demnach haben in Österreich 79 Prozent der 25- bis 64-Jährigen einen über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss, also etwa Lehre oder Matura (Sekundarstufe II), im OECD-Schnitt sind es 66 Prozent. Die Österreicher sind aber vergleichsweise verhältnismäßig kurz im Klassenzimmer bzw. im Hörsaal: Ein fünfjähriges österreichisches Kind hat eine durchschnittliche Ausbildungsdauer von 16,1 Jahren vor sich. Im OECD-Schnitt liegt die Bildungserwartung bei 17,3 Jahren.
Klassengrößen besser als OECD-Schnitt
Bei den durchschnittlichen Klassengrößen an den Schulen liegt Österreich über dem Länderschnitt. Im Primarbereich (Volksschule) sind in Österreich im Schnitt 20,1 Kinder in einer Klasse (OECD-Mittel: 21,6), im Sekundarbereich I (AHS-Unterstufe/Hauptschule) 24 (OECD-Mittel: 23,9).
"Bildungsquote" sinkt weiter
Weiter sinkend ist die "Bildungsquote": Wurden 1995 noch 6,1 Prozent des BIP für Bildung ausgegeben, waren es 2002 nur mehr 5,7 Prozent. Damit liegt Österreich mittlerweile unter dem OECD-Schnitt von 6,1 Prozent. "Bildungsausgaben als Prozentsatz des BIP zeigen anhand des für Bildung verwendeten Anteils der Gesamtressourcen eines Landes die Priorität von Bildung in dem entsprechenden Land auf", schreibt die OECD. Deutlich zurück bleibt Österreich auch bei der realen Steigerung der Gesamtausgaben für Bildung zwischen 1995 und 2002 - also ohne Berücksichtigung des BIP. Dagegen liegen die jährlichen Ausgaben pro Schüler und Studenten (inklusive privat aufgewendeter Mittel) hierzulande klar über dem OECD-Mittel - im Schulbereich kommt Österreich auf Platz fünf, im Hochschulbereich auf Platz sieben.
Widersprüchliche Daten zu Beschäftigung und Ausbildung
Widersprüchliche Daten liefert die OECD bezüglich der Beschäftigungs- und Ausbildungssituation junger Menschen: In einer Statistik weist die Studie einen zwischen 1998 und 2003 von 6,6 auf 10,2 Prozent steigenden Anteil der 15- bis 19-Jährigen auf, die sich weder in Ausbildung befinden noch beschäftigt sind. Im gleichen Kapitel der Studie findet sich aber auch eine Statistik, wonach 5,6 Prozent der 15- bis 19-Jährigen nicht in Ausbildung stehen und keinen Job haben, womit Österreich besser als der Schnitt der OECD-Länder von 7,8 Prozent wäre.
Gehrer zufrieden - Kritik von der Opposition
Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) sieht ihren bildungspolitischen Weg der vergangenen Jahre bestätigt. Im Vergleich zur OECD-Studie im Vorjahr seien die Bildungsausgaben in allen Bereichen deutlich gestiegen, die Studie zeige, dass die Bildungseinrichtungen über "gute Rahmenbedingungen" verfügen würden. Nach Ansicht der Opposition tragen Gehrer und Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) und ihr "unsensibler Sparkurs" die Hauptschuld am Abschneiden Österreichs. Die Arbeiterkammer ortet Versäumnisse der Regierung bei Bildung und Ausbildung, für die Wirtschaftskammer belegt die Studie das hervorragende Bildungsniveau.
(apa/red)
